Tulum

Mir ist zumute wie Silvester: Die letzte Nacht, das letzte Frühstück...

Der Unterschied ist nur, es beginnt kein neues Jahr, sondern ich fliege heute nach Hause. Und ich freue mich darauf ohne Ende!

Ehe ich mich mit Sack und Pack zum Busbahnhof bewege, will ich von den letzten Tagen in Tulum erzählen. Ordnung muss sein.

 

Der Bus braucht 3,5 Stunden, um - gößtenteils durch struppigen Busch, dann und wann durch eine Ansiedlung,  Tulum zu erreichen.

 

Meine Unterkunft liegt vier Blocks von der Hauptsraße entfernt. Es ist sehr ruhig, die Leute, die hier Verantwortung haben, sind hilfsbereit und freundlich.

Das allerschönste ist der Pool! Das sehen die vielen Vögel, die ohne Unterlass ein Bad nehmen, auch so. Es wird mir nie langweilig ihre Strategien zu beobachten, wenn sie ein kühles Bad nehmen wollen. Die Großen, mit den langen Beinen, können auf der obersten Stufe der Treppe stehen, die Kleinen müssen im Flug sehen, dass ihr Bauch nass wird!

Keine Sorge, dass war nicht mein ganzes Programm für diesen - besonders bei Amerikanern - beliebten Ferienort.

Ich bin mit dem Collectivo zum Strand gefahren. Den Angaben meines Hoteliers entsprechend, suche ich die Haltestelle. Nach mehrmaligem Nachfragen finde ich sie. Es fehlen nur noch zwei Personen in dem Büsschen. Dann kann es losgehen.

Das Städtchen Tulum ist einige Kilometer vom Strand entfernt. Wer annimmt, dass es sich nur um Sand und Wasser handelt, irrt gewaltig! Der ganze Strand ist mit Hotels, Restaurants, Beech Clubs, Geschäften bebaut, sozusagen ein Ferienort für sich. Das bedeutet, dass normale Gäste aus der Stadt keinen Zugang zum Wasser haben. So ein Schiet!

Glück habe ich eigentlich immer. So auch heute. Eine Frau steigt ein, die Englisch spricht. Sie hilft mir mit guten Tipps. Bei ihrem letzten Urlaub ist sie in einem sehr netten Hotel gewesen. Das empfielt sie mir jetzt. Sie übernimmt sogar meine Transportkosten, weil ich nicht so schnell mein Geld in all dem Gedöns finden kann!

Frischen Mutes stapfe ich durch den weißen Sand Richtung Rezeption. Wie wunderschön! Eine Terasse, ein Restaurant, alle Möbel in den vielen Farben des Wassers gestrichen, zuvorkommendes Personal und Wasser! Was will ich mehr.

Unter Palmen sitzend, bestelle ich mir einen Cocktail und später ein Gericht, schaue, lese, genieße diesen wunderschönen Tag.

Auf dem Rückweg wird es schwierig Transport zu finden. Alle Collectivos sind besetzt und halten nicht an. Ich laufe an der Straße entlang und treffe eine junge Frau, die wartend am Rand steht. Sie hat ein Taxi bestellt und nimmt mich freundlicherweise mit. Im Hotel angekommen, hüpfe ich in den Pool.

Tulum ist für seine Maya Ruinen bekannt. Die will ich unbedingt anschauen. Ich leihe mir im Hotel ein Fahrrad, ziehe mir den schlabberigen Hut über den Kopf und strampel mit dem zu kleinen Rad los. Ihr kennt ja meine Devise: "Ist mir doch egal wie ich aussehe!"

Der Weg dorthin ist zum Teil der gleiche wie zum Strand. Ich biege am Ende nur nach links, statt nach rechts ab. Hier sind auch die öffentlich zugänglichen Strände.

Nach zwei Kilometern kommen die ersten Sperren für die Ruinen. Mit dem Fahrrad bin ich flott da. Nur stehen hier schon zig Räder. Alle sehen sich sehr ähnlich. Die Farben sind zwar unterschiedlich, aber von den Blauen, wie meins ist, sind sicher schon 30 vorhanden! Ich pflücke einen Zweig, den ich ins Körbchen lege und außerdem fotografiere ich den Namen meines Sattels!! Was kann jetzt noch schiefgehen.

Während die Warteschlange sich langsam Richtung Kasse bewegt, bekommen wir Besuch. Die Dame, die hier im Hotel den Boden wischt, meint, das sei ein Zorro.

Die Ruinen sind beeindruckend, die Beschreibungen äusserst informativ. Überall wird fotografiert. Bei einer Session mache ich auch mit und drücke einer jungen Frau meinen Fotoapperat in die Hand.

Außer den vielen Ruinen gibt es einen Abstieg zum Meer. Da ich meine Vorkehrungen getroffen habe - den Bikini angezogen und Karins blaues Handtuch dabei habe - steige ich die Treppen hinunter, wechsel die festen Schuhe mit den Schlappen und versuche ein schattiges Plätzchen zu finden. Lachhaft! Es ist Mittag, wo soll da wohl Schatten sein? Egal, ich habe den Schlapphut. Der muß reichen als Vorbeugung gegen einen Sonnenstich.

Ganz lange halte ich es in der Hitze nicht aus!

Auf dem Rückweg treffe ich einige Iguanas. Sie tun so, als wären sie nicht zu sehen, solange sie sich nicht bewegen.

Die Anlage der Maya Ruinen ist weitläufig. Es ist ein Glück, dass sich die Menschenmassen, gegliedert in  unterschiedliche Führungen, nicht die kleinen Schattenoasen streitig machen. Ich sitze in jeder und genieße einen Schluck lauwarmes Wasser.

Und mit meinem allerschönsten Palmenfoto verabschiede ich mich.

Diese Reise war - wie jede Reise - etwas Außergewöhnliches. Ich habe viele Menschen getroffen, einige sogar etwas besser kennengelernt wie Julio, Olaf und Linda.

Diesen Blog zu schreiben, hat meine Zeit gegliedert und Dank Connies lieben Kommentaren, habe ich auch nie die Lust verloren, weiter zu schreiben. Noch jemandem möchte ich danken. Jeff. Ihn habe ich auf der letzten Reise kennengelernt und er hat täglich mit mir Video - ge - Whatts - apped.

Ab morgen kann ich wieder in meiner eigenen Sprache sprechen. Juchhu.

 

Jetzt habt ihr alle eine Aufgabe: Wünscht mir einen guten Flug.

Alejandros Empfehlungen: Puebla, Oaxaca und San Cristobal de las casas.

Nicht nur die Stadt Puebla ist sehr alt, sondern auch das Hotel in dem ich wohne. Es ist 1602 gebaut worden als erstes Theater der Stadt. Ich bin beeindruckt. Natürlich wird es im Laufe der Jahrhunderte Umbauten gegeben haben, aber der Eingangsbereich mit dem opulenten Brunnen kann schon alt sein.

 

Alejandro, dessen Heimatstadt Puebla ist, hat mich schon über Vorzüge gegenüber Mexico City informiert. Unter anderem macht die Kathedrale dort Werbung damit, dass sie zwei Orgeln habe. Ich habe bei meinem Besuch hier sogar drei gesehen! Zugegeben, die dritte ist ziemlich klein. Dafür ist sie die Älteste.

Ein  Unterschied ist deutlich zu sehen beim Vergleich der beiden Hauptplätze. Der Zocalo in Mexico City ist riesengroß und kahl, und der von Puebla hat große schattenspendende  Bäume und Bänke wie ein Park.

Hallo Alejandro, ich will dir sagen, dass deine Stadt mir sehr gut gefällt, aber heute nicht mehr mit Mexico City zu vergleichen ist. Nicht traurig sein!

Als ich mit dir überlege, welche Städte ich mir auf meiner Weiterreise ansehen muß, kommen deine Vorschläge: Oaxaca und San Cristobal de las Casas. Du meinst, ich müsse unbedingt auch Orte kennen lernen, in denen das Gros der Bevölkerung aus den Nachfahren der Mayas, wie zum Beispiel in San Cristobal, bestehe.

Ich kann dir gar nicht genug danken!

Als erstes fahre ich nach Oaxaca.  Auch dieses Mal entscheide ich mich für eine Unterkunft im historischen Teil der Stadt. Von hier aus kann ich die Straßen durchstreifen und mir Museen, Kirchen, Parks ansehen, die auf meinem Weg liegen. Es ist heiß. Gut, dass immer auf einer Straßenseite Schatten ist.

In einem Museum schaue ich mir etliche Arbeiten an, die von je einem Künstler und einigen Handwerks - Künstlern ausgeführt sind. Das Gemeinsame ist, dass alle in den Beschreibungen ihrer Arbeit darauf hinweisen, wie sehr sie davon profitiert haben, andere Sichtweisen kennen zu lernen. Sie würden gern in einem neuen Projekt die gemeinsame Arbeit fortsetzen.

 

Viele Stunden habe ich im Instituto de Artes Graficas verbracht, in dem Bildbände über Künstler weltweit beisammen stehen. Es reiht sich Raum an Raum mit gefüllten Bücherregalen. Ein Paradies!

Mit Hilfe eines Mitarbeiters finde ich einen dicken Band über Frida Kahlo. Mehr über ihr Leben und ihre Bilder zu erfahren ist wunderbar und die Zeit vergeht wie im Flug!

 

San Cristobal de las Casas erreiche ich nur mit einem Nachtbus. Dann soll es auch besonders bequem sein. Ich kaufe ein Ticket erster Klasse und schlafe sogar!

Ein Taxi bringt mich schon morgens vor 7 Uhr zum Hostel. Alles flüstert. Offensichtlich gibt es neben der Rezeption Schlafzimmer und niemand soll gestört werden.

Das Personal, das die Zimmer verteilt, kommt erst um 8 Uhr. Das macht gar nichts. Hier sind genügend gemütliche Sitzplätze.

 

Mein Zimmer ist in der ersten Etage und schaut auf einen Patio. Ich sehe Hängematten und andere gemütliche Sitzmöglichkeiten. Die Pousada ist historisch, wie das ganze Städtchen.

 

Als nächstes brauche  ich dringend ein gutes Frühstück.

Und es ist sogar ein sehr gutes! Weil Rosas  Küche der Mittelpunkt des Hauses ist, esse ich gleich hier. Hier geht es zu wie im Taubenschlag. Die drei Barhocker vor dem Küchentresen sind immer besetzt. Ich bin so glücklich, mich endlich wieder zwanglos mit Leuten unterhalten zu können!

Den ersten Gang durch den Ort unternehme ich in Richtung einer kleinen Kapelle, die ich auf einer Anhöhe entdecke. 

Jede Bank ist gut genug, um mich für ein paar Minuten auszuruhen. Ich merke schon, dass ich die Nacht im Bus verbracht habe!

Ich stoße auf einen wunderbaren Markt, auf dem Frauen ihre kunstvoll bestickten Blusen, Kleider oder Taschen anbieten. Hier könnte ich viel finden. Ich bräuchte allerdings zwei Esel: einen Goldesel und einen Packesel. Da beide nicht zu beschaffen sind,  kaufe ich nur eine kunstvoll mit der Hand bestickte Umhängetasche als Ersatz für meine Zusammengeklebte, die langsam aber sicher ihren letzten Tagen entgegen geht.

 

 

Die alte Dame hat meine Tasche gearbeitet.

Sie wird seit ihrer Kindheit, wie alle anderen indigenen Frauen, gestickt haben, Die traditionellen Muster und Farben werden von Generation zu Generation weitergegeben. Ganz typisch ist ihr  Haarschmuck. Bommeln und Troddeln sind als schmückendes Beiwerk nicht nur an Haaren oder Ketten zu finden, sondern auch an Taschen. Überall, wo noch der letzte Pfiff fehlt, kommt ein Wollbällchen ins Spiel- oder auch zwei.

Dieses Bergstädtchen hat es mir besonders angetan. Es ist alles da, was einen Ort mit spanischer Vergangenheit haben muss: einen zentralen Platz, an dem sich Kathedrale und Stadtverwaltung befinden, Arkaden, um die Hitze für Passanten erträglicher zu machen und ein in Quadrate gegliedertes Straßennetz. In kleinen Städten mit engen Straßen, gibt es nur Einbahnverkehr. Mir gefällt das. Mir gefallen auch die zur Straße hin schlichten Häuserreihen, die sich nach hinten oft genug zu einem Patio öffnen. Heute bin ich in einen Garten gelockt worden, der so einladend war, dass ich mich am liebsten in einen der beiden Liegestühle gelegt hätte. Hinter ihnen blüht Lavendel - unter anderem. Aber ich suche einen Platz zum Essen. Und weil es so schön ist, kurz vor 5 Uhr noch angenehme Sonnenwärme zu spüren, bestelle ich außer dem Essen auch ein Glas chilenischen Wein. Warum trinke ich keinen hiesigen Wein? Weil es den nur als ganze Flasche gibt!

Das Ticket für die Weiterreise nach Chetumal habe ich schon in der Tasche. Damit ich morgen etwas zu schleppen habe, sind noch zwei Bücher dazu gekommen. Wenn ich schon durch Zeitmangel so viele Ausgrabungen links und rechts meines Weges habe liegen lassen, will ich mir wenigstens die Fotos des Verpassten anschauen. Und wer weiß, vielleicht komme ich nächstes Jahr mit Begleitung zurück!

Auf nach Puebla!

Die Sonne verläßt uns für heute, dabei sind wir noch lange nicht am Ziel! Aber die Reise ist sehr entspannt - kein Wunder bei dem bequemen Bus.

Mein Hotel liegt im historischen Zentrum.

Das Frühstück wird auf der Dachterasse serviert. Da es weit und breit keine Hochhäuser gibt, sind alle Gebäude, die über das Häusermeer herausragen, Kirchen.

Die Kathedrale, deren Türme hier zu sehen sind, befindet sich einen Block entfernt, am Zocalo. Diesen putzigen Namen haben alle großen Plätze, die sich im Zentrum einer mexicanischen  Stadt befinden.

Wenn ich in die entgegengesetzte Richtung schaue, entdecke ich in weiter Ferne einen kleinen Berg mit zartem Rauchfähnchen.

Ich habe ihn mit meinen technischen Möglichkeiten etwas näher heran geholt. Es ist der Vulcan Popocatepetl.

Ich vermute, dass ich das letzte Mal vor mehr als 60 Jahren etwas über ihn erfahren habe. Damals war ich in der Schule und hätte mir nie träumen lassen, diesem Vulcan einmal fast auf die Pelle zu rücken. Ähnlich ist es mir mit dem Titicaca See ergangen, den ich mittlerweile einige Male gesehen und sogar per Schiff befahren habe. Ich nehme an, in meiner Erinnerung haben sich die Namen so besonders gut eingebrannt, weil sie, besonders für Kinder, sehr lustig klingen.

Ich erfahre, dass ich nur nach Cholula fahren muß, um den Popocatepetl in seiner ganzen Größe sehen zu können. Den Weg zu der Busstation finde ich ohne Schwierigkeiten. Die Meinungen über die Länge der Busfahrt ist unterschiedlich, von 25 Minuten bis zu 1,5 Stunden.

Daran muß es wohl gelegen haben, dass ich so ganz zufrieden aus dem Fenster schauend auf das kleine Dorf Cholula warte, in dem meine Reise enden soll.

Als der Bus nach 2,5 Stunden an seinem Endpunkt ankommt, bin ich sehr überrascht. Wir sind in einem Dorf. Aber das heißt ganz anders! Es ist Mittagszeit und knallheiß. Die Straßen sind verlassen und so fühle ich mich auch!

Ein Bus nach Cholula fährt um 13h. Da habe ich fast eine Stunde Zeit.

Da das Glück nicht nur mit den Tüchtigen sondern auch mit mir ist, finde ich eine sehr spezielle Unterhaltung für meine Wartezeit.

Eine Bierreklame lockt mich in eine Mischung aus Lokal, Küche, Laden. Eine alte Frau sitzt am Tisch und pult dicke Bohnen. Dazu nutzt sie einen spitzen Haken, um den Anfang zum Entfernen der harten Schale zu finden.

Ich kaufe bei ihr eine Flasche Wasser und  stelle eine meiner liebsten Ein - Wort - Fragen: Banho?

Darauf erhebt sie sich, sucht einen Schlüssel und verläßt das Lokal. Wir laufen ein paar Schritte an der Straße entlang, ehe sie eine Schuppentür öffnet. Voilà, eine Toilette.

Solange die Tür offen ist, kann ich alles gut erkennen. Sobald ich sie schließe, herrscht Finsternis. Alles ist gut, zum Händewaschen öffne ich die Schuppentür.

Jetzt geht es mir gleich noch einmal so gut und ich kann meiner Altersgefährtin meine Hilfe meim Bohnenpulen anbieten. Wie blamabel, ich verletze mich eher, als dass ich die Pelle von der Bohne abbekomme! Die Oma grinst. Das hat sie mir doch gleich gesagt!

Ihre Tochter preßt in der Zeit mit einem speziellen Gerät aus einem kleinen Teigball einen dünnen Fladen, der auf einer großen Heizplatte gebacken wird.

Champions werden kleingeschnitten und ebenfalls angebraten. Damit wird die Tortilla gefüllt und  anschließend zusammengeklappt. Fertig.

Ich fühle, dass ich plötzlich sehr hungrig bin und bestelle mir auch eine. Kaum bin ich mit dem Essen fertig, ist die Wartezeit auch schon vorüber und ich kann mir einen Platz im Bus suchen.

 

Und weißt du, was das größte Glück dieses Ausflugs ist? Ich habe zufällig auf dem Hinweg, während der Fahrt, ein Foto vom Popocatepetl gemacht, auf dem er ohne Vergrößerung zu erkennen ist.

Jetzt, auf dem Rückweg, ist es so diesig, dass der Vulkan nicht einmal zu erahnen ist!

Ich steige nicht in Cholula aus, das übrigens kein Dorf ist, sondern ein großer Stadtteil, sondern setze die Fahrt fort bis Puebla. Was für ein Ausflug!

Der 5450 m hohe Vulcan Popocatepetl zeigt, dass er nicht erloschen ist.

 

Im Gegenteil, ich habe gerade in den Nachrichten gelesen, dass seine Eruptionen seit Freitag sehr zugenommen haben und die Behörden alles in die Wege leiten, um die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften zu schützen. 

Der Vulcan liegt zwischen Mexico City und Puebla.

Historische Altstadt von San Miguel de Allende

 

Von der freundlichen Dame an der Rezeption erfahre ich die Nummern der Busse, mit denen ich in die Stadt fahren kann.

Bremsen sind immer wichtig, aber hier das Allerwichtigste! Es geht auf engen gepflasterten Gassen steil bergab. Gut, dass die Busse klein und wendig sind.

Der Blick auf die historische Stadtmitte ist hinreißend. Die Häuser sind fast alle in Rot- oder in Ockertönen gestrichen. Der Reiz des Stadtkerns liegt in seinem Gleichmaß. Hier stört nichts. Es fällt nichts aus der Rolle.

Die zahlreichen Kirchen dienen mir zur Orientierung. Die kleinen und größeren Parks mit ihren vielen gußeisernen Bänken sind die idealen Plätze, um  im Schatten zu verschnaufen. Es ist sehr heiß.

 

Ich habe schon öfter erzählt, dass die Bevölkerung in diesem Teil der Welt sehr auf Gott und seine Helfer vertraut.

In einer Kirche steht vor dem Altar eine steinerne Frau im schlichten langen Kleid.  Der Kopf ist etwas geneigt. Sie hält die Arme zum Empfang locker ausgestreckt und beide Hände geöffnet.

Es hat sich eine Reihe bis zu ihr gebildet. Ob Frau oder Mann, jeder ergreift vorsichtig ihre Hände und spricht mit ihr. Obwohl ich keine Katholikin bin, rührt mich der Glaube und die Hoffnung auf den Erfolg der Fürsprache.

Die Fremden sind wie überall schnell auszumachen. Die meisten von ihnen kommen aus Amerika. Mit ihrer Pension können sie hier gut leben. Und dann die Wärme, die alten Knochen und Gelenken gut tut. Auf dem Gebiet bin ich Expertin!

Diese Kirche ist rosafarben. Das fällt auf dem Foto nicht auf. Alejandro erzählt mir, dass es täglich bis zu vier Hochzeiten gibt. Natürlich werden nicht alle Braupaare aus der 140.000Einwohner zählenden Stadt kommen, aber es ist offensichtlich so attraktiv hier zu heiraten, dass weitere Wege in Kauf genommen werden. Wir Hanauer, mit dem einmalig schönen Hochzeitszimmer im Schloss, können davon doch auch ein Lied singen.

Es gibt unzählige Restaurants, die sich oft zu ihren Höfen hin öffnen, Galerien, in denen man sich freut, wenn jemand schauen kommt. Auch die Handarbeiten der Frauen aus den Dörfern haben es mir angetan. Gut, dass ich meistens so standhaft bleiben kann und nichts kaufe.

Das fällt mir nirgendwo so schwer wie in der Aurora, einer für lange Jahre geschlossenen Textilfabrik, die zu neuem Leben erweckt wurde. Hierher führt Alejandro mich, nachdem wir mein Ticket für die Fahrt nach Puebla gekauft haben. Wir wollen ein Glas Wein zusammen trinken. Er vermutet zu recht, dass mir das Ambiente gefällt.

 

Hier setzt er mich ab am Vormittag meines Reisetages. So viele Galerien an einem Platz! Das ist unglaublich.

In der Aurora.

Jede Tür führt in ein Atelier oder eine Galerie.

Mit diesem Künstler unterhalte ich mich eine Weile über die Vorzüge, die diese engen Kontakte zu anderen Malern eröffnen. Selbst wenn jeder zum gleichen Thema arbeiten würde, kämen doch ganz unterschiedliche Werke zustande. Die Handschrift eines jeden Künstlers ist einmalig.

Es muss doch ein sehr angenehmes Gefühl für Mario Oliva sein, wenn er morgens mit seinem riesigen Hund auf  dem Weg zum Studio an seinem Namensschild vorbeikommt. Er hat es geschafft! Ich freue mich für ihn. Er ist ein aufgeschlossener, kommunikativer Maler, der sehr wohl seine Erfahrungen und Gedanken mit anderen Menschen teilen mag.

Jeder oder jede Künstlerin hat den Außenbereich nach eigener Neigung gestaltet. Ich hätte noch Stunden hier verbringen können, aber da war doch noch etwas? Ach ja, ich fahre nach Puebla!

Hacienda in San Miguel de Allende

Und wer oder was hat mich bewogen, gerade in diese Stadt zu fahren?

Ein besonders freundlicher junger Mitarbeiter an der Rezeption des Hotel Astor. Sein Englisch ist ausgezeichnet. Meine Fragen spare ich bis zu seiner Schicht auf. So auch diese: "Wenn du ein paar Tage Zeit hättest, wohin würdest du dann am liebsten fahren?" Seine spontane Antwort hat dazu geführt, dass ich nach San Miguel de Allende gefahren bin. Übrigens, das nächste Reiseziel, Puebla, habe ich auf die gleiche Weise gefunden.

Nur die Unterkunft, die ist meine Entscheidung. Es muss an meiner Vorstellung beim Klang des Wortes "Hacienda" liegen, das ein gepflegtes Anwesen mit vielen Bediensteten, Kuhherden und  Reitpferden vor meinem inneren Auge erscheinen!  Sozusagen Urlaub auf dem Bauernhof in edel - und natürlich ohne Arbeitseinsatz.

Ich komme statt nach drei Stunden Fahrt mit dem Bus erst nach fast fünf Stunden an.  Mein Taxifahrer schaut sich die Adresse an und fragt seine Zentrale nach dem Weg. Er wendet, und fährt etliche der Kilometer zurück, die ich gerade hinter mich gebracht habe.

Dann halten wir auf einer staubigen Kopfpflasterstraße vor einem Anwesen.

Die Information "Hacienda San Patricio" ist oberhalb der Aufschrift Hotel kaum zu erkennen.

Meine Enttäuschung über das Nichtvorhandensein  von Tieren aller Art hält sich in Grenzen.

 

Schon der Eingangsbereich ist beeindruckend und von schlicht weit entfernt.

Schau dir das Fresco an. Es soll wohl an van Gogh erinnern.

Oder hier die gegenüberliegende Wand. Engel machen immer etwas her! Hier möchte ich deinen Blick auf die gemauerte Decke der Fast - Kuppel  lenken. Diese Decken befinden sich im ganzen Haus.

Bei genauerem Hinschauen ist zu erkennen, dass auch hier die Decke gemauert ist. Mein Zimmer befindet sich rechts, vor der nächsten Lampe.

Ich weiß, die Qualität des Fotos läßt zu wünschen übrig.  Aber ich habe es vom Mobilfon abfotografiert und dafür ist es bombig! Es vermittelt  jedenfalls einen Eindruck von meinem wunderschönen Zimmer. Und die Decke.... Aber das weißt du ja schon.

In diesem prächtigen Nachbargebäude, das von einer Kunststoffkuppel geziert wird, die schon von weitem zu sehen ist, befindet sich in der ersten Etage der Salon. Ich habe die vielen unterschiedlichen Sitzgelegenheiten nicht gezählt, aber es sind mehr als genug. Hier können sich die Gäste an je zwei Billardtischen bzw. Fußballspielen amüsieren.

In der unteren Etage wird das Frühstück eingenommen. Nach dem ersten Mal habe ich darauf verzichtet. Wer will schon ganz allein in diesem Palast essen!

Ganz in der Nähe, vielleicht 7 Gehminuten entfernt, gibt es eine Shoppingmall mit allem was das Herz begehrt, auch mit Frühstück unter dem Sonnenschirm.

Mir hat es der Garten mit dem Pool angetan. Aus dem Haus erklingt Blues, vor mir ein kaltes Bier, zu dem mich Alejandro, der Manager, eingeladen hat. So wie es klingt, ist es auch: wunderschön. Alejandro bietet mir an, mich in die Stadt zu fahren, wann immer ich möchte. Da er der einzige ist, mit dem ich mich auf Englisch unterhalten kann, frage ich ihn nach dem Ursprung des Hotels.

Es ist erst vor 29 Jahren gebaut worden und hat 19 Jahre davon in einem Dornröschenschlaf verbracht. Der Großvater der Familie hat das Projekt im Hinblick auf all die Amerikaner im Ruhestand, die diese Stadt lieben und eine Unterkunft benötigen, geplant und begonnen zu bauen. Darüber ist er wohl alt geworden. Jetzt hilft die Familie ihm, den Traum zu verwirklichen.

Im letzten Jahr ist das Hotel fertiggestellt und in Betrieb genommen worden. Geplant sind große Events in Salon, Speisesaal und Garten. Good luck, kann ich nur sagen.

Ich nutze die Zeit hier, um alles was ich in Mexico City erlebt und gesehen habe, aufzuschreiben.

 

Alejandro erzählt mir von einem großen Markt, der ganz in der Nähe zweimal wöchentlich abgehalten wird. Den muss ich mir anschauen.

Um dahin zu gelangen, nutze ich die Fußgängerbrücke über die Fahrbahnen.

Hier gibt es alles was man sich vorstellen kann: Kleidung, Gemüse, Blumen, Möbel, Spielzeug, Klimbim für die Schönheit und natürlich Speisen und Getränke, die an langen Tischen eingenommen werden.

Ich muß gestehen, dass ich nach dem Schauen wieder zur Shoppingmall gegangen bin. Unter dem Sonnenschirm, mit einem mir vertrauten Gericht, ist es mir heute wohler.

Höhepunkte meines viel zu kurzen Aufenthaltes in Mexico City

Wenn ich lange genug lebe, komme ich wieder!

Was will ich auf dieser Reise unbedingt sehen? Bilder von Frida Kahlo und  Murals von  ihrem Mann, Diego Rivera.

Ich will die Sonnen- und die Mondpyramide sehen und mich im Museum darauf vorbereiten.

Ich will einfach durch die Straßen laufen und Dinge entdecken, darüber staunen und mich freuen.

Du schaust richtig. Ich bin mit einer Reisegruppe auf einem der zahlreichen Kanäle unterwegs, die bis vor einigen Jahren bis Mexico City reichten. Damals wurde die Stadt von hier aus mit frischen Blumen versorgt.

 

Heute ist aus dem Transportweg ein Fremdenverkehrs - Highway geworden. Über 1000 von diesen Booten liegen neben-  und voreinander und warten auf die gut gefüllten Touristenbusse.

Wenn die Gondel sich aus dem Wust der Konkurenten mit Hilfe der langen Stange befreit hat, setzt die Wettfahrt ein: welches Boot mit  Musik, oder Papierblumenkränzen, oder echtem Schmuck, oder original mexicanischen Sombreros erreicht meine Gondel zuerst!

Aber die Sonne scheint und die Stunde auf dem Wasser geht schnell vorüber. Anschließend ist Zeit zur freien Verfügung angesagt.

Für Unterhaltung ist gesorgt. Es haben unendlich viele Händler ihre Angebote von Blusen bis Hängematten über bestickte Deckchen in Pavillons ausgestellt. Die möchten auch eine Chance zu einem bombigen Geschäft haben.

Ich vermute, die einzigen, die  hier mit Sicherheit eine richtig gute Einnahmequelle ausgebaut haben, sind  die Toilettenmänner und -Frauen.  Sie kommen aus den zahlreichen Restaurants gesprungen und weisen dank der Werbetafeln die sie tragen, auf ihre sauberen Toiletten hin, deren Benutzung natürlich etwas kostet.

Auch diese Stunde geht schnell vorbei. Nach einiger Zeitverzögerung ist auch der letzte Trödler an Bord des Busses, und schon wird das nächste Ziel angesteuert.

 

 

Ich habe diese Tour gebucht, weil im Prospekt als erstes Angebot das "Blaue Haus" genannt wird.  Wie berühmt und beliebt es ist, kann an der langen Schlange, die wartend davor steht, abgelesen werden.

 

Dieses Haus hat schon Frida Kahlos Vater gehört und hier lebt sie mit ihrem Mann, wenn sie in Mexico City sind.

Als Teilnehmerin einer Tour genieße ich den Vorteil, nicht an der Kasse warten zu müssen. Dafür ist unsere Zeit zum schauen auf eine Stunde begrenzt.

Zuerst sehe ich mir den Garten an.

Es sieht wie bei einer gemütlichen Party aus - zu der ich leider zu spät komme. Nicht einmal Platz gibt es noch! Der Stuhl in der Mitte des Fotos ist auch nicht frei.

Überall befinden sich diese Schilder, die Hinweise auf ihr Leben geben.

Das Paar trennen vom Alter her nur 20 Jahre. Weil Diego bei Frauen erstaunlicherweise gut ankommt, betrügt er Frida oft. Irgendwann wird es zu viel und sie läßt sich scheiden - um Diego später noch einmal zu heiraten.

Frida erleidet als Medizinstudentin einen schweren Busunfall, dessen Folgen sie ihr Leben lang tragen muß. Während der langen Krankheit überredet ihr Vater- der selbst Fotograf ist -  sie, mit dem malen zu beginnen. Sie findet eine neue Aufgabe, bei der sie lernt sich auszudrücken. Das zeigen fortan ihre Bilder.

Als kurz vor ihrem Tod ein Fuß amputiert werden muß, schreibt sie:"Wozu brauche ich Füße, wenn ich fliegen kann".  Das hat mich sehr berührt.

Wir gehen im Gänsemarsch durch das ganze Haus. Mir ist zumute wie bei etwas Unerlaubtem.

Ich wußte vorher schon, dass es hier nur sehr wenige ihrer Bilder zu sehen gibt. Aber ich komme ja wieder. Dann suche ich weiter und ich weiß auch schon wo.

Mehr Erfolg habe ich beim Auffinden einiger Murals, die Diego Rivera gemalt hat und die ihn zum bekanntesten Maler Mexicos gemacht haben.

1947 hat Diego Rivera dieses riesengroße Bild im Hotel del Prado mit der Unterstützung der Maler Rina Lazo, Pedro Penaloza und Andres Sanches Flores gemalt. Das Wandbild, das als Fresco realisiert wird, ist 65 qm groß und wiegt 35 Tonnen.

1987 wird das Fresco in einem gewaltigen Kraftakt mit Unterstützung eines Krahns umgesiedelt, weil das Hotel nach einem schweren Erdbeben nicht zu erhalten ist.

 

Es tut mir sehr leid, dass mein Foto dieses außergewöhnlichen Bildes, auf dem Diego  Rivera alle zu der Zeit bekannten Menschen seines Umfeldes gemalt hat, so schlecht ist! Aber, wenn ich das nächste Mal nach Mexico City fahre, mache ich einen neuen Versuch!

 

Nicht lange jammern.

Wir sind schon durch die Eingangshalle des Anthropologischen Museums in den zentralen Innenhof gegangen. Hier fällt der riesige wasserspendende Schirm, der die Decke  mit Hilfe einer verzierten Säule trägt, sofort ins Auge. Die Besucher können  im Freien ausruhen. Ein Wasserbecken sorgt für eine angenehme Umgebung. Zahlreiche Sitzmöglichkeiten tragen zur  Entspannung bei  - besonders wichtig im Hinblick auf Familien mit Kindern und alten Eltern.

Das National Museum für Anthropologie wird 1964 nach nur 18 monatiger Bauzeit im Chapultepec Park eröffnet.

Es ist einfach fantastisch, drinnen wie draußen.

Hier folgen wir einer Englisch sprechenden Führerin, die uns eine Stunde lang auf Funde, die zur Sonnen- und Mondpyramide gehören, hinweist. Nach der Führung bin ich noch Stunden alleine unterwegs.

Bei all dem, was ich hier sehe, bekomme ich noch mehr Lust auf den Ausflug nach Teotihuacan, der Stadt, die nur eine Stunde von Mexico City entfernt ist und zwischen 100 vor und 600 -750 nach Christi Geburt gegründet und groß geworden ist. Im 6. Jahrhundert, als die Stadt ihre höchste Entwicklung hat, dehnt sie sich  über 24 qkm aus. Davon sind bis jetzt nur die Pyramiden und die sogenannten Paläste an der Straße des Todes ausgegraben.

Es kommt also wieder eine organisierte Tour auf mich zu. Wir fahren im Kleinbus und haben zwei Guides, einen für spanische Erklärungen und einen für Englische.

Mit letzten Hinweisen, ja die Zeit nicht zu verpassen, werden wir in Gruppen vom Parkplatz zu den Pyramiden geführt.

Es ist heiß. Ich trage meine Wasserflasche in der Hand. Den Hut habe ich übergestülpt. Die Händler sind sehr enttäuscht. Ich zeige einem meine leeren Hände und meine, ich hätte kein Geld. Darauf er: " And your husband?"  Da haben wir nun beide Pech gehabt.

Ich quäle mich die vielen Stufen zur Mondpyramide hoch und genieße den Ausblick. Leider stehe ich für das Foto genau vor der höheren Sonnenpyramide!

Auf dem Rückweg finde ich etwas Nettes.

Da hat doch jemand sich ganz viel Mühe gegeben und meine Initialen in die Treppenstufe gekratzt. Danke. Wäre aber nicht nötig gewesen.

Während ich noch "meine" Stufe bewundere und fotografiere, kommt schon der nächste Kletterer von oben, dem ich einen Zwangshalt verordne. Entweder springen oder warten.

Wir kommen alle gut wieder unten an.

Das soll mein letztes Foto sein, sowohl für den heutigen heißen Tag als auch für meine Zeit in Mexico City.

Morgen fahre ich weiter. Die Stadt heißt San Miguel de Allende.

La Reforma

Hättest du gedacht, dass es sich bei der Überschrift um einen Straßennamen handelt?

Offiziell ist ihr Name "Paseo de la Reforma".

 

Ihre Geschichte beginnt 1860. Damals wird ihr Verlauf quer durch die Stadt entworfen.

1864 beginnt die kurze Regierungszeit des Kaisers Maximilian, der, wer kann es ihm verdenken, als gekröntes Haupt für seine Kutschen und Pferde eine standesgemäße Verbindung zwischen seinem Wohnsitz und seinem Regierungssitz beansprucht. Also wird die neue Straße sehr breit konzipiert. Sie erhält den Namen "Promenade der Kaiserin". Nachdem Maximilian nicht nur in Ungnade gefallen, sondern auch sein Leben beendet wird, kommt es zur Änderung  des Straßennamens, übersetzt heißt sie jetzt "Straße der Reform".

Heute kennen die Mexicaner ihre geliebte Prachtstraße unter der Bezeichnung  La Reforma. Hier wird gefeiert und protestiert.

Ich habe schon bei meiner ersten Bekanntschaft über die Breite, die vielen Fahrbahnen, die Rad- und Fußgängerwege gestaunt, nicht zu vergessen, den Schmuck, sowohl an Grün als auch an Kunst. Einiges kann ich hier zeigen, aber es ist noch viel mehr zu entdecken.

 

Das erste große Kunstwerk steht in der Nähe des Lotteriegebäudes. Es ist ein Pferd in Gelb.

Ich habe das Pferd etwas gelber in Erinnerung, aber du hast ja Fantasie.

Jetzt, wo du es weißt, erkennst du sicher sofort, dass es sich um ein Pferd handelt!?

 

Das wohl berühmteste Wahrzeichen der Stadt ist El Angel, der Engel. Nicht von ungefähr hat er mich an unsere Berliner Siegessäule mit der Gold - Else erinnert.

 

El Angel kann staunen über den Verkehr, der Tag und Nacht um seinen großen Kreisel braust.

Ich habe eine Weile auf einer Bank gesessen und  das Verhalten der Bus-, Auto-, Motorrad-, und Fahrradfahrer  beobachtet. Ich vermute, dass der Platz verkehrstechnisch als Kreuzung betrachtet wird. Und so fahren sie auch. Manche Autos müssen ein paar Meter zurücksetzen, damit andere sie nicht rammen. Hoch interessant und ungewöhnlich - jedenfalls für mich als Laiin.

Mein Favorit ist hier zu sehen: Eine Palme, eine Königspalme, schlank und hoch gewachsen und gut gepflegt. Ein Schmuck des großen Beetes.

Auch an den Kreuzungen wird das Thema Palme aufgegriffen. Hier sind sie viel kleiner. Ich schaue eine Weile zu wie zwei Männer dafür sorgen, dass der Baum seine ganze Pracht zeigen kann. Dafür müssen die vertrockneten Palmwedel entfernt werden.

Ganz fertig ist der im Baum arbeitende Kollege noch nicht! Und arbeitslos wird er in der nächsten Zeit auch nicht werden. Hier stehen viele Palmen, die gepflegt werden müssen.

Diesen Platz ziert ein riesiger Brunnen mit einer Diana. Das passt sehr gut, denn wir nähern uns Chaphultepec, übersetzt Grashüpferhügel, in dem sich Maximilians Schloss befindet. Heute sind in dem Park etliche große Museen zu finden. Zwei habe ich mir angeschaut; das Museo Anthropologia und das Museo des Artes.

Auf dem Weg zum Museum treffe ich auf dieses Camp, aufgebaut mitten auf dem Gehweg. Ich betrachte die Fotos. Alles junge Männer. Ich versuche an Hand der beschriebenen Poster, meines spärlichen Spanisch und meiner Fantasie etwas zusammenzureimen. Hier sind 43 Männer verschwunden.

 

Da naht Hilfe. Jemand kommt ans offene Tor des Camps, um es zu schließen. Wir begrüßen uns und ich kann meine Vermutung äußern und Fragen stellen. Meine neue Bekanntschaft kommt aus Irland. Er ist fast ein Jahr unterwegs, davon etliche Monate in Cuba. Jetzt unterstützt er hier im Camp die Eltern der jungen Studenten, die vor ein paar Jahren spurlos mit zwei Bussen verschwunden sind.

Was für eine grauenhafte Vorstellung! Dein Sohn geht morgens aus dem Haus und du siehst ihn nie wieder. Die Erklärungen, die du von der Polizei bekommst, kannst du nicht glauben. Du hoffst etwas heraus zu finden, wenn du dich mit den anderen Eltern zusammenschließt. Viele freiwillige Unterstützer finden sich, besonders zu Anfang.

Dieses Camp, mitten auf der Prachtstraße, ist wie ein Stachel. Es ist etwas, das bei jedem Vorbeigehen an etwas Unglaubliches erinnert. Zwei Busse mit zusammen 43 Studenten sind von jetzt auf gleich einfach weg.

Mein neuer Freund lädt mich zu einem Kaffee im Camp ein und wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Er ist derjenige, der mich auf das anthropologische Museum aufmerksam macht. Das muß ich mir anschauen. Es sei eines der drei Besten der Welt. Für solche Tipps bin ich immer empfänglich. Also nichts wie hin.

Mein Musiker muss jetzt Englisch Unterricht erteilen, sonst wäre er mitgekommen. Und ich soll bitte wieder reinschauen.

Mexico City zum Einstieg

Irgendwie habe ich ein gefälligeres Ende des letzten Blogeintrags in Erinnerung. Da muss ich mich getäuscht haben. Vielleicht kann  etwas  Lustiges das plötzliche Ende vergessen lassen.

 

Am 13. Februar telefoniere ich mit Meike, und erwähne, dass  ich nachher beim einchecken meines Flugs von Bogota nach Mexico City Ärger bekommen könne. In meinem "Billigheimer - Ticket habe ich gerade erst entdeckt, dass nur 1 Gepäckstück pro Person erlaubt ist. Und was mache ich mit dem Rest? Anziehen ist mein Vorschlag.  Zwiebellook, alles übereinander. Der Anorak hat vier Taschen, da passt auch noch etwas hinein. Und die Hängematte dekoriere ich um meinen Hals als üppigen Schal. Darauf Meike trocken: "Davon möchte ich ein Foto haben".

Es gibt kein Foto. Meine Reistasche wird aufgegeben. Der Große Rucksack, der kleine Rucksack, die Umhängetasche gehen als Bordgepäck durch die Kontrolle. Die Fluggesellschaft erlaubt bis zu 9 Kg Handgepäck! Der junge Mann, der die Bordkarte ausgibt, überhört zuerst, dass ich gerne einen Fensterplatz hätte. Er zerreißt, die Karte und stellt eine Neue aus. Heute ist einer meiner vier Glückstage. Es ist der 13. und Thorsten hat Geburtatag.

 

Über dem Wolkenmeer ist eine zweite Schicht. Und darunter die geschwungene Höhenlinie der Anden.

 

 

Sonnenuntergang

 

Der Flug dauert nur fünf Stunden. Alle Formalitäten sind schnell erledigt. Der Piepenautomat rückt ohne zu murren das nötige Geld heraus und ruckzuck sitze ich auch schon mit dem ganzen Geraffel im Taxi zum Hotel.

Ich bin beeindruckt! Dieses Straßennetz, die Geschwindigkeit! Ich klebe mit dem Kopf zwischen den beiden Vorderlehnen, um ja nichts zu verpassen.

Mein Hotel heißt "Astor". Das ist ein Name, den selbst ich mir merken kann. Mein Zimmer liegt in der 1. Etage und ist riesig - besonders im Vergleich zu manch einem Kabuff, in dem ich während der Reise ein Bett gefunden habe! Alles funktioniert und nichts wackelt. Das sind die kleinen Selbstverständlichkeiten, über die ich mich sehr freuen kann.  Sowohl am Waschbecken als auch an der Dusche sind rote und blaue Glassteine angeklebt, um dem Gast zu zeigen: "Hier wird es warm."

 

Nach einer wunderbaren Nacht, mit so viel Platz in dem riesigen Bett, dass selbst  drei weitere Personen  mir nicht aufgefallen wären, freue ich mich auf das Frühstück.

Etwas überrascht schaue ich mir die Beilage zum Rührei an. Sie ist dunkelbraun,  mit weißen Flocken bedeckt, die wiederum mit etwas dekoriert sind, das aussieht wie ein Stück getrocknetes braunes Filterpapier. Ein Blick in die Karte verrät mir, dass es sich um pürrierte Bohnen mit Käse handelt, die durch ein Stück Nacho gekrönt werden. Ja, ich hab es probiert. In den nächsten Tagen wird dieses Gericht immer auf meinem Teller bleiben - sowohl beim kommen als auch beim gehen.

 

Gestärkt und voll Unternehmenslust mache ich mich auf den Weg Richtung Innenstadt. Ich habe eine kleine Karte bei mir und den Hinweiss welche Richtung ich einzuschlagen habe. Zur Vorsicht mache ich Fotos von Hochhäusern, die mir auf dem Rückweg behilflich sein können.

 

Downtown

 

 

Ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs: Taxen und Metrobusse. Letztere haben sowohl ihre eigene Spur wie eigene Haltestellen. Eine meiner neuen Bekanntschaften hat mir berichtet,  dass alle Haltestellen dieser Buslinie binnen zehn Jahren standen! Und der Oberbürgermeister der Hauptstadt zum Präsidenten des Landes gewählt wurde. Der hat bewiesen, dass er´ s kann.

 

 

Es ist hier nicht alles riesig. Es gibt auch die kleinen Händler, die auf Stadtteilmärkten und im Centrum ihre Ware anbieten.

 

 

Während Mamita das Angebot des heutigen Tages vorbereitet, hält die Tochter Ausschau nach einem Spielgefährten. Ich habe schon einen entdeckt!

 

In einem Kunstmuseum der besonderen Art, finde ich diese Installation. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich mich hier amüsiere. Der schwarze Fleck am Boden ist ein Pedal. Wenn ich darauf trete, wird aus dem alten Farbeimer ein Klangkörper, der für eine kurze Zeit erklingt. Der im Eimer befestigte Hammer schlägt die Trommel. Ich weiß nie, welchen Eimer ich höre. Wenn ich schnell genug das Pedal bediene, kann ich Musik machen. Manch einer würde das Krach nennen, aber ich bin begeistert! Und der Securty Mann, der aufgeregt vor dem Eingang auf und ab läuft, ist ein sehr Geduldiger.

Weil ich schon sehr schnell feststelle, das ist meine Stadt und zwei Übernachtungen sind viel zu wenig, buche ich die erste Verlängerung um 3 Tage.

Bogota, aus meiner persönlichen Sicht

Eigentlich ist mein Plan, dass ich diese letzte Reise durch die Anden genieße.

Aber dazu ist der Bus schon zu "fertig". Ich vermute, dass er diesen wilden Ritt durchs Gebirge jeden Tag unternimmt. An einem Tag hin, am nächsten zurück. Dabei kann schon mal die eine oder andere Schraube verloren gehen, oder sich einer der Sitze in der letzten Reihe aus seiner Verankerung lösen. Wo die Sitzgurte abgeblieben sind, wird ein Rätsel bleiben. Aber die Hauptsache ist, dass wir zwar drei Stunden später als geplant, aber immerhin unbeschädigt, unser Ziel erreichen.

Dem Busfahrer, der sich schon beim zweiten Stau im Anflug auf Bogota von seinem besten Freund, dem Beifahrer, verabschiedet, schulden wir großen Dank.  Trotz aller Strapazen bringt er uns heil durch die unzähligen Kurven und überholt mehr Laster, als ich bei der Sicht für möglich gehalten hätte! Sein Fahruntersatz unterwirft sich widerwillig - wenn ich die Motorengeräusche richtig interprätiere, seinem Fahrstil und trotz unzähliger Abbrüche des Randstreifens,  befürchtet ich nie, dass wir die Abkürzung in die Tiefe nehmen.

Das Hotel ist schnell erreicht, das Zimmer in Ordnung. Mein Protest setzt ein, als ich feststelle, dass ich kein Internet habe. Beim dritten Auftritt an der Rezeption und immer neuen Codes, die ich eingeben soll, reißt mir der Geduldsfaden. Morgen möchte ich ein anderes Zimmer haben.

Die Tauben führen hier ein herrliches Leben. Sie werden nicht verjagt sondern gefüttert. Falls du es noch nicht erkannt hast, die Frau ist nicht Aschenputtel, die mit Hilfe ihrer gefiederten Freunde die Linsen sortiert, sondern sie füllt dünne Plastiksäcke mit Vogelfutter. Der Verkäufer steht schon neben ihr. Und der Handel floriert.

Ich überquere heute zum ersten Mal den Platz. Das ist eine Mutprobe. Ich habe Angst vor flatternden Vögeln. Die brauche ich hier nicht zu haben. Die Tauben lassen sich nicht stören.

Das Gebäude, zu dem die Stufen hinauf führen, ist die Kathedrale von Bogota. In der Mitte des Platzes steht das Denkmal des Freiheitskämpfers Simon Bolivar.

Das großartige Gebäude auf der linken Seite ist das Columbianische Parlament. Die weißen Gestelle zeigen, dass es für Besucher gesperrt ist. Schade.

Und wer ist der alte Mann in der Mitte des grünen Platzes?

Er heißt Rufino Jose Cuervo, ist 1844 in Bogota geboren und 1911 in Paris gestorben. Er war Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und Philologe. Nach dem Latein-  und Griechischstudium widmete er sich dem Studium der verschiedenen Dialekte des in Columbien gesprochenen Spanisch. Seine Sorge war, dass das gesprochene Spanisch so zerfallen würde, wie es dem Latein nach dem Untergang des Römischen Reiches ergangen ist. Damals bildeten sich unabhängige Sprachen wie Spanisch, Italienisch und Portugiesisch.

Warum ich das erwähnenswert finde? Wir sind stolz auf die in Hanau geborenen Grimms, von denen zwei später berühmte Sprachwissenschaftler wurden. So schließt sich der Kreis.

Ich besuche auch Kirchen. Diese gefällt mir besonders gut. Sie ist schlichter als manch ein pompöses Gotteshaus. Ich habe viel wofür ich mich bedanken kann. Dass dieses Haus so leer ist, täuscht. Es findet gerade ein Gottesdienst in einer Seitenkapelle statt.

Mein Highlight des heutigen Tages ist das Colonial Museum. Ich verbringe mehr als zwei Stunden lesend und Bilder betrachend.

Der Bogen wird gespannt von Sevilla, von wo aus die Schiffe in die Neue Welt fuhren, bis zu den Einflüssen, die Siedler,  ursprüngliche Bevölkerung und versklavte Menschen aus Afrika aufeinander ausübten und heute noch ausüben.  Wer von euch nach Bogota kommt, muss unbedingt dieses Museum anschauen!

 

Mittlerweile habe ich meine Künstlerfreunde wieder besucht. Botero, Richter, diesmal habe ich neben den beiden auch den gerade in Quito kennengelernten Guayasaman entdeckt und an seinem Malstil erkannt.

Als ich aus der Stadt zurück komme, sind meine Sachen schon vom freundlichen Personal umgezogen worden. Ich habe nicht nur ein funktionierendes Internet sondern auch ein Fenster nach draußen. Juchhu!

Eine ebenso große Freude habe ich an der Entdeckung, dass mein Hotel sich fast in der gleichen Straße befindet, wie das, in dem ich während meines letzten Aufenthaltes gewohnt habe. Damit sind alle Orientierungssorgen beseitigt. Ich fahre mit dem TransMilenio, gehe zum zweiten Frühstück in meine alte Bäckerei und weiß wohin ich die Wäsche zu tragen habe!

Ein sonniger Sonntagmorgen in Bogota. Vor der Bergkulisse befindet sich das Zentrum. Wie du siehst, ist das die Richtung in der die Radler unterwegs sind. Nicht nur sonntags sondern auch an Feiertagen sind die großen Autostraßen bis um 2 Uhr für alles was einen Motor hat, gesperrt. Ich bin, wie schon im letzten Jahr, fasziniert.  Die Stadt gehört den Menschen. Und die Bevölkerung nutzt die Chance. Alles was rollt oder läuft, ist unterwegs. Und in der Innenstadt steppt der Bär. Die Museen sind kostenlos. Theater gibt es genug auf der Straße. Wer würde nicht gerne Elvis noch einmal sehen und hören oder Michael Jackson erleben bei seinem Moondance.

Besonders beliebt ist die Carrera 7. Kein Wunder, sie wird gerade zum Fussgänger- und Fahrradweg umgebaut. Sie führt die Menschenmassen vom Colpatria Tower bis zur Kathedrale, in der historischen Altstadt.

Das tanzende Paar sind der, der seinen Hut in den Ring geworfen hat und eine Columbianerin, die sich vom Tanzfieber des Professionellen hat anstecken lassen. Auf der Treppe hinter mir sitzen ihre Fans. Wir alle klatschen Beifall nach ihrer gelungenen Einlage. 

Der Colpatria Tower ist in den 70gern gebaut worden und war lange Zeit mit seinen 196m der höchste Wolkenkratzer der Stadt. Man kann mit einem der 15 Fahrstühle hochfahren, aber nur freitags. Leider. Wenn ich die Aussicht auf die Stadt hätte genießen können, wäre mein Foto noch  fantastischer geworden!

Die Carretera 7 ist zwar zum Teil immer noch Baustelle. Aber was kümmert das die Schachspieler! Wenn ein Spieler noch keinen Partner gefunden hätte, wäre ich eingesprungen. Dazu hätte es keiner besonderen Spanischkenntnisse bedurft.

Diese saubere, freundliche, helle Unterführung gehört zum öffentlichen Nahverkehr des TransMilenio und führt mich vorbei an Fotos etlicher Menschen, die in Bogota leben, zur Station. Musiker lieben die Akkustik. Und ich liebe, außer dem guten Klang, das Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden. Ich vergleiche diese Situation mit den Unterführungen in unserer schönen Stadt - besonders mit der am Hauptbahnhof. Da ist noch viel Luft nach oben!

Es ist Montag. Da sind auch hier die Museen geschlossen. Aber es gibt noch etwas anzuschauen, was ich auch im letzten Jahr nicht geschafft habe. Der Park vor dem die Plastik von Botero steht, ist ein ruhiger Ort. Er befindet sich in der Nähe des Hauptfriedhofs der Stadt.

Ich bin ungefähr die einzige Besucherin - außer dem Jungen und einem Vater mit Sohn habe ich die ganze Pracht für mich alleine. Ich schlendere herum, schau mir die Plastiken an und komme an einem etwas längeren Gebäude vorbei, in dem sich die sanitären Anlagen befinden. Alles ist geöffnet und sauber. Das wissen sicher auch die Gartenarbeiter zu schätzen, dass es einen Ort gibt, an dem sie sich frisch machen können. 

Und wer sorgt dafür, dass alles möglichst lange so schön bleibt? Die Stadtverwaltung hat außer sehr vielen Bänken und Fahrradständern viele ausführliche Hinweisschilder mit Regeln aufgestellt. Aber es sollte vor Ort jemand sein, der für  das Einhalten zuständig ist. Am Parkeingang steht ein Häuschen für den Security Mann. Der ist freundlich und wichtig, um den Park in einem guten Zustand zu halten.

Auf der anderen Seite beginnt das Friedhofsgelände. Der prominente Bau ist die Erinnerungsstätte. Hier gibt es vieles, woran man sich erinnern sollte, um Ereignisse in Zukunft zu vermeiden. Wir Deutschen halten zu Recht die Erinnerung an die Gräueltaten während der Zeit  des Nationalsozialismus wach. Hier sind es brutale und korrupte Regierungen, Drogenhandel und etliches mehr.

 

Diese Szene veranschaulicht das unmessbare Elend und die Not ermordeter Menschen, die aus politischen Gründen - auch finanzielle Not gehört dazu -  ihre Dörfer verlassen haben und  in den Städten verelendet und zu guter letzt umgebracht worden sind.

Zwei junge Amerikaner helfen mir bei der Übersetzung der Informationen, die ich hier nach meiner Erinnerung interprätiere.

Die Jungen erzählen mir, dass in einem der Räume hier gemeinsam an einem Projekt gegen Rassismus und Gewalt gearbeitet wird. Jeder darf sich daran beteiligen. Da bin ich dabei. Leider verstehen die Anwesenden kein Englisch. Aber mit ein wenig Geduld kommen wir uns näher. Die Gruppe arbeitet an verschieden goßen Stoffbildern, die später unterschiedlichste Verwendung finden werden. Die Leiterin des Projekts erzählt, dass eine der Arbeiten in einem Berliner Museum hängt.

Diese Gruppe ist dabei eine Landkarte zu gestalten. Du siehst, was für eine Arbeit darin steckt! Jedes Stoffteil muß angenäht werden. Alle Informationen werden gestickt.

Die Fachfrau ist die Mamita mit der Mütze. Die jungen Leute sind Studenten. Es geht zu wie im Taubenschlag. Interessierte kommen herein, lassen sich erklären um was es geht. Ich kann zwar nicht Spanisch sprechen, aber sehr wohl eine Menge verstehen und so freue ich mich, wenn ich höre, dass hier eine Deutsche  mitarbeitet.

 

Nach fast drei Stunden Häuschen, Fenster und Dächer annähen oder Namen sticken von Orten, in denen Massaker stattgefunden haben, verabschiede ich mich. Ich bedanke mich herzlich bei der Gruppe, dass sie mich mitarbeiten lassen haben. Mittlerweile ist eine junge Frau dabei, die übersetzen kann. Sie hilft mir auch herauszufinden, was es mit den vier dicken Knäueln geflochtener Stoffstreifen auf sich hat. Das sei die Arbeit von Frauengruppen, die gegen Gewalt arbeiten. Die Länge des gesamten Flechtwerks sind mehr als 2000 m. Ist das zu fassen! Sylvie, wenn du das liest, hast du einen guten Tipp für eine Aktion bei Menschen in Hanau. Alle Hanauer können sich an der Aktion beteiligen und auf dem Marktplatz an dem Band flechten. Wenn die vorgegebene Zeit um ist, wird gemessen und zwar wie bei unserer ersten Aktion mit dem roten Plastikband. Ich habe die Frauen der Gruppe gefragt, ob ich  Fotos machen dürfe, um eine ähnliche Aktion in  meiner Heimatstadt vorzuschlagen. Sie waren einverstanden.

Beim Abschied hat mich die junge Studentin gefragt, ob sie mich interviewen dürfe. Das sei ihre Aufgabe für den Unterricht. Dabei stellt sich heraus, dass sie außer Englisch auch Deutsch lernt!!

Um die Dicke der Knäule zu zeigen, läßt sie sich daneben fotografieren. Danke.

 

Cali - Buenasventura - Manizales

Drei Namen - drei Städte - drei Landschaften: unzählige Erlebnisse!

Keine Sorge, es gibt nur die abgespeckte Version!

Eingeweihte, d.h. Reisende mit Columbien Erfahrung, die jung genug sind, werden bei dem Namen Cali beginnen sich an durchtanzte Nächte zu erinnern. Die Stadt ist bekannt für ihre Liebe zum Tanz. Es gibt unzählige Tanzschulen, die leidenschaftlichen Tänzerinnen und Tänzern den letzten Schliff verpassen.

 

Ich habe ein Zimmer im Hostel "Havana" gebucht. Es liegt strategisch sehr gut, also nicht weit vom Busbahnhof entfernt, in einer ruhigen Seitenstraße mit vielen Bäumen.

Wie in etlichen Unterkünften üblich, liegt die Rezeption am Ende einer  steilen Treppe. Da hinauf wuchte ich die schwere Tasche, mitsamt großem  Rucksack auf dem Buckel, kleinem in der Hand und Umhängetasche vorm Bauch. Ich bin stärker als ich dachte!

Vor dem Schreibtisch liegt ein Matratzenbett. Nein, nicht für mich, stelle ich erleichtert fest. Die Praktikantin wird hier übernachten - nachdem sie mir mein Zimmer gezeigt hat. Als letzte gute Tat für den Tag schleppt sie meine Tasche zwei Etagen höher.

Auf Essen verzichte ich heute Abend. Das ist kein großes Opfer, denn einerseits bin ich sehr müde und andererseits ist die Frühstückszeit nicht ganz weit entfernt.

Damit du eine kleine Vorstellung vom Havana bekommst, zeige ich zwei Fotos. Auf dieser Etage findest du vor den beiden Fenstern eine gemütliche Runde zum Sitzen. Der Essplatz liegt auf der anderen Seite der offenen Treppe. In der nächsten Etage und auf der Dachterrasse sind  je zwei Hängematten befestigt. Du kannst entspannen, lesen, schwätzen oder auch schlafen.

Natürlich hat das Hostel einen Tanzsaal! Es ist sogar ein neu eingerichteter. Aus dem ehemaligen ist während meines Aufenthaltes ein Café entstanden, das auch für andere Gäste zu bestimmten Zeiten geöffnet ist.

Junge Leute mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Begabungen können die Chance nutzen und für einige Zeit einen Vertrag aushandeln, der  ihre Reisekasse entlastet.

Die Stimmung im Haus ist sehr angenehm. Wenn ich mehr Zeit hätte, wäre ich gerne noch geblieben!

Ich sehe mir den historischen Stadtteil mit seinen niedrigen Häusern in engen Straßen an. In einem Park stelle ich - leider viel zu spät - fest, dass mein Schuhwerk völlig ungeeignet ist. Ich bin in Schlappen unterwegs und es ist steil und rutschig. Das ist gerade noch einmal gut gegangen!

 

Der Pazifik ist nicht weit, nur drei Busstunden entfernt! Ich will hier mehr als nur Meer sehen.

Es ist Sonntag und mein Ausflug bringt mich nach Buenaventura, der Stadt mit dem größten Hafen Columbiens. Das ist schon während der Fahrt nicht zu übersehen. In beide Richtungen sind Trucks mit Containern aus aller Herren Länder unterwegs. Ich treffe  auch einen aus Hamburg Süd.

Überrascht bin ich über die vielen Gruppen von sportlichen Radfahrern, die hier im Gebirge bei großen Steigungen nicht den Mut verlieren und sich, besonders während der einspurigen Strecke, wacker die Berge hoch quälen. Sie tragen alle Helme. Ich hoffe, sie haben  ohne Kratzer ihr Ziel erreicht.

Ich erreiche mein Ziel schon mittags. Eigentlich dürfen die Zimmer erst ab 15 Uhr bezogen werden. Aber ich habe Glück und kann dir sofort meinen wunderbaren Ausblick vom Balkon zeigen. Und ruckzuck habe ich mich umgezogen, an der Rezeption ein Handtuch geholt und eine Liege gefunden. Das ist ein Sonntag nach meinem Geschmack. Ein Glas Orangensaft und ein kleiner Salat machen das Glück vollkommen.

Mit hunderten Menschen, groß und klein, alt und jung, genieße ich den entspannten Abend.  Vielleicht hätte ich noch ergänzen können - dick und dünn -

Ich bin mehr als zufrieden mit meinem entspannten Sonntag. Ich freue mich, so viele Familien zu treffen, die den freien Tag mit ihren spielenden Kindern verbringen!

 

Am Montag muss ich unbedingt meine selbst gewählte Mission erfüllen! Wer schon während meiner letzten Reise diesen Blog gelesen hat, wird sich an den Namen des Malers Leopoldo Richter erinnern. Ich habe zwei seiner Bilder  im Museum in Bogota entdeckt. Das Besondere an ihm ist, dass er 1896 in Groß Auheim geboren wurde.  Nach der Gebietsreform ist es ein Stadtteil  Hanaus, der Stadt, in der ich seit 33 Jahren ein neues Zuhause gefunden habe.

Bei meiner dann beginnenden Recherche habe ich einen Film im Internet gefunden, auf dem eines seiner Werke, ein Keramik - Mural,  unter der Verantwortung seiner Tochter Juanita Richter, restauriert wurde. Das Bild wollte ich unbedingt sehen und habe überall nachgefragt, um dann zu erfahren, dass es in Buenaventura hängt. So schließt sich der Kreis.

Jetzt bin ich hier und muss  es nur noch finden.

Ich habe beim Suchen nach der Bank, in der ich es vermute, schon viele Menschen kennengelernt. Manchmal sind die Aussagen von Gefragten widersprüchlich. Aber ich habe es geschafft! Nicht in einer Bank, sondern im Kultur Zentrum der Bank hängt es.

                        

               "EL VIEJO HABLA"  von Leopoldo Richter (1955)

              Colección de Arte del Banco de la República

Mein "Beweisfoto", dass ich das Bild,  El Viejo Habla, gefunden habe. In der Hand halte ich die Unterlagen über das Werk und seine Restauration, die mir eine Bibliothekarin besorgt hat. Danke!

 

Als meine liebe Kollegin Gisela vor Jahrzehnten auf einer Seereise mit ihrem Mannes hier angelegt hat, hätte es für die beiden Großauheimer kein Treffen geben können. Es befindet sich erst seit der Fertigstellung  des Kulturzentrums in Buenaventura.

 

Am nächsten Morgen geht es weiter. Diese elegante Hotelhalle wird wohl die Schönste, die ich während dieser Reise gesehen habe, bleiben.

 

Das nächste Ziel ist Manizales. Es liegt in der Kaffee Anbauregion. Ich komme erst am Abend an. Mit diesem Abschnitt der Reise habe ich nicht das große Los gezogen! Der Sitz lässt sich nicht verstellen und es ist sehr eng. Gegen Ende der Reise entledigt sich der Fahrer seiner zwei letzten Fahrgäste, in dem er sie bittet, in einem anderen Bus mit zu fahren. Gute Idee. Leider gehöre ich zu den beiden Letzten und unser neuer Bus muss noch einige andere Orte hinter den sieben Bergen anfahren!  Irgend wann erreichen wir unser Ziel. Jetzt habe ich gefühlt alle Kaffeebohnen, rot oder grün, gesehen.

 

Mein Hotelzimmer ist luftlinienmäßig 50 m vom Busbahnhof entfernt. Eine wunderbare Entscheidung, die ich eigentlich nur gefällt habe, um am nächsten Morgen gleich weiter fahren zu können.

 

Ich schlafe wunderbar - nachdem meine Wirtin mir den Trick verraten hat, wie ich das Rollo zum offenen Treppenhaus schließen kann. Selbst ich möchte nicht auf dem Präsentierteller übernachten!

 

Meine Lust zu reisen, liegt morgens bei wenig mehr als Null.

 

Die Entscheidung zu bleiben, fällt mir nicht schwer, als ich mir, Dank der Technik, die Kirche auf dem Berg etwas näher hole. Und eine Gondel sehe ich auch!

Gleich neben dem Busbahnhof befinet sich der Eingang. Und für wenig Geld  mache ich eine Luftreise und schaue und schaue - und fotografiere. Klar!

Zwischen Tal- und Bergstation liegt ein weiterer Haltepunkt. Ich fahre bis zum Zentrum, dem ursprünglichen Manizales. Hier ist die Stadt 1849 von Umsiedlern aus Antioquia gegründet worden. Mittlerweile gehören 13 kleinere und größere Gemeinden dazu. Über 400 000 Einwohner hat Manizales und ist gleichzeitig die Hauptstadt der Region Caldas.

 

In Medellin ist die Seilbahn gebaut worden, um die Armenviertel an die Stadt an zubinden und hier werden Stadtteile miteinander verknüpft.

Es gibt von der Talstation noch eine weitere Luftbrücke nach Villamaria. Klar, die habe ich auch ausprobiert. Eben bin ich wieder gekommen. Zwar etwas nass, aber guter Dinge. Während ich durch den Ort spaziere, zieht ein Gewitter auf. Das Kaffee erreiche ich noch trockenen Fußes. Nach der zweiten Tasse Kaffee geht mein Wunsch in Erfüllung. Der Regen hört auf - fast. Nur noch ein Tröpfeln. Ich laufe los zur Station. Die ist leider für den Moment geschlossen - wegen des Gewitters.

Ich brauche mich nicht ganz lange fröstelnd zu gedulden, dann läuft der Motor wieder an und wir Wartenden können einsteigen und uns über das tiefe Tal mit dem unten plätschernden Fluss tragen lassen.

Ich bin so froh, dass ich nicht während des Gewitters in einer der Gondeln gesessen habe!!

 

Eigentlich habe ich schon über die Möglichkeit nachgedacht, auch in Ebenen den Personenverkehr mit Hilfe einer Seilbahn zu entlasten. Aber wenn das System so vom  Wetter abhängig ist, muß ich die Augen offen halten, ob ich noch andere Möglichkeiten entdecke!!

 

Morgen Früh geht es weiter. Ich weiß, ich hätte mir noch so viel anschauen können. Aber mir bleiben nur noch fünf Tage in Bogota. Dann heißt es Abschied nehmen von Columbien. Sogar von Südamerika!

Ich werde nach Mexiko fliegen. Die Reise geht weiter.

Jetzt ist noch Abend. Die Handwerker, wenn ich die Pfuschertruppe, die hier seit gestern am Werk ist, als solche bezeichnen darf, fummeln noch im Treppenhaus herum. Sie streichen die Wände. Einer streicht mit einem dicken Pinsel, während sein Kollege mit einem Wischmop mehr oder weniger das Verkleckerte verteilt. Zwischendurch ist einmal schnell ein Zimmer an der Reihe. Dann liegt die Bettwäsche auf den Treppenstufen. Ist das Zimmer fertig, wird alles wieder eingeräumt.  Auch die zwischengelagerte Bettwäsche findet wieder ihr Bett.

Hier kann ich schmunzeln. Wäre das in meinem Haus passiert, hätte ich ich sicher ein klein wenig getobt.

Von Ecuador nach Columbien

Es treibt uns Reisende weiter und ist es auch noch so schön an dem Ort, an dem wir uns gerade aufhalten! So geht es mir in Quito.

Das Taxi zum Terminal teilen wir uns. Dann trennen sich Lindas und meine Wege. Leider.

Mein Bus zur Grenze fährt schon ein paar Minuten später ab. Ich kann gerade noch an die Scheibe klopfen und Linda zuwinken.

Sieben lange Stunden dauert die Fahrt. Der Komfort des Busses ist nicht der Beste, aber durchaus ertragbar.

Schon bald nachdem wir Quito verlassen,  kommen wir an einem gewaltigen Strassenbauprojekt vorbei. Ich kann mich erinnern, wie beeindruckt Heini damals war. Heute ist die Straße fertig. Wieviel Zeit das einspart zum Wohl derjenigen, die hier öfter fahren müssen!

Städte wie Otavallo liegen an der Strecke. Die Stadt ist berühmt wegen ihres großen Marktes. Dort bieten Frauen aus den kleineren Gemeinden in den Anden ihre selbst gefertigten Waren an. Alles, was mit Nadeln gearbeitet werden kann, von Mützen angefangen über Handschuhe, Pullover und Jacken, gibt es zu kaufen. Aber auch  Gemüse, Obst, Fleisch wird hier gehandelt. 

Zwischen dem Getümmel wird an Ständen Essen verkauft. Ich kann mich gut an die ganzen Schweine erinnern, die fertig gebraten auf riesigen Platten serviert wurden mit etwas Dekorativem, wie einer Zitrone in der Schnauze. 

Für die vielen Touristen im Land ist der Markt ein Anziehungspunkt und ein großes Erlebnis.

 

In der Ferne sind waagerechte helle Streifen zu erkennen. Das sind riesige Gewächshäuser, in denen Blumen für den Export gezogen werden. Vor einigen Jahren waren sie mit Plastikplanen abgedeckt. Heute habe ich sehr viele Gewächshäuser mit Aluminiumdächern gesehen.

Eine neue Straße ist gebaut worden. Du kannst gut die Bereiche erkennen, wo Teile der Berghänge abetragen werden mussten, um Platz für die Straße zu schaffen. Wenn nicht sorgfältigst gearbeitet wird, beginnt der Steilhang nach heftigen Regen abzurutschen. Eine große Gefahr für Menschen und ihre Fahrzeuge.

Noch ist wunderschönes Wetter für diese Fahrt durch die Anden. Kurve folgt Kurve, aber die Aussicht ist oft atemberaubend.

Auf diesem Foto ist der Verlauf der Straße gut zu erkennen. Wir kommen vom rechts liegenden Berg, queren den noch schmalen Fluss und fahren gerade am anderen Ufer am dort liegenden Berg nach rechts weiter.

So geht es sieben Stunden mit wenigen Haltestellen, bis wir in die letzte Stadt vor der Grenze kommen. Meine Hoffnung, dass der heftige Regen vor dem Aussteigen aufhören möge, geht in Erfüllung. Es tröpfelt nur noch. Die Taxifahrer wissen, wohin die Austeigenden in der Regel wollen: Nach Columbien.  An der Grenze angekommen bin ich doch etwas in Sorge. Hunderte Reisende warten hier. Sie sitzen auf ihrem Gepäck oder stehen in etlichen Schlangen.

Ich wende mich an einen Offiziellen und frage wohin ich gehen muß, um meinen Ausreisestempel von Ecuador zu bekommen. Der nette Mensch lässt mich  meinem Pass zeigen und schon stehe ich in der kürzesten Schlange überhaupt.

Leider kommt mein erleichtertes Aufatmen etwas zu früh. Als ich an der Reihe bin das Gebäude zu betreten, weist der eben noch sooo nette Beamte mich an, meine Reisetasche irgendwo ab zu stellen. Sie dürfe nicht ins Gebäude mitgenommen werden. Ich mache das höchst ungern und hoffe sehr, sie später noch vor zu finden. Dann lasse ich mich von dem freundlichen Beamten zum nächsten freien Schalter führen.

Mein Pass wird umgehend in Empfang genommen und genauestens untersucht. Das Ergebnis ist, dass ich - angeblich  - keinen Einreisestempel habe! Ich bin empört! Das war in Rocafuerte, als ich die Schweden bei der Immigration getroffen habe! Der gute Mann schwirrt mit meinem Pass ab, in eines der Hinterstübchen.

Ich kann lange meine Sorge um die Reisetasche, die irgendwo ohne Aufsicht steht, zügeln. Ich überlege sogar, ob ich den ganzen Krempel, den ich da mitschleife , überhaupt dringend benötige! Dringend vielleicht nicht, aber doch schön, wenn Wäsche zum Wechseln,  eine Waschtasche und vieles mehr, zur Hand sind. 

Nach langem unruhigem Warten erscheint der Beamte mit meinem Pass und weist mich an, an zwei Stellen je drei Fotokopien zu machen. Wo bekomme ich in diesem Durcheinander Copien gemacht? Mein neuer Freund am Eingang weiß Rat. Er fuchtelt so lange, bis ich erkenne, wohin ich gehen muß.

Um es abzukürzen, der zuständige Beamte verschwindet nicht auf Nimmerwiedersehen -  aber es kommt mir fast so vor. Die ganze Prozedur dauert über eine Stunde, bis ich endlich den Ausreisestempel im Pass habe.

Dafür geht es bei den Columbianern sehr schnell. Nach Minuten habe ich den Stempel.

Schon am Ausgang werde ich angesprochen: "Taxi? "  Das ist genau das, was ich jetzt brauche. Er hilft mir beim Tragen. Es ist ein Privatwagen. Das ist mir jetzt auch egal. Ich will nur in das gebuchte Hotel!

Bis nach Ipiales ist es ein ganzes Stück. Ich sitze mit meinem ganzen Geraffel auf der Rückbank. Die Adresse des Hotels habe ich mit dem Fahrer vor Fahrtantritt besprochen.

Ei der Dotter, er findet das Hotel nicht! Will mir erklären, dass es nicht existiere. Ich werde so wütend, steige aus und frage Geschäftsleute und Passanten. So nähern wir uns dem Gesuchten. Als ich das dritte Mal aussteige, um nach zufragen, beginnt die Passantin mir den Weg zu beschreiben. Ich bitte sie, das dem Fahrer zu erzählen, der gemütlich im Auto sitzt. Der wird erst munter, als ich ihm angeblich zu wenig Geld für seine Taxifahrt gebe. Auf Deutsch und Englisch schimpfe ich, wie er Taxifahrten übernehmen kann, wenn er sich nicht einmal in seiner Stadt auskennt. Und noch mehr Geld gäbe es von mir nicht! Irgenwie hat dieser Schlussakkord mich wieder beruhigt.

 

Ich bleibe zwei Nächte in Ipiales. Nicht, weil es da so schön ist. Im Gegenteil. Hier habe ich keine Ablenkung und kann in Ruhe über den Aufenthalt in Quito erzählen.

Quito

Verkehrslärm hat das Vogelgezwitscher der frühen Morgenstunden abgelöst. Der Himmel ist battle - ship - gray und ich liege noch im Bett.

Mein Zimmer ist so klein, dass ich alles vom Bett aus erreichen kann. Auch den kleinen PC aus dem gestern Abend gepackten Rucksack.

Als ich vor einigen Minuten wach wurde, hatte ich das dringende Bedürfnis, etwas über meinen Aufenthalt in Quito zu erzählen. Sofort. Erstaunlich, auf diesen Wunsch warte ich eigentlich seit Tagen!

Das kann heute Morgen nicht mehr viel werden. Es ist 6:45h, ab 7:30 h gibt es Frühstück, und gegen 8.:30 h wird das Taxi Linda und mich zum nördlichen Busterminal bringen. Trotzdem, ich fange mal an.

 

Heute ist Montag. Vor genau einer Woche bin ich, von Coca kommend, in diesem Hostel angekommen. Es ist Abend und seit Stunden dunkel. Ich habe Hunger.

Mein großes Glück ist, dass ` L` `Auberge Inn über ein kleines Restaurant neben der Rezeption verfügt. Dahin führt mich mein erster Weg - nach dem Abstellen des Gepäcks und dem Besichtigen des Bades.

 

Ein Blick aus dem Fenster zeigt alles, außer dem Hauptgebäude.

Links hinter dem für Pygmäen geeigneten Durchgang, befindet sich ein Billardtisch sowie eine kleine Bibliothek. Und hier finde ich ein Buch, das mich tagelang fesselt, jedenfalls immer, sobald ich mich im Haus aufhalte. Es heißt "Agaven am Fluß" und erzählt in über 400 Seiten die Erlebnisse einer jungen Frau, die ihrem Mann nach Ecuador folgt. Er hat Großdeutschland aus politischen Gründen kurz vor Kriegsausbruch verlassen und ist in Quito gelandet. 

Aus dem " kurz  - mal - hineinschauen" wird nichts. Ich bin so gebannt, dass es für Tage nur noch dieses Buch mit seinen erstaunlichen Geschichten gibt!

Am ersten Tag  ist mir schwindelig. Das Gefühl weckt Erinnerungen! Quito liegt in den Anden, 2800m hoch. Daran muss mein Körper sich erst gewöhnen.

Weil die Stadt in einem Längstal gebaut wurde, eingeschlossen von sich gegenüberliegenden Bergketten, befindet sich der Lebensraum der 3Mio Quitenos  zwischen einer Breite von nur wenigen Kilometern und einer Länge von fast 40 km. In der Mitte der Stadt liegt der Panecillo (kleines Brot), ein Berg, auf dem  ein riesiger Engel über Quito  wacht. Er ist konstruiert  worden aus Aluminium Teilen.

Vor dem "Brötchen" liegt das historische Quitos, das schon 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Besonders die prächtigen Kirchen und Klosteranlagen werden dazu beigetragen haben. In den vergangenen Jahrhunderten sind die meisten Gebäude durch Vulkanausbrüche oder Erdbeben beschädigt und wieder aufgebaut worden. Aber an den Grundrissen der ursprünglichen barocken Stadt, die die Spanier 1534 auf den Ruinen einer Inka Stadt errichtet haben, ist nichts geändert worden.

An dem zentralen Platz, dem Platz der Unabhängigkeit, liegen sich die Gebäude, die die weltliche und kirchliche Macht symbolisieren, gegenüber. Auf dem Foto ist der Präsidentenpalast von Ecuador zu sehen.  Jeden Montagmorgen findet hier der feierliche Wechsel der Wachsoldaten statt. Als Heini und ich vor etlichen Jahren hier waren, haben wir bei so einer Gelegenheit den damaligen Präsidenten sehen können. Er stand auf dem Balkon und hielt eine Ansprache.

 

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Sitz der städtischen Regierung. Das andere Paar sind Bischofspalast und Kathedrale.  Der Bischof ist allerdings mit seiner Verwaltung umgezogen in einen der modernen Stadteile. Seinen Palast  haben Restaurants und Geschäfte übernommen und nur ein kleiner Teil des Anwesens gehört noch der Kirche.

Die Stufen zur Kathedrale werden gerne als Sitzgelegenheit mit Aussicht genutzt. Wer aufmerksam hinguckt wird erkennen, dass vorwiegend die linke Seite besetzt ist. Kein Wunder, fast jeder sucht nach Schatten!

Um auf den Begriff Macht zurück zu kommen, die Bank, mit ihrem prächtigen Gebäude, ist nicht weit entfernt. Die ecuadorische Währung wurde 1884 nach dem berühmten Admiral Sucre benannt. Nach ihrem dramatischen Niedergang,  ist  der Sucre seit  dem Jahr 2000  durch den amerikanischen  Dollar als Zahlungsmittel abgelöst  worden.

 

Bei einer "Free Walking Tour" habe ich den Guide nach den wichtigsten Einnahmequellen des Landes befragt. Er  zählt auf: An vorderster Spitze steht das Öl, gefolgt von Bananen, Blumen und Tourismus. Nicht nur ich stolpere über den Konflikt zwischen zukünftiger  Ölförderung und der Hoffnung auf wachsenden  Tourismus  im Amazonasgebiet! Wer will sich an einem vergifteten Naturschutzgebiet erfreuen?

Blick in den Innenhof des jetzigen Kultur Zentrums. Bibliothek, Ausstellungräume, Museum, Treffpunkt. Alles findet statt in den Räumen, die diesen Hof umschließen.

Ursprünglich gehörte die Anlage den Jesuiten. Als ihre Ideen den weltlichen Herrschern zu fortschrittlich wurden, sind die Jesuiten für etliche Jahre enteignet worden. Ihre  Räume beherbergten anschließend eine Universität.

Die zum ursprünglichen Kloster gehörende Kirche ist die Prächtigste und Kunstvollste, die  hier zu finden ist. Gold, wohin das Auge fällt. Was mich beeindruckt ist der Gedanke, das alles an Schnitzereien, an Malereien von den Handwerkern der damaligen Bevölkerung gestaltet wurde.  Die Kunstrichtung hat ihren eigenen Namen. Escuela Quitena verbindet indigene und europäische Kunsttraditionen.

Du merkst schon meine Begeisterung für diese Stadt. Ich könnte mich dranhalten mit Fotos und Beschreibungen. Aber entweder fährst du selbst nach Quito und findest deine eigenen Highlights oder du schaust dir im Internet alles für dich Interessante an.

Ich habe beim Durchstreifen des modernen Stadtteils Mariscal einen Straßenhändler getroffen, der genau die Bilder bei sich hat, die mir schon vorher aufgefallen sind. Ich wußte aber nicht, wer der Künstler ist. Guayasamin ist sein Name, den ich jetzt nicht mehr vergessen werde. Er steht groß auf den drei  Drucken, die ich dem Händler abgekauft habe. Wir haben uns per Handschlag glücklich und zufrieden verabschiedet.

Meine anschließende Recherche hat ergeben, dass besagter Künstler der Bekannteste in Ecuador ist. Er hat mit Hilfe der UNESCO und vieler Sponsoren die Capilla de Hombre oder The Chapel of Man gebaut. Ich übersetze es mit Kapelle der Menschlichkeit. Weil ich das große Glück habe, mit Linda wieder eine wunderbare Frau kennen zu lernen, fahren wir  zusammen dorthin.

Du siehst, die Quitenos können nicht nur Alt, sondern auch Modern. Glücklicherweise haben sie es getrennt gebaut.

 

Die Capilla de Hombre ist ein fensterloser rechteckiger Bau, auf dessen Dach ein abgeschnittener Kegel steht.

Im Inneren wird der Raum als Ausstellungsfläche für seine ausdrucksstarke Kunst genutzt. Wie wir bei der englischspachigen Führung erfahren, ist Oswaldo Guayasamin drei Jahre vor Fertigstellung des Gebäudes plötzlich im Alter von 79 Jahren verstorben. Das bedeutet, dass nicht alles was sich hier befindet, von dem Künstler selbst ausgeführt wurde. Zwar sind alle  Entwürfe zu den Kunstwerken fertiggestellt,  aber die Ausführung nach seinen Skizzen und Modellen sind von anderen Künstlern geschaffen worden. Dazu gehören die beiden großen Wandbilder aus Keramik.

 

Für die Mitte, in der die Flamme brennt, wollte er ein besonderes Bild malen. Dazu ist nicht mehr gekommen. Die Familie hat sich dann dafür entschieden, die "Schale" frei zu lassen und zu seiner Erinnerung das Licht auf zu stellen.

Die Themen seiner Kunst sind vorwiegend Warnungen vor den Auswirkungen der Kriege, die egal wo auf der Erde geführt, immer Elend nach sich ziehen. Unterdückung indigener Bevölkerung, egal wo, Versklavung geraubter afrikanischer Menschen, Verhungernde. Die Beschreibung des Elends lässt sich fortsetzen. Es sind aber auch Bilder dabei, wie die zu Ehren seiner eigenen Mutter gemalten, Mütter mit ihrem Kind oder die Familie.

Diese Kunstwerke und viele Weitere an einer der Längswände, beschäftigen sich mit der indigenen Bevölkerung, Männern, Frauen und Kindern Amerikas. Viele weinen.

Nur fünf der Bilder sind komplett beendet worden. Die Anderen sind  als Wasserfarben Entwürfe ausgestellt. Zu erkennen sind die Unterschiede an der Farbgestaltung. Die Dunklen sind so wie Guayasamin sie am Ende haben wollte.

Am Ende der Führung dürfen wir Haus und Garten anschauen. Linda sucht sich für ein Erinnerungsfoto den geschmückten Lieblingsbaum Guayasamins aus, unter dem er seinem Wunsch gemäß,  beerdigt wurde und ich entscheide mich für den schlichten Pool mit dem  sowohl innen als auch aussen total verbauten Anwesen.

Den Nachmittag beschliessen wir mit einem Spaziergang durch einen der vielen Parks, die von den Familien am Sonntag geliebt werden.

Und als wir genug geschaut, geschmunzelt, Ball gespielt haben mit einer der Familien, traben wir gut gelaunt zum Hostel zurück, um den Abschiedsabend mit einem Glas Wein zu beschließen.

Morgen geht es für uns beide weiter.

Coca und der Regen

Seit Freitag bin ich hier und  froh ein angenehmes Zimmer mit wunderbarem Bett zu haben, denn es regnet und regnet und regnet!

Für meine "Linus hat Geburtstag" Feier ist das vollkommen in Ordnung. Es ist eine lange Feier. Und ich habe sogar einen lieben Gast. Alex, der Manager des El Auca, kommt an meinen Tisch und wir erzählen von sieben bis halb elf.  Er kann sich gut an meinen letzten Aufenthalt  erinnern.  Früher ist er auch viel gereist und schwärmt von Tokio. Vielleicht schaue ich dort einmal vorbei. Später.

Ich bin wieder in eine der Cabins gezogen, wie im letzten Jahr, aber diesmal in die erste Etage. Von hier oben ist der Ausblick auf den verregneten Park sehr beeindruckend. Alles, was in Deutschland im Blumentopf wächst, kann hier seine ganze Schönheit  zeigen.

 

 

Dieser Gast schaut täglich einige Male vorbei. Glücklicherweise hat er mir beim ersten Besuch die Chance gelassen, ganz schnell die Balkontür zu schließen. Ich kann mein Zimmer alleine verwüsten!

Es gibt noch andere Tiere im Park.

Dieses Pärchen genießt seine Zweisamkeit auf dem Parkplatz. Aber meistens sind sie getrennt unterwegs - immer schön langsam.

 

Der Regen kommt mir gelegen.

Ich habe viel zu schreiben.

Wenn es nachmittags trocken ist, schaue ich mich in Coca nach Veränderungen um. Naja. Alles ist ein wenig mehr heruntergekommen. Immer nur zu fegen, hilft eben nicht bei allen Problemen!

Aber auch wenn Coca wahrlich nicht zu den schönsten Städten gehört, hat sie sozusagen ein Ass im Ärmel! Es gibt hier am Rio Napo ein fantastisches Archeologisches Museum, untergebracht zusammen mit dem Kultur Centrum von Orellana im MACCO. (www.macco.ec)

 

 

Und der Ausblick, oben vom Museum auf den Rio Napo, ist ein Foto wert.

 

 

Nach dem Rundgang freue ich mich auf das Hotel.

 

Das El Auca

 

Nach drei Nächten hier ist es Zeit, dass ich weiter reise. Ich buche eine Unterkunft in Quito, verabschiede mich von Alex und fahre mit dem Bus über eine kurvenreiche Strecke in die Hauptstadt Ecuadors.

Entspannt von Rocafuerte bis Coca!

Entspannt zu sein, ist kein Wunder auf diesem Schlaf-  und Schlummerkahn!

Aber bis ich auf dem Schiff bin, ist bei mir von Entspannung nicht die Rede.

 

Um 6h bin ich mit Sack und Pack an der Schiffsanlegestelle verabredet. Ich bin sogar schon um 5:45 mit Sack und Pack an der Stelle, an der es gestern Abend noch gelegen hat. Aber kein Schiff mit zwei Schlauchbooten auf dem Dach, ist weit und breit zu sehen!

Ich lasse die Reisetasche stehen und laufe mit dem Rest am Ufer entlang. Sollten die etwa ohne mich gefahren sein? Dann könnte ich nicht einmal das reguläre Boot nehmen. Das ist schon seit einer halben Stunde unterwegs!

Ich laufe noch einmal am Ufer auf und ab. Plötzlich meine ich Stimmen zu hören. Ich werfe noch mehr Ballast ab und laufe so schnell ich kann in Richtung Stimmen. Es ist mittlerweile  6:5h.  Und da sehe ich sie. Zwei meiner schwedischen Freunde sitzen auf der Treppe zum übernächsten Anleger und unterhalten sich. Der Stein, der mir von irgendwo herabfällt, ist so schwer, dass ich ihn nicht hätte heben können!

Ja, höre ich, sie mußten gestern Abend die Boote  weiter entfernt von der alten Liegestelle vertäuen,  aber wären niemals ohne mich losgefahren.

Das beruhigt mich sehr. Meine drei Gepäckstücke müssen noch geholt werden. Einer der beiden springt sofort auf und läuft mit mir zurück.

Aber ab dem Augenblick,  an dem  ich an Bord klettere, ist alles total easy und entspannt.

Jetzt warten wir nur noch auf das kleinere Transportboot. Es besorgt noch Treibstoff und dann geht die Reise los.

Der einzige, der außer mir nicht schläft, ist der Steuermann!

Ich habe ein Polster bekommen, um es mir auch bequem zu machen, strecke meine Beine auf der Bank aus und genieße die letzten Stunden auf dem Fluss. Sollte es langweilig werden, schmökere ich im Kindle.

Jedesmal , wenn einer wach wird, will er mir eine Decke geben. Aber ich friere nicht. Nur weil mir die Haare durch den Fahrtwind immer ins Gesicht fliegen, ziehe ich die Kapuze über den Kopf. "You are a tuff lady", murmelt einer. Danke.

Der Himmel bleibt fast den ganzen Tag grau, aber es regnet nicht.

Kannst du die Deko an dem Baum erkennen? Es sind nicht etwa Früchte sondern Vogelnester.  Vielleicht finde ich noch einen Experten, der mir sagen kann,  welcher Künstler der Vogelwelt diese Nester baut.

Dieser Verbund ist unterwegs zu einer Bohrstation. Zum Schwimmen ist der Napo in der Nähe der Ölbohrstellen nicht mehr geeignet.

Gegen Mittag ist die größte Müdigkeit überwunden. Es wird erzählt, gelesen oder weiter gedöst.

 

Jonathan zeigt mir auf seiner Kamera die wunderbaren Fotos, die sie im Dschungelcamp und beim Angeln gemacht haben. Wen so ein außergewöhnlicher Angelausflug interessiert, kann www.wildseaexpedition.com  aufrufen und sich informieren.

Mittags legen wir bei einem kleinen Restaurant an und essen zusammen. Anschließend sind es nur noch drei Stunden, bis wir die Brücke von Coca entdecken.

Der Abschied nach dem Ausräumen der Boote und dem Schleppen der Klamotten an die Straße, geht dann ganz schnell. Eigentlich wollen die Jungs mich in die Stadt bringen und eigentlich sollte der Bus auch schon auf die Gruppe warten. Aber, alter Schwede, wer weiß, wo der steckt!

In der Ferne sehe ich kleine gelbe Taxen unsere Straße queren. Dahin werde ich laufen. Ich verabschiede mich von jedem, bedanke mich noch einmal für das Mitnehmen, wünsche allen eine gute Heimkehr und mache mich auf die Socken zum El Auca, meinem Hotel in Coca.

Alter Schwede!

Ich finde gleich an der Anlegestelle ein Hostel mit Internetanschluss. Der Wermutstropfen ist, dass der Besitzer dafür 20 Dollar haben möchte. Die Fahrt morgen mit dem Schiff kostet 18 Dollar und ich habe nur noch 10 und würde gerne etwas essen. Im Augenblick lebe ich von kleinen trockenen Brötchen, die ich in Santa Clothilde gekauft habe und einem Rest Wasser.

Jetzt genieße ich erst einmal mein wirklich schönes, sauberes Zimmer und nehme ein erfrischendes Duschbad, schreibe whattsapp an meine Lieben und ruhe mich auf dem bequemen Bett aus.

Wahrscheinlich bin ich beim Ausruhen eingeschlafen und muss meine Wanderung zur Immigration auf heute Nachmittag verschieben. Der Beamte weiß vielleicht auch, wer mir mein Geld in Dollar tauscht.

 

Jetzt kommen endlich die Schweden ins Spiel! Ich treffe sie bei der Immigration.

Alter Schwede! Es sind sechs junge Männer und ihr Guide. Die haben ganz schön geladen. Das merke  ich nicht sofort, als ich den Trupp europäisch aussehender Männer treffe. Ich wage mein Glück kaum zu fassen, als sie auf meine Frage: " Wer von euch spricht Englisch?" alle losgejubeln. "We are from Sweden!"

Meine spontane Vorstellung ist, dass sie nach Peru wollen und  meine Soles gegen Dollar tauschen. Damit wären all meine Sorgen beendet. Aber nein, sie haben das gleiche Ziel wie ich und wollen morgen nach Coca fahren.

Alter Schwede, ich will es nicht noch spannender machen, als es ist. Sie laden mich ein, morgen mit ihnen zusammen, in ihrem Boot nach Coca zu fahren.

Wenn ich kein Glückskind bin!  Auf einen Schlag brauche ich mir über fehlendes Geld keine Gedanken mehr zu machen. Ich kann sogar noch für 10 Dollar etwas essen!

Alter Schwede, das Gruppenfoto zeigt schon die gute Stimmung! Der Stehende ist nicht nur ihr Guide, sondern auch Schwede - jedenfalls zur Hälfte. Zur anderen Hälfte ist er Chilene.

Sie erzählen mir, dass sie zum Fischen im Dschungel waren. Die Fotos, die sie mir - zu Recht - stolz zeigen, sind beeindruckend. Sie haben Paiche gefischt. Das sind mit die größten Süsswasserfische, die in Flüssen leben. Weltweit, das ist klar. Ihr Lebensraum ist das Amazonasbecken. Sie können über zwei Meter lang werden.

Nach dem Fischen wird der Haken entfernt und die Tiere wieder ins Wasser gelassen. Zurück bleiben Fotos mit sehr stolzen Männern und riesigen Fischen. Um den Haken zu entfernen, muss der Arm des Anglers fast bis zum Ellenbogen im Schlund des Paiche verschwinden.

 

Eigentlich hat die Gruppe schon vor Wochen Zimmer in dem gleichen Hostel gebucht wie ich. Leider hat ein Kollege die Zimmer für den gleichen Termin noch einmal vermietet.

Alter Schwede, die anderen sind schon vorher angekommen und haben ihre Zimmer bezogen.

Keine Zimmer, kein Bad. Die beiden Schmutzigsten lasse ich in meine Dusche.

Alter Schwede! Guide Jonathan meint, er habe 10 Tage die Klamotten nicht gewaschen und er würde sie zum Duschen anlassen.

Alter Schwede! Ich habe ihm mein blaues Handtuch geliehen, damit er wenigstens die größten Wassermassen von Körper und Shirt entfernen kann.

 

Alter Schwede! Jetzt weiß ich, wie ein glücklicher chilenischer Schwede aussieht!

 

Mit dem Kanu von Peru nach Ecuador

Ehe ich Pantoja verlasse, brauche ich den Ausreisestempel von Peru! Um 7h morgens bin ich mit dem Immigration Beamten verabredet. Ich habe ihn gestern Abend getroffen und mit ihm "geradebrecht".

Hinter mir liegt alles, was Pantoja zu bieten hat. Vor mir ein Teil des Bootparks und in der Mitte des Rio Napo eine Sandbank. Das ist vielleicht nicht ganz viel, aber schön.

Richte dein Augenmerk auf den Baumstamm, aus dem direkt die Blüten wachsen. Wir sind jetzt auf dem Weg zur Immigration. Ich muss unbedingt die Pflanzen fotografieren, die in unseren Blumentöpfen wachsen.

Diese hübsche Pflanze kommt mir auch bekannt vor. Und wieder zeigt sich, dass man mit etwas Buntem die Welt einer herunter gekommenen Hütte retten kann.

Ich bin auf dem Hügel, auf dem Immigration, Polizei und Krankenhaus liegen, angekommen. Die Pflanzen zwischen den Büschen werden Bananenstauden. Jetzt sind sie noch etwas klein.

Nachdem ich den Stempel von dem gerade aufgestandenen Beamten bekommen habe, dudel ich den Hügel wieder hinunter. Erst ein Frühstück und dann ein Boot, das wäre schön!

Der Plan wird schnell geändert. Mir begnet eine Frau, die mich gestern Abend schon angesprochen hat. Das Boot fährt sofort ab. Wenn ich mitfahren will, muss ich mich beeilen. Es kostet 10US$ statt 20.

Natürlich will ich mitfahren! So schnell ich kann hole ich das Geraffel aus dem Hotelzimmer und stolpere damit über den Pfad zu dem Kanu hinunter.  Jemand hilft mir wieder mit der schweren Reisetasche. Sie stellen sie in einen Plastikcontainer, damit sie nicht nass wird.

Einer hilft mir an Bord. Es stehen zwei Bretter zur Verfügung. Ich setze mich auf das Hintere. Für zwei Stunden durch das "Niemandsland" wird es wohl gehen!

Wir stechen in "See".  Oben, vor den Häusern, verläuft der betonierte Weg, den ich eben noch gegangen bin. Und wenn ich mir den Hang ansehe, den ich mit Rucksack und Kleinkram genommen habe, bin ich sehr glücklich, nicht ausgerutscht zu sein! Aber alles ist gut, wir sitzen und die Reise kann beginnen.

Ein letzter Blick zurück auf das peruanische Grenznest Pantoja. Mein Hotel sieht man nicht. Es liegt noch weiter rechts. Aber die netten Leute, bei denen ich gestern im Haus war, kann ich sehen. Mit einigen habe ich auch im Restaurant gesessen und Suppe gegessen. Alle waren so freundlich und hilfbereit zu der Gringa. Ich werde das nie vergessen.

Darf ich vorstellen: die Besatzung repariert gerade etwas und davor lagern einige Personen. Hinter dem kleinen Mädchen sitzen noch Kinder und die Frau, die mich für diesen Trip angeworben hat.

Unsere Ladung, die nach Ecuador geliefert wird, besteht aus etlichen Säcken Holzkohle.

Als kleine Erinnerung habe ich einige Kohle Flecken an meinem Pullover. Ich wollte es mir wohl zu bequem machen!

Ob kleines oder großes Boot ist eigentlich egal. Auf dem Wasser ist es immer schön.

Der Mann mit der Kappe ist ebenfalls Passagier. Der Junge, der vor mir sitzt gehört wohl zum Transportunternehmen.

Nach einiger Zeit zieht der Mann seine Jacke aus, macht sich daraus ein Kopfkissen und schläft.

Wir haben ganz großes Glück, dass die Regenwolke ihre Ladung nicht über uns fallen läßt und wir nach 2,5 Stunden die ecuadorianische Grenzstadt Nueve Rocafuerte erreichen.

Ich bezahle die ausgemachten 10 Dollar,  winke noch einmal und suche mir ein Hotel.

Von Mazan bis Pantoja

Es macht Spaß mit dem flotten Boot unterwegs zu sein!

Der jeweilige Steuermann muß den Fluß und seine Untiefen sehr gut kennen. Es sind sehr oft Hindernisse unterwegs, angefangen von kleineren Holzstücken bis zu ganzen Stämmen. Dann wird das Gas weggenommen und das Schiff, das gegen die Strömung unterwegs ist, steht, oder wird sogar abgetrieben, sollte sich trotz aller Vorsicht etwas in der Schraube verheddert haben und der Motor abstirbt.

Das geschieht leider oft. Manchmal müssen beide Experten versuchen, den Schaden zu beheben. Aber nach einer Weile geht es immer weiter.

Der Dschungel gleitet an mir vorüber, oder, wenn wir uns in der Nähe des gegenüber liegenden Ufers befinden, kann ich Wasser und Wolkenbilder sehen.

Manchmal lasse ich mich auch durch spannende Geschichten auf dem Kindle von den Naturschönheiten ablenken.

Viel Wasser ist hier nicht unter dem Kiel!

Besonders neugierig werde ich, wenn Menschen im Spiel sind. Hier wird sich nicht nur gewaschen, sondern auch das Boot geleert. Nach einem starken Regen ist das sicher immer erforderlich.

Dieser Ort ist größer, er hat sogar einen Anleger. Die Treppe rechts führt dorthin.

Ich habe das Foto ausgewählt, weil du jetzt erkennen kannst, dass die  Wasserhöhe im ganzen Amazonien  sich ändert, nicht nur am Amazonas selbst.

Das Boot, mit dem ich unterwegs bin, gehört zur gleichen Firma wie die beiden, die im Bild zu sehen sind. Am besten in Schuss ist das Büro in Iquitos. Bei den Booten sollten sie den einen oder anderen Soles investieren!

Meistens legen wir an wie hier: der Bug schiebt sich über das Ufer und sitzt mehr oder weniger fest. Passagiere steigen aus oder andere kommen an Bord. Manchmal möchte ein Fischer Treibstoff für seinen kleinen Motor am Kanu haben.

 

 

 

 

Eine junge Mutter mit Baby und der älteren Tochter sind für ein paar Stunden unsere Fahrgäste.

 

Um die Mittagszeit verteilt der Schiffsjunge Brötchen mit eingequetschtem Spiegelei und Cola.

Dieser Seelenverkäufer ist das langsame Schiff, das unterwegs nach Pantoja ist. Er benötigt eine Woche für die Strecke. Meine Hängematte wäre wieder zum Einsatz gekommen. Aber in Anbetracht des lausigen Zustands des Schiffs, habe ich von der Idee Abstand genommen.

Wir kommen gegen 18h in Santa Cothilde an. Da ich hier auch im letzten Jahr geschlafen habe, weiß ich, was mich erwartet. Die schwere Tasche bleibt an Bord. Nach wenigen Metern  auf einem asphaltierten Weg, erreiche ich  die Unterkunft. Ich bekomme Zimmerschlüssel Nr. 7, der leider schon beim ersten Versuch die Tür zu öffnen, im Schloss abbricht. Sorry.

Zwei Männer wollen den Schaden sofort beheben. Als ich später vom Essen an der Straße zurück komme, ist alles so wie vorher. Aber ich kann das Zimmer von innen verriegeln und das reicht mir.

Auf meinem Ticket steht, dass die Fahrt um 5h fortgesetzt wird. Darum bin ich etwas verstört, als ich schon um 3h den Ruf "Vamos!" höre.  Ich springe aus dem Bett, schnappe wegen des Lichts den Kindle, reiße die Tür auf und treffe unseren Schiffsjungen, der mit der Taschenlampe auf dem Flur herum funzelt.

Tatsächlich setzen wir die Fahrt in stockdunkler Nacht um 4h fort. Sogar mit mir und all meinen Klamotten!

Ist das nicht wunderschön? Blauweißer Himmel, glattes Wasser. Ruhe ausstrahlend.

 

Auf dem Schild, das etwa in der Mitte der Häuserreihe zu erahnen ist, wird Wahlwerbung gemacht. Da unterscheidet sich Peru nicht von Deutschland. Die Einwohner müssen irgendwie dazu gebracht werden, die - für die Person auf dem Plakat - einzig richtige Partei zu wählen!

Der Herr in Grün scheint hier kein Unbekannter zu sein. Im Laufe unseres Aufenthaltes - und der dauert: ein Kanister muß durch einen dünnen Schlauch mit Treibstoff gefüllt werden - gesellen sich immer wieder andere Männer zu ihm. Vielleicht ist er der zuständige Politiker, der seinen Wahlkreis besucht, um Wohltaten zu versprechen!?

Die Dächer der meisten Häuser sind mit trockenen Palmwedeln gedeckt.

Hier legen wir zum Mittagessen an. Das Restaurant wird schon um das vordere Gebäude erweitert. Kein Wunder! Das Essen ist schmackhaft, der Tisch gedeckt, die Küche so sauber, wie ich es hier noch nie gesehen habe!  Leider kann ich nicht die ganze Portion verdrücken. Die Mengen sind zu groß. Und mein Gefuchtel zwecks Mengen - Reduzierung ist auf "blinde Augen gestoßen".

Nach einer kurzen Pause zum Füße vertreten, setzen wir die Fahrt fort.

Es ist ds erste Mal, dass ich am Ufer einen Friedhof entdecke! Außer dem großen Kreuz, habe ich viele Reihen kleinerer sehen können.

Eie kleine Weile werden wir das Sonnenlicht noch genießen können!

Ich genieße auch diesen Sonnenuntergang. Ganz viel Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.

Pantoja erreichen wir um 19h im Dunkeln. Was für ein Tag! Was für eine Reise!

Aufbruch zur nächsten Flussfahrt

Diesmal ist es der Rio Napo. Ja, auf dem Napo war ich auch im letzten Jahr unterwegs. Kein Wunder, mein Ziel ist - wie im letzten Jahr, die Stadt Coca.

Die Nacht ist um 5:15h um. Offiziell. Leider hat sich der Nachtportier in der Zeit geirrt und mich schon um 3:15h geweckt.

Meine Sachen sind alle gepackt. Ich habe Zeit genug, um alle Ecken noch einmal genau zu kontrollieren. Man weiß ja nie, wozu man - in dem Fall ich - fähig ist. Irgendwo ist ein nagelneuer Badeanzug liegen geblieben und auf einer Wäscheleine in Leticia meine neue, beste, schönste Shorts. Diesmal ist alles dabei und ich kann beruhigt mit all meinem Geraffel in die Mototaxe steigen. Sie bringt mich zum Port Poa, von dem aus mein schnelles Boot um 6h losfährt.

Losfahren soll. Das ist eher richtig. Um 6h legt es an. Bis 7h wird beladen. Der Eingang ist im Bug gleich neben dem Steuerrad. Aber dann geht die Reise los.

Es wird gerade hell und wir warten auf das Boot.

Heute ist ein wunderbarer Reisetag. Wenn ich den Blick zurück auf das hohe Ufer lenke und mich an den abenteuerlichen Treppenabgang erinnere, bin ich sehr dankbar, dass ich auch dieses Mal nicht gefallen bin! Gut, dass ein junger Mann am Mototaxi gleich meine schwere Tasche auf seinen Nacken gewuchtet hat!

Bald haben wir die letzten Häuser der weltweit größten Stadt mitten im Dschungel hinter uns gelassen und erreichen nach etwa einer Stunde den Anlegeplatz.

"Anlegeplatz? Und was wollen all die jungen Männer", könnte ein Ahnungsloser fragen.

 

Sie sind die glücklichen Besitzer eines Mototaxis und wollen das Gepäck ihrer zukünftigen Kunden schleppen.

Mit dem Rucksack auf dem Buckel, dem kleinen gelben in der Hand und der Umhängetasche um den Hals, ziehe ich die schwere Tasche bis zum Aufgang. Und da naht auch schon Hilfe. Der Rest ist fast kein Problem mehr. Ich habe Glück und rutsche nicht in der Mödge aus. Und da ich wohlweislich als angemessenes Schuhwerk für diesen Trip die Schlappen ausgewählt habe, brauche ich mir auch keine Gedanken über ihre spätere Reinigung zu machen.

Auf dieser schmalen Straße können sich zwei geschickte Fahrer begegnen. Wir sind unterwegs nach Mazan, einer kleinen Stadt am Rio Napo. Sie liegt an einem schmalen Stück Land zwischen Amazonas und Rio Napo. Auf diese Weise spart man viele Kilometer, die sonst bis zur Mündung in den Amazonas zurückgelegt werden müßten. Für Abkürzungen bin ich immer zu haben!

Das letzte Stück zum Hafen hinunter schleppe ich mein Gepäck alleine. Dann erbarmt sich einer.

Dieses letzte Hindernis bewältige ich ohne die Reisetasche. Was für ein Glück!

Und dann liegt da auch schon unser Boot, mit dem wir die nächsten zwei Tage unterwegs sein werden.

Der Einstieg ist wieder über den Bug. Das sperrige Gepäck wird hinten gestapelt. Zu guter Letzt bleiben auch einige Teile gleich vorne stehen oder werden unterhalb des Steuerrades deponiert.

Um 9h geht die Fahrt los. Bis dahin habe ich noch eine Stunde Zeit. Ich muss unbedingt etwas essen und laufe zurück zu dem großen Markt. Nach längerem Suchen finde ich einen Stand der Kaffee verkauft. Brot mit Butter gibt es auch. Davon nehme ich noch eins für unterwegs mit.

Wir brausen pünktlich los. Zur Besatzung des Boots gehören zwei Männer, ein Kapitän und ein fähiger Schiffsjunge. Sie führen genaue Listen über ihre Passagiere. Besonders wichtig ist dabei, dass das Ziel der Reise genannt wird. Ansonsten wird nur gehalten wenn jemand am Ufer sich mit einem wedelnden Tuch bemerkbar macht.

Das Bootsinnere ist ähnlich wie in einem  Bus. Die Sitze sind sehr komfortabel. Eine Toilette befindet sich im Heck gegenüber diverser Reservekanister für Treibstoff. Sie hat die Ausmaße eines  nicht ganz hohen Kühlschranks. Mein Glück ist, dass ich sie in den zwei Tagen nur einmal aufsuchen muß. Noch größer wäre mein Glück gewesen, wenn mir das eine Mal erspart geblieben wäre!

Irgend wann heißt es Abschied nehmen

Und das nicht nur von Iquitos und dem mir vertraut gewordenem Hotel La Casona, sondern auch von meinen jungen Freunden Franzini und Moritz, die es gerade noch am 13. Januar, abends, mit einem langsamen Schiff nach Iquitos geschafft haben.

Im La Casona ist George zu erkennen. Er ist Amerikaner, der schon seit 22 Jahren in Peru lebt. Zur Zeit hat  er sein eigenes Haus verlassen und wird hier versorgt. Dafür dürfen die Frauen, die das übernommen haben, in seinem Zimmer duschen. Zu Hause haben sie keine Möglichkeit dazu.

Nachdem mein fast gleichaltriger Gesprächspartner mir sowohl seine Meinung über die Wohlfahrten,  die Herr Trump seinem Land angedeihen läßt, als auch die gravierenden Fehler von  Frau Merkel, sowie seine grundsätzliche Sichtweise auf den Rest der Welt erklärt hat,  bin ich vielleicht etwas leidenschaftlich geworden. Kurz und gut, es hat mich überrascht, dass er mir nach diesem Meinungsaustausch immer noch so freundlich zugewunken hat!

Wie George gehören auch diese beiden Schreihälse zum Inventar des Hauses. Sie tarnen sich sehr geschickt, sind aber nicht zu überhören wenn sie loslegen!

Von hier aus machen Franzini, Moritz, Nick - ein weiterer Traveler, den sie auf dem Schiff kennengelernt haben und ich uns auf den Weg, das Zentrum der Stadt zu erkunden. Unser erstes Ziel ist ein peruanisches Restaurant, in das sich normalerweise keine Touristen verirren. Hier habe ich einige Male gut gegessen. Anschließend schauen wir uns einige Museen an, von denen das Casa Morey, in dem ich vor zwei Jahren ein paar Tage verbracht habe und das Schiff aus dem Film Fitzcarraldo, den Vogel abschießen.

Und weil heute Hannahs Geburtstag ist, feiern wir in einer der Bars am Malecon. Was für ein schöner Abschied von Iquitos und meinen Freunden!

Beliebte Treffpunkte

Wenn die Sonne sich bereit macht das Feld zu räumen, füllt sich der kleine Park am Malecon. Familien mit ihren Kindern, verliebte und nicht verliebte Paare und  einzelne Spaziergänger wollen die Abendstunden mit einer leicht erfrischenden Brise vom Wasser her genießen.

Luftballonverkäufer schlendern mit sicherem Blick für Kinder ihrem Ziel entgegen. Schmuckverkäufer haben ihre Waren verkaufsfördernd ausgebreitet, die Bars und Cafes sind glücklich über die schon besetzten Plätze. Es gibt sogar eine kleine Arena, die sehr beliebt ist bei alt und jung. Besonders Sonntag Abend ist hier großer Andrang!

Was ich hier mache ist allen, die mich gut kennen, klar. Entweder genieße ich ein kühles Bier oder einen Caipirinha. Dazu bestelle ich  etwas Leckeres zu essen, meistens ist es köstlicher Fisch. Und zusätzlich beobachte ich das Treiben in meiner Umgebung.

Die Zuschauer amüsieren sich.

Der riesige Rahmen im Hintergrund ist ein äußerst beliebter Platz um Fotos zu schießen. Auch die Zuschauer wie ich haben ihren Spass an den Verrenkungen, die manchmal stattfinden müssen, um ein besonders originelles Bild zu produzieren!

Und hier, auf einem der Stühle habe ich eben noch gesessen und ein Bier "gezischt". Morgen hat meine Enkeltochter Geburtstag. Da kann ich nie früh genug anfangen zu feiern!

Die Fontäne ist das abendliche Wahrzeichen des Placa d´ ´Armas. Auch dieser Platz erfreut sich bei den Familien großer Beliebtheit.