Die versprochene letzte Bratwurst vor Amerika

 

Nicht jedes Versprechen kann in Erfüllung gehen.

Aber ich fange am besten am Anfang an: Wir erfahren gestern durch Zufall, dass auch der Algarve ein Lockdown droht,  der  wahrscheinlich schon übermorgen beginnen wird. 

Den letzten Tag in Freiheit wollen wir ausnutzen. Aber wohin? Sabine hat mich bereits zweimal gefragt, ob wir schon am Leuchtturm vom Cabo de Sao Vicente gewesen seien.  Noch nicht, aber er steht auf unserer Wunschliste. 

 

Damit  ist das Ziel des Ausflugs gefunden: Sagres mit der Fortaleza, Cabo de Sao Vicente, ein wunderbarer Strand an Portugals Westküste und  ein Abstecher zu einem Spa in der Nähe von Monchique. Wer weiß, wann der Lockdown wieder aufgehoben wird. Darauf wollen wir nicht warten. Und das Wetter? Es hätte nicht besser sein können. Der Himmel ist strahlendblau und die Sonne scheint.

 

Auf die Befestigungsanlagen, die Heinrich der Seefahrer in Sagres hat bauen lassen, bin ich besonders neugierig. Ganz viel ist nicht mehr übrig, aber was ich sehe, ist beeindruckend.

 

 

Vor uns liegt die Befestigungsanlage. Das Tor in der Mitte ist der einzige Zugang. Das Besondere am Fortaleza ist,, dass nicht mehr als die hier zu sehenden  Bollwerke vorhanden sind. Die anderen beiden Schenkel eines gedachten Dreiecks bestehen aus steil abfallenden Klippen, die weit in den Atlantik reichen.  Wer konnte die schon bezwingen!

 

 

Nein Freunde,  die Rampe ist nicht für Rollies gedacht, sondern war eher eine  Erleichterung  für den  Transports von Kanonen und ähnlichem kriegerischen Gerät .

 

 

Jeff, als alter Soldat, übernimmt hier kurzfristig den Ausguck. Aber mit dem alten Geraffel hätte er heute Heinrichs Anlagen nicht mehr verteidigen können!

 

 

Ein Blick auf die andere Seite der Befestigungsanlage.  Von hier ist einer der bei Surfern beliebten Strände zu sehen.

 

 

Ganz schmal sind die Klippen von Cabo de Sao Vicente zu erkennen. Und wer Adleraugen hat, oder das Foto vergrößert, sieht an der Spitze die Festung mit dem Leuchtturm.

 

 

Wir beginnen unseren Rundgang an Heinrichs Kapelle. Es ist nicht mehr die gleiche wie vor etwa 500 Jahren, aber deren Nachfolgerin.

 

 

Der in der Ferne sichtbare Leuchtturm befindet sich  am Ende der felsigen Landzunge. Es dauert eine Stunde, um sie zu umwandern. Der Wind ist rau, und der Rückweg gegen den Wind unangenehm. Aber nur mir, mein Begleiter liebt Wind um die Nase.

 

Überall am gut ausgebauten Weg sind Tafeln angebracht, um auf einheimische Pflanzen oder Vögel hinzuweisen.

 

 

Ich kann mich nie sattsehen an den Felsformationen und dem Meer

 

 

Wo auch immer Gefahr drohen könnte, kommen Zäune zum Einsatz!

 

Und was soll das sein? Kunst? Ein Labyrinth?

Eines ist sicher,  zahlreiche Besucher haben eine Nutzung entdeckt: als  helle Leinwand, auf der jeder der mag, seinen Namen verewigen kann.  Kratztechnik ist besonders beliebt. Ist das jetzt Kunst? Auf jeden Fall ist es teuer.

 

 

 In der Ferne ist die  kleine Stadt Sagres zu sehen. Bei Surfern ist sie besonders beliebt. Die Strände in dieser rauen Ecke werden sogar im Winter von erfahrenen Surfern  aufgesucht.

 

Ich bin mehr an der Geschichte Heinrich des Seefahrers und seiner Kunst des Navigierens interessiert.

Durch ihn hat vieles begonnen,  Inseln wurden entdeckt und besetzt, neue Seewege gefunden, unbekanntes Land vereinnahmt, Schätze in das Heimatland transportiert und Handel getrieben. All das und vieles mehr hat dazu beigetragen, dass Portugal zu den reichsten Ländern dieser Erde gehörte. Vorübergehend.

 

Inge und Karl warten auf uns an der gleichen Stelle, an der wir ausgestiegen sind, eigentlich direkt vor dem Eingang. Zwei Autos, außer unserem, stehen hier. Der große Parkplatz in der Nähe ist beinahe leer.

 

Jetzt geht es zum nächsten Cap, dem mit Sabines Leuchtturm, der ihr vor etlichen Jahren so gefallen hat.

 

Die Fahrt dorthin ist nicht weit. Das Land ist flach, ohne Bäume.

Inge erzählt, dass hier immer viele Buden stehen mit regionalen Produkten aller Art, angefangen bei selbst gestrickten Pullovern, gestickten Handarbeiten bis zu diversen Staubfängern. Die Touristen und ihre Angehörigen sollen ihren herrlichen Urlaub nicht vergessen! Außerdem gibt es im Kiosk die letzte Bratwurst vor Amerika. Da bin ich ja gespannt und schon ein wenig hungrig!

 

 

Es sieht richtig einladend aus!

 

Leider ist das nur der Schein, der trügerische. Das Foto habe ich durch das verschlossene Tor aufgenommen. Die Eisenstäbe waren weit genug von einander entfernt.

In Corona Zeiten ist alles anders. Der große Parkplatz ist leer, auch das Fehlen der Andenkenbuden hat mich weniger gestört, aber der Kiosk ist geschlossen! Also, keine letzte Wurst vor Amerika. Naja, wir wollen ja auch gar nicht nach Amerika!!

 

 

Statt der letzten Wurst zeige ich euch den Felsen des Cabo de Sao Vicente, auf dem in einiger Entfernung und weiter links, der rot - weiße Leuchtturm steht. Hier ist nun der südwestlichste Punkt Europas, von dem die Menschheit noch im 14. Jahrhundert annahm, dass gleich dahinter das Ende der Welt liegt. Die Klippen sind 70 m hoch und den Leuchtturm kann man noch in 45 km Entfernung sehen. Er wird im Laufe seiner Existenz schon manchem Seefahrer das Leben gerettet haben. Der Atlantik wirft sine Wellen unermüdlich an die Felsen. Ich bin hier in Sicherheit,  liebe die Gewalt des Meeres und kann mich nicht sattsehen.

 

Weil es Mittagszeit ist und wir sowieso zurück nach Sagres fahren müssen, suchen wir uns ein kleines Restaurant, in dem wir gemütlich in der Sonne sitzend, ein paar Vorspeisen genießen. Den Mittagsschlaf planen wir für den Strand ein. Später.

 

 

Inges und Karls Lieblingsstrand hat sich zu einem Surfer - Paradies gemausert. Ich weiß, soviele sind auf dem Foto nicht zu entdecken, aber es waren viele!

Leider brauchen Surfer für ihre Leidenschaft Wind, den wir Alten gar nicht brauchen können. Es wird jetzt kalt und ungemütlich und ich mag auf gar keinen Fall hier im Sand liegen.

 

Wir bleiben nicht lange. Die Weiterfahrt, direkt am Meer entlang, entschädigt für die Enttäuschung. Jeff und ich steigen dauernd aus, um die Schönheit der Klippen in den verschiedensten Farben zu genießen. Und das Meer!

 

 

Hier befinde ich mich auf verbotenem Gebiet: Hinter der Absperrung.

Von unserem letzten Ziel, einem kleinen Badeort, der zu Monchique gehört, kann ich leider kein Foto zeigen. Meine Kamara hat die Arbeit verweigert. Die Besitzerin hatte die Batterie nicht richtig geladen.

 

Wir steigen mit Karl viele Stufen in einem Park hoch, begleitet von einem ebenfalls stufigen Wasserlauf. Es ist windstill, die Sonne scheint und wir genießen die Schönheit  dieses fast verwunschenen Gartens.

 

Einen letzten Stop gibt es auf der Heimfahrt an einer Stelle, wo zwei Flüsse zusammen fließen.  Inge und Karl sind in vergangenen Jahren oft hier gewandert, und wollen uns daran teil haben lassen. Es ist schön, wenn man von Erfahrungen seiner Freunde profitieren kann, und wir bedanken uns herzlich bei ihnen für den wunderbaren Ausflug.

Unerwarteter Kälteeinbruch

 

Kälte im Janauar, wen wundert das?! Mich, ich bin in der Algarve und hier ist es, wie ich von allen Experten  gehört habe, noch nie sooo kalt gewesen!

Die Sonne scheint seit Tagen nur  in der Mittagszeit so warm, dass man seine Stühle in einer windgeschützten Ecke aufstellen kann. Unsere Nachbarn haben so einen besonders sonnigen Platz gefunden: sie schleppen ihre Möbel vor das nächste unbewohnte Haus.  Entweder bemerken wir ihre Vorkehrungen oder, wie vorgestern geschehen, klopft  Jimmy  an unserer Tür. Wer will schon alleine Wein trinken!?

Bei der Gelegenheit habe ich zum ersten Mal Lupinensamen gegessen. Sie werden in großen Gläsern verkauft und sind  ein beliebter Snack zu Wein. Mein Lupinen - Samen - Ess - Lehrgang ist bei dem ersten Versuch nicht in, sondern  auf die Hose gegangen. Du mußt  den Samen  aus der Pelle quetschen, und das möglichst so, dass er in deinem Mund landet. Bei unserem nächsten Einkauf werden wir uns ein Glas kaufen. Anschließend sind wir auch auf diesem Gebiet fit! Das mit dem Trinken klappt auch ohne Training prima.

 

Sobald die Sonne daran gehindert wird uns zu wärmen, ist es so kalt, dass nur die Heizung  helfen kann. Die Häuschen sind nicht isoliert; unsere Schiebetür hat so viel Möglichkeiten, die Wärme hinausgelangen zu lassen, dass wir bis zum Schlafengehen heizen.

 

Der Wetterbericht hat uns gestern für die nächsten drei Tage viel Sonner versprochen. Wie  geplant, wollen wir einen großen Markt zu besuchen. Hier soll alles verkauft werden - von der Kuh bis zur Gurke. Ich bin interessiert an warmen Stulpen für meine kalten Beine. Ich könnte sie im Bedarfsfall bis über die Knie ziehen!

 

Die Sonne scheint, der Himmel ist knallblau, nur der Markt findet nicht statt. CORONA!

Karl schlägt vor, dass wir stattdessen eine Burgruine, das Castelo de Paderne, besichtigen.

Jeff und ich sind so begeistert von der Umgebung, dass wir in den nächsten Tagen noch einmal hierher fahren und eine Wanderung zu einer römischen Brücke machen, die wir von oben in einiger Entfernung gesehen haben.

 

Und was ist mit den Stulpen? Zur Not, wenn die Kältewelle wieder kommt,  kann ich ja welche stricken!

 

 

Der Fußweg Richtung Strand

 

Spazierwege sind oft die gleichen und doch ist es immer anders.

Seit ein paar Tagen hat es nicht geregnet. Ob der Weg wohl heute trocken ist? Trocken nicht, aber wesentlich besser als bei der letzten Wanderung!

 

Geschafft!  Beim letzten Mal war der Graben noch wesentlich breiter, der Autoreifen schwamm und war keine große Unterstützung. Wir hatten beide einen nassen Fuß. Heute ist es ein Kinderspiel über die Stange zu balancieren.

 

 

Ganz falsch! Das Helle  ist kein Wasser sondern ein Blumenmeer! Gänseblümchen sehen immer bezaubernd aus, aber in diesen Mengen einfach umwerfend.

 

 

In der linken Ecke oberhalb der Blumenwiese, befindet sich der Campingplatz. Im dritten Haus von unten wohnen Inge und Karl. Unser Häuschen könnte man weiter oben auch sehen, wenn nicht ein Busch davor stehen würde.

 

 

Eine portugiesische Kleevariante. Karl nennt sie "Nickender Sauerklee".  Die Schafherde wird begeistert sein!

 

 

Bis auf drei Reiter treffen wir niemanden.

 

 

Wir haben fast das Meer erreicht. Man kann es schon sehen. Weil wir den Weg durch den Ort zurück nehmen wollen, müssen wir irgendwie über dieses Wasser kommen. Der Abfluss ins Meer ist freigebaggert.

Unsere Hoffnung, dass das Meerwasser noch nicht so hoch gestiegen ist, wird enttäuscht. Aber wer wird denn hier aufgeben! Wir suchen solange, bis wir eine Stelle finden, wo es klappt. Mit einem nassen Fuß werden wir mit Leichtigkeit fertig!

 

 

Fast war der Sprung weit genug. Das letzte, zu überwindende Wasser, ist nur ein Pillerbach!

 

 

Wer wagt, gewinnt. Wir, in diesem Fall, ein frisch gezapftes Bier. Mh.

 

 

Das Strandrestaurant gehört zu den besseren, siehe Preisliste.

Jeff studiert sie und meint, für seinen alten Van, dessen Verkaufswert  er im letzten Jahr eingeholt hat, hätte er drei Lobster bekommen. Unglaublich, seine wunderbare, zuverlässige, geliebte alte Karre für drei Lobster?  Nie und nimmer! Recht hat er.

 

Dies und das - von Allem was

Ich hätte diesen Eintrag auch "Kraut und Rüben" nennen können. Egal, die Hauptsache ist, dass wir in den letzten Tagen einiges unternommen haben.

 

Diese Fotoserie habe ich in Silves aufgenommen. Es ist schon unser zweiter Ausflug hierher und sicher nicht der letzte.

Das Storchenpaar empfängt uns höchst uninteressiert. Macht nichts, ich freue mich immer sehr, wenn ich ein Paar in ihrem Nest entdecke.

Wir parken das Auto sozusagen unter ihrem Schutz und steigen die vielen Stufen in Richtung Burg hoch.

 

 

Ich wünschte, ich wäre 10 Jahre jünger und so flott wie Jeff!

 

 

 

Diese Stufen stehen uns auch noch bevor und dann haben wir Eis, Kaffee, Kuchen und Eiskaffee mehr als verdient!

 

Wir haben eben noch in der Sonne gesessen und machen jetzt einen kurzen Rundgang durch den Ort. Ein Weg, der - schon wieder - nach oben führt, bringt uns an einen wunderschönen Aussichtspunkt.

 

 

Zu gerne würden wir uns die Mühle ansehen, die ich, Dank der Technik, ein wenig weiter in unsere Nähe befördert habe.

 

 

Und weil es hier so schön ist, gibt es noch ein Selfie von den Wanderern.

 

 

Fast könnte man es  als Zauberei bezeichnen: Wir sind zurück auf unserem Campingplatz.

 

 

Wir beobachten unsere Nachbarn, wie sie mit einem Stecken bewaffnet, in einem, unserer Meinung nach, völlig kahlen Baum herumstochern, bzw. etwas aufsammeln.

Ich kann nur durch Fragen klüger werden!  Der Baum ist gar nicht kahl! Er trägt Mandeln. Ihre Hüllen sind nur schwarz, sodass sie kaum von den Ästen zu unterscheiden sind. Jimmy erklärt mir, dass es vor ihrem Haus zwei unterschiedliche Mandelbäume gibt. Der eine, von dem sie gerade ernten, trägt süsse Mandeln und der andere bittere. Letztere werden für Likör und Marzipan verwendet. Was meint ihr wohl, wie schnell ich mich am Aufsammeln beteiligt habe!

Ein Problem gibt es bei beiden Sorten: Du mußt sie knacken können. Nussknacker?  Zange?  Hammer?  Fehlanzeige!

 

 

Von der bitteren Nuss ist die Schale entfernt.

Sie sehen vollkommen identisch aus und wachsen immer auf unterschiedlichen Bäumen.

 

Da wir uns gerade über Bäume unterhalten, möchte ich euch noch unseren Weihnachtsbaum vorstellen. Die besten Zeiten hat seine Deko hinter sich, aber da er mein seit Jahren erster geschmückter Baum ist,  will ich doch auf eine Besonderheit hinweisen: Die Sterne habe ich  mit der Nagelschere aus goldenem und roten Bonbonpapier  geschnipselt und die größeren, echt silbernen, die auch unsere ganze Bude aufmotzen, sind aus dem Innenleben der Fünf - Liter -  Rose´  - Wein - Kartons entstanden. Eigentlich wollten wir gar nicht so viel trinken, aber .....

 

 

Das, was an der Spitze einem gerupften Adler ähnelt, war ein Rausch - Silber - Engel, der allerdings den hübschen Puschel auf dem Kopf verloren hat. Kein Wunder, der Baum stand öfter draußen und hat auch Transporte zwischen Inges und unserem Haus hinter sich.

Seit heute schmückt er wieder unsere Terrasse - ohne alles - und ist sehr schön.

 

Das neue Jahr 2021

Im neuen Jahr wird alles besser!  Der Satz drückt Hoffnung aus; bei den meisten sicher die, dass der Corona - Spuk bald vorüber sein wird. Ich vermute allerdings,  dass der Wunsch  uns noch lange erhalten bleiben wird.

 

Hier,  in Portugal, gibt es seit gestern die Anordnung, dass jeder um 13 Uhr Zuhause zu sein hat. Bis dahin sind die Geschäfte geöffnet. Wer anschließend auf der Straße erwischt wird, bekommt eine hohe Strafe. Damit ist unser für heute Nachmittag geplanter Ausflug geplatzt.

 

Seit heute Nacht um 0 Uhr, habe ich Geburtstag. Seitdem feiere ich. Hurra, ich bin jetzt 79 Jahre alt und  fühle mich wie eine fitte 60 Jährige.  Ich genieße jeden Tag und bin dankbar für jeden schmerzfreien Schritt, den ich gehen kann und für jedes Lachen, das mich durchschüttelt. Ich freue mich über all die Glückwünsche, die ich von meinen Kindern und den vielen Freunden bekommen habe.

 

Weil die Nacht so lang war, haben wir erst gegen 10 Uhr die Augen aufgeschlagen. Caramba, Schissematucki, unser Häuptling! Gleich wird es klopfen und unsere Nachbarn erscheinen! Glück gehabt: statt  der Nachbarn steht ein guter Geist des Campingplatz Teams, der frische Handtücher bringt und die Bettwäsche wechselt, vor der Tür. Wer jetzt denkt, kaum ist das Jahr um, schon wird wieder gewechselt, irrt. Sie kommen jede Woche mit einem Packen frischer Wäsche. Das ist allerdings auch der einzige Service.

Billy, der Nachbar, kommt einen kurzen Moment später. Er bringt uns frische Crepes, die Katharina  nach einem Spezialrezept ihrer bretonischen Heimat, mit gesalzener Butter, gebacken hat. Lecker!

Jeff trägt unsere Terrassenmöbel in die Sonne. Wir sammeln unsere Wassergläser zusammen, es sind nur drei. Im Vierten  stehen unsere Zahnbürsten! Jeff spült auch das letzte  Glas und wir marschieren, beladen mit Sektflasche, Gläsern und einem Teller Patee - Häppchen - dekoriert mit Gurkenscheiben - Richtung Nachbarn.

Sie haben auch ihre Möbel in die Sonne getragen. Weil sie aber nur zwei Stühle besitzen, tragen wir unser "Wir - begrüßen - das - Neue - Jahr- Equipment"  wieder zurück zu unserem Platz.

 

Wir genießen gemeinsam  die Sonnenstrahlen auf unserer Haut, die mit Gurkenscheiben aufgemotzten Leberwurst Kniftchen, den Sekt aus Wassergläsern und die Crepes. Wir erzählen, lachen und die Zeit verfliegt nur so. Plötzlich ist es 12h und wir sollten eigentlich schon bei Inge und Karl zum Mittagessen sein.

Auf dem Weg zu ihnen kommen uns die niederländischen Nachbarn eintgegen. Sie bringen uns typische Muzen aus Holland. Danke, jetzt haben wir sogar einen Nachtisch für uns vier!

Obwohl Karl motzt- es sei zu kalt - essen wir auf der Terrasse. Inge hat alles vorbereitet. Es gibt einen leckeren Braten, Rotkohl, Sauße und Kartoffeln. Wenn das nicht ein leckeres Geburtstagsessen ist!

Zum Nachtisch gibt es türkischen Kaffee - jedenfalls den Rest, der nicht beim Überkochen auf der Herdplatte verbrannt ist, die Rosinenmuzen und ein Spiel.

Ich liebe es, Geburtstag zu haben!

Warme Weihnachten

Weihnachten in warmen Gefilden zu verbringen, ist nichts Neues für mich. Mein Körper und ich mögen Wärme!

In den Jahren, in denen ich alleine gereist bin, hat das Weihnachtsfest keine Rolle gespielt. Ich habe immer meine Familie vermisst,  aber es genossen weder dem Weihnachtstrubel ausgesetzt zu sein, noch mich an der Jagd nach Geschenken zu beteiligen. Kein Gänsebraten stand auf meinem Programm, das einzige worauf ich achten mußte war,  vor Geschäftsschluss etwas Essbares zu ergattern. Das hat leider nicht immer geklappt.

 

Dieses Jahr ist alles anders. Jeff und ich bewohnen eine kleine Hütte und haben 150m entfernt zwei Freunde. Da bietet es sich an, das Fest zusammen zu feiern.

Am "Heiligen Vormittag" sind Inge und Karl bei uns. Ich koche - Ruth und Karin, ihr lest richtig - eine rote Linsensuppe. Die ist schnell zubereitet und,  außer exotisch, auch sehr lecker.

 

 

Die Gäste sind da!

 

 

Nicht nur der Wein sorgt für entspannte Stimmung!

 

Zum Nachtisch gibt es Muzen.

Muzen waren immer Gertas Beitrag zum Karneval. Sabine hat, nach dem  Rezept ihrer Großmutter, jedes Jahr am "Heiligen Mittag", Familie und Freunde mit köstlichen Muzen beglückt.

Diese Tradition setze  ich jetzt in der Algarve fort und rufe damit große Freude bei meinen Mitessern hervor. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich das Rezept etwas abwandele: Statt Magerquark verwende ich den fetten Griechischen Joghurt. Kann man machen, sie schmecken gut, werden nur ein wenig schrumpelig, nachdem sie das Fettbad verlassen.

 

Für den Abend bereiten  wir Kartoffelsalat vor. Die großen Wurstdosen und den Tannenbaum haben Inge und Karl schon im Auto mitgenommen.

 

Ehe wir zu unseren Freunden gehen, sind wir bei den Nachbarn zu einem Glühwein eingeladen. Dazu gibt es Maronen. Wir können nicht lange bleiben, haben aber  bei der internationalen Zusammenkunft viel Spaß: Zwei Nachbarn kommen aus den Niederlanden und unsere Gastgeber sind Franzosen,  die - Gott sei Dank - Deutsch sprechen.

 

 

Das Highlight unserer abendlichen Weihnachtsfeier, ist Karls  "Stille Nacht, heilige Nacht ..", das er uns auf seiner extra angeschafften Ukulele zu Gehör bringt. Seine musikalische Karriere hat er mit dem Forellen Quintett begonnen, das er schon nach ein paar Tagen wunderbar zupfen kann. Wir erkennen es sofort und bitten fortan allabendlich um eine Wiederholung. " Spiel doch noch einmal das Fischlied!"

 

Das nächste Highlight des abends ist der phantastische Kartoffelsalat! Kein Wunder bei dem emsigen Peller!! Dazu gibt es die dicksten und längsten Würste, die ich je gekauft habe. Die Bezeichnung Würstchen wäre eine grobe Beleidigung!

 

Inge und Karl haben schon alles in ihrer warmen Hütte vorbereitet. Wir beiden Frauen dekorieren uns noch zur Feier des Tages mit einem prächtigen Silberstern im Haar und dann kann es auch schon mit dem Mahl losgehen.

 

Natürlich spielen wir später Karten, aber erst schauen wir "Dinner for one" an. Wir hatten Jeff von der deutschen Tradition berichtet, Silvester den alten englischen Schinken anzusehen und sich dabei köstlich zu amüsieren. Jeff hat nur überrascht den Kopf geschüttelt. Von dem Film hat er noch nie etwas gehört. Ab jetzt, dafür gehe ich jede Wette ein, wird er an jedem Silvester  zum Deutschen werden!

Durch 100 Kreisel bis Lagos

Was natürlich völlig übertrieben ist! Aber wer von euch schon einmal durch die Algarve gereist ist, wird mir zustimmen:  Portugiesen lieben Kreisel.

Die Entfernung ist etwa doppelt so weit wie bis Portimao, also ein Katzensprung. Das Wetter ist wie meistens: Der Himmel hängt voller Wolken.

Über Lagos habe ich viel Interessantes im Reiseführer gelesen, außerdem macht der Name mich neugierig. Als wir vor vierzig Jahren in Nigeria gelebt haben, sind wir etliche Male im dortigen  Lagos gewesen. Welche Verbindung gibt es zwischen den beiden Städten?

Wir erreichen Lagos - am Ende mit sch gesprochen-, kurz vor Mittag. Wir parken an der Fluss - Avenida und laufen über eine Fußgängerbrücke erst einmal zur Marina.

 

 

Marina von Lagos

 

Wir lassen uns bei einem Kaffee den Weg ins Zentrum erklären und machen uns neugierig auf den Weg.  Die Promenade hat was! Sie ist zur Straße hin gesäumt mit Palmen und bei der Pflasterung wurden - ich vermute Dank EU - keine Kosten und Mühen gescheut.

 

 

Was für eine außergewöhnlich schöne Werbung für Lagos!

 

 

 

Es wird kaum eine auf unserem Weg liegende Markthalle geben, in die wir nicht einen Blick geworfen hätten! An diesem Stand wird frischer Fisch angeboten.

 

Diese, einem Raumfahrer nachempfundene Figur, stellt König Sebastiao dar, der im 16. Jahrhundert mit 1800 Soldaten nach Afrika aufgebrochen ist, von denen nur 60 zurückkehrten. Der König selbst blieb verschollen. Das Putzwunderliche  ist, dass er trotz dieser grandiosen Niederlage bei den Portugiesen so beliebt ist, dass sie noch heute auf seine Rückkehr warten!

 

Auf unserem Weg auf und ab durch die Straßen und Gassen, haben wir schöne Geschäfte, Plätze und Restaurants entdeckt.

 

 

Ein exotischer Blumengruß zur Weihnachtszeit!

 

 

und nichts und niemand ohne Maske!

 

 

Als wir hier vorbei spazieren, sind wir schon glückliche Besitzer eines zweiten Regenschirms. Seht ihr die Orangen auf den Bäumen?

 

 

Es gibt jemand, der ihnen kaum widerstehen kann!

 

 

Gar nicht weit von hier, stoßen wir auf einen Englischen Pub mit dem schönen Namen "Only Fools and Horses." Wir lieben beide die gleichnamige, uralte, englische Kultsererie. Dass wir den Pub nicht links liegen lassen, ist doch klar. Jeff unternimmt etwas gegen zukünftiges Heimweh und bestellt Fish and Chips.

 

 

Wir stehen am Denkmal Heinrich, des Seefahrers, der von Lagos aus seine Flotten aussandte.

In Wirklichkeit war er kein Seefahrer, sondern Wissenschaftler. Mathematik und Astrologie waren seine Hauptinteressengebiete. Von den Arabern lernte er nach  Sternen und Sonne den Standort seiner Schiffe zu berechnen. Damit war es seinen Kapitänen möglich zu navigieren, also auch den Heimathafen wiederzufinden.

Er dehnte das Reich aus über Madeira bis zu den Azoren.

Im Meer vor Lagos müssen etliche Seeschlachten stattgefunden haben. Aber er ließ nicht nur zu Wasser kämpfen, sondern eroberte auch Ceuta, eine Stadt in Nordafrika. Damit hatte er dem "Welthandel", der sich zu der Zeit im Mittelmeerraum abspielte, einen großen Dienst erwiesen, in dem er die arabischen Piraten in ihre Schranken wies.

 

Wer war Heinrich der Seefahrer? Er wurde 1394 geboren, als der drittältester Sohn des Königs Joao und seiner aus Lancaster stammenden Frau. Heinrich wurde, auf Wunsch der Mutter, englisch erzogen. Hier in Portugal ist er bekannt als Infante  Henrique, also Prinz Heinrich. Auch wenn er nie die Chance hatte König zu werden, ist er kein armer Mann gewesen. An jeder Ware, die die Schiffe aus aller Welt mitbrachten, hat er auf die eine oder andere Weise verdient.

 

Den größten Ruhm hat er sicher erlangt durch die vielen klugen Köpfe, wie Mathematiker und Astronomen, die an seinem Hof vielversprechende Seeleute ausbildeten. Das kleine Land Portugal hat damals Besitztümer und Handelssitze in aller Welt erobert, wie z.B. Goa in Indien, Goldküste in Westafrika und nicht zu vergessen, das riesige Land Brasilien.

 

Ich könnte die Reihe fortsetzen, will aber jetzt weiter durch Lagos bummeln. Nur das noch schnell: Der erste Sklavenmarkt in Europa fand 1444 genau an dieser Stelle statt. Da wird auch die Verbindung der zwei Städte mit dem gleichen Namen ihren Ursprung haben: Lagos in Portugal und Lagos in Nigeria.

 

 

Leider können wir uns die Kirche nicht von innen anschauen. Sie soll eine der Prächtigsten von ganz Portugal sein.

 

 

Kleine Festung an der Hafeneinfahrt, genannt Forte Ponta da  Bandeira

 

 

Die kleine Kapelle der Festung, wunderschön ausgekleidet mt blauweißen Azulejos.

 

 

Ja, Jeff ist dort nicht eingezogen, auch wenn es aussieht, als käme er gerade aus seinem Haus!

 

 

Von der Festung aus ist die Stadtmauer besonders gut zu sehen

 

 

Wetten, dass sie jeden Preis als schönste Dattelpalme an dieser Avenida gewinnen würde?

 

 

 

Nach einem letzten Gang durch Lagos - ich hatte vergessen Aquarellpapier zu kaufen - geht es zurück zur Brücke und damuit zu unserem Auto.

Übrigens, es hat uns so gut gefallen und wir haben sehr vieles noch nicht gesehen, dass wir demnächst wiederkommen werden.

 

Durch Wasser und Matsche - Pampe

Was für ein Tag! Die Sonne scheint und es zieht uns ans Meer. Um dorthin zu gelangen, folgen wir Karls Geheimtipp, dem Weg durch die Wiesen.

 

Wiesen und Wasser. Natürlich gibt es einen Pfad, der uns den Weg weist. Zu nutzen ist er selten, ansonsten würden wir so manches Mal in der Mödge stecken bleiben.

In der Ferne sieht man das Städtchen Alcantariha mit dem Supermarkt,  in dem wir meistens einkaufen.

 

An diesem Gewässer suchen wir längere Zeit vergebens nach einem Überweg. Kein Wunder, es hat in den letzten Tagen oft ausgiebig geregnet. Aber wir entdecken im Wasser einen alten Autoreifen. Es sieht aus, als hätte er schon unseren Vorgängern gute Dienste geleistet. Leider klappt es nicht ganz!  Mit einem Fuß gehe ich -mitsamt Gummireifen - unter. Macht nichts, es ist nur im ersten Moment unangenehm. Ich trage heute wieder meine gelben Schnürstiefel zur Shorts und sehe darin aus, wie eine excentrische Amerikanerin - sagt Karl!

 

An der leichten Erhebung müssen wir vorbei laufen. Da wird es trocken sein!

 

 

 

und Jetzt?

 

 

Juchhu, eine Brücke!

 

 

Dass Herbst ist, kannst du nur an den vertrockneten Disteln erkennen. Das Gras ist grün wie im Frühjahr. Demnächst wird der Ginster beginnen zu blühen.

 

 

Dank der Technik kann ich Armacao de Pera und Schafherde zusammen bringen!

 

 

Das Meer ist in Sicht.

Hier, auf der Anhöhe, hat bis vor Jahren ein Gehöft gestanden.

 

 

Jetzt steht in der Küche ein Baum.

 

 

 

Etwas später kommen wir an einem zweiten verlassenen Gehöft vorbei. Mir gefällt der Spruch. Vielleicht werde ich in

einigen Jahren beim Betrachten des Fotos überrascht sagen: "Stimmt ja, damals gab es weltweit Corona!"

 

 

 

Nur noch über die Düne, und schon sind wir am Meer.

 

Sonne und Wolken wechseln sich ab. Wir sitzen am Strand und essen unsere Äpfel. Beim Weitergehen treffen wir auf den Holzsteg, der vom Parkplatz aus über die Düne führt. Hurra, hier steht ein Strandcafe mit Toilette, Bier und Chips!

Danach finden wir einen kürzeren und trockeneren Heimweg. 

Nach vier wunderschönen Stunden erreichen wir dreckig und zufrieden unser Tiny Haus.

Klippenwanderung

Es gibt kaum etwas Schöneres für mich, als am Meer entlang zu laufen, diesen ganz besonderen Geruch in der Nase zu haben, den  Wind die Haare zersausen zu lassen und die Sonne wärmend zu spüren. Da kann ich  selbst dem grellen Gekreisch der Möwen  etwas abgewinnen.

Heute ist genau der richtige Tag für so eine Wanderung.

Inge und Karl "setzen uns aus" und wir laufen bis zu einem Strand, an dem sie  einen angenehmen Platz in der Sonne finden. Eine Stunde würde die Wanderung dauern - mit Fotopausen, sonst ginge es schneller.

 

Die Brandung nagt unaufhörlich an den Felsen.

 

 

Nichts bleibt wie es ist. Durchlässe entstehen, manchmal sogar Grotten.

 

 

 

Warnschilder in der Felswand weisen auf Gefahr von Abbrüchen hin.

 

 

Wenn ich dem Stein näher komme, kann ich viele Muscheln entdecken.

 

 

Wieviele Jahrtausende haben die Klippen wohl gebraucht, um Lage auf Lage zu entstehen?

 

Die Pfade sind gut zu finden. An etlichen Stellen verhindern hölzerne Zäune ein zu dichtes Herantreten an die steilen Abbrüche.

 

Ein Haus im Grünen mit Meerblick, wer träumt davon nicht.

 

 

Wer denkt, dass Angler nur Langeweiler sind, die Würmer baden, soll sich einmal diesen Petri - Jünger anschauen: Er muss verwegen und mutig sein!

Sieht Jeff nicht sehr zufrieden und glücklich aus? Eigentlich wären wir jetzt in Kambodscha unterwegs gewesen. Eigentlich! Aber wir sind beide sehr froh, hier zu sein.

Seit wann der Brocken wohl schon alleine im Meer steht?

Der Reiz liegt oft im Kleinen und Unscheinbaren

 

Zu dieser kleinen Badebucht führt ein Weg.

 

Für uns geht es erst nach unten und dann ebenso anstrengend wieder nach oben auf die Klippen.

 

Entschuldigung, lieber Jeff.  Meine Behauptung, dies sei der richtige Weg, war leider sehr falsch. Wenn du mir nicht geholfen hättest den steilen Abstieg zum Weg zu schaffen, hätte ich baden gehen können. Aber Zwei wie wir, schaffen  alles!

Und schon haben wir unser Ziel erreicht. Wir waren statt einer Stunde anderthalb unterwegs. Aber Inge und Karl haben in Marinha, gemütlich in der Sonne sitzend, auf uns gewartet.

Ausflug in den Barrocal

Vor kurzem hätte ich noch vermutet, dass es sich um ein portugiesisches Kaufhaus handeln könnte. Weit gefehlt, es ist eine hügelige Landschaft im Hinterland der Algarve.

Das Wetter ist, wie gerne in der Nähe des Meeres, unbeständig. Freust du dich gerade noch über Sonnenschein und phantastische weiße Wolkengebilde, entdeckst du im nächsten Moment mehr Schwarzes als dir lieb ist. Da eine der ersten Anschaffungen ein Regenschirm war, sind wir gut ausgerüstet und das Leihauto verspricht, jedes Hindernis zu nehmen.

Unsere erste Station ist Loule. Hier wollen wir unbedingt auf den Markt. Seitdem bin ich glückliche Besitzerin eines gelben Gürtels. Ein weiterer Einkauf waren ein winziges Glas Honig und ein Tütchen Thymian.

Ich liebe Märkte, weniger um etwas zu kaufen, sondern um  die köstlichen, manchmal exotischen - aber immer frischen Angebote zu bestaunen.

Habt ihr gewußt, dass die Großen Seespinnen heißen? Ich bin jeden Tag glücklicher, mit so klugen Männern unterwegs zu sein. Ja, Inge ist im Auto geblieben. Bei dem Wetter strickt sie lieber eine Runde und überläßt Karl die Vorführung aller Wunder.

Ein- und Ausgang der Makthalle.

 

Das Städtchen hat uns gut gefallen. Es ist keine Ansammlung weitläufiger Appartmenthäuser wie Armacao de Pera

Unser nächster Stop ist in Querenca. Leider ist er nur sehr kurz. Wir finden keinen Parkplatz in den engen Gassen. Ich springe nur kurz aus dem Auto, um ein Bild von dem Kirchlein, das in der Pfütze steht, zu erhaschen.

die gewundenen Straßen führen uns bergauf, bergab. Mal geht es  durch Wiesen und Weiden, mal durch kleine Dörfchen.

Unser neues Ziel ist eine Quelle. Aber nicht irgendeine, sondern die, an der Inge einstens Flöte gespielt hat. Mir will gar nicht so recht romantisch werden. Ich glaube, das liegt an dem Regen, der unbedingt sofort Richtung Erde fallen möchte.

und hier sprudelt auch schon die Quelle!

 

Alles ist gut mit Informationen versehen. So erfahren wir, dass es in der Nähe  ziemlich große Fluss Schildkröten gibt.

Vögel haben sich auch außergewöhnliche Nistplätze gebaut. Sie bewohnen Löcher in einer Steinwand.

Als nächstes zeigt uns Karl Salir. Nicht weit von Kirche und Wasserturm entfernt, steht ein kleines einladendes Häuschen, das geradezu auf Gäste wartet!

Salir, vom Wasserturm aus gesehen

Erst im Wasserturm und dann in der schnuckeligen Wärme des gemütlichen Restaurants, das von draußen sehr viel kleiner aussieht.

Es geht doch nichts über ein wärmendes Feuer - jedenfalls wenn es immer wieder so ungemütlich ist wie heute.

 

Und was essen wir? Du wirst es kaum glauben. Es gibt Tapas und wir suchen uns Fish und Chips aus. Lecker! Mein Engländer freut sich. Inge isst braune Bohnen und Brot. Auch lecker, sagt sie, auf jeden Fall typisch portugiesisch.

In Alte, sicher bei Sonnenschein ein zauberhafter kleiner Kurort, genießen Jeff und ich den nächsten Regenschauer. Wir sind froh, nach einem Spaziergang wieder ins trockene Auto krabbeln zu können.

Nach einem Abstecher zum Stausee Baragem de Arade, geht es wieder zurück.

 

Danke, Inge und Karl, für den schönen Ausflug zu vielen eurer Lieblingsorte.

Häusliches Glück

Offiziell heißt unsere Bude Bungalow. Sie ist kaum von einem echten zu unterscheiden. Vielleicht wäre der etwas größer. Wir haben trotzdem sehr viel Spaß. Wir behaupten, unser Master Bedroom befände  sich im Westflügel.

Das Bad ist gut ausgestattet mit Dusche, Toilette und Waschtisch. Für mich ist das wichtigste, dass  warmes Wasser kommtI!

In der Küche steht ein runder Esstisch mit vier Stühlen. Alle erforderlichen Dinge wie Kochplatten, Kühlschrank, Spüle sind vorhanden. Über der Tür zur Veranda ist eine Klimaanlage installiert. Auf deren Wärmeproduktion waren wir in den letzten Tagen sehr angewiesen. Der Wind ist kalt, es regnet oft und die Sonne schiebt sich gerne mal die Wolken vors Gesicht.  Aber wenn sie scheint, ist es wunderbar! Aber zurück zur Unterkunft. Der Küchen/Wohnraum ist so groß, dass sich hier auch noch zwei Gästebetten befinden.  Damit du, lieber Leser, nicht auf die Idee kommst, schnell eure Koffer zu packen und mit der Familie bei uns einzuziehen,  kommt der Hinweis, dass das zweite Gästebett  seinen Platz unter dem ersten findet. Aber die Matratze ist so bequem, dass ich hier gerne liege, besonders, wenn ich euch etwas über diese Reise erzähle.

Jeff verwöhnt mich mit einer dicken Schicht Marmelade auf Kuchen

 

Und das sehe ich, wenn ich von meinem gemütlichen Platz aus, nach oben schaue.

Ganz falsch! Das sind nicht Jeffs trocknende Socken, sondern sein von mir liebevoll gefüllter Weihnachtskalender!!

 

Übrigens, der Fernseher kann nur, im Gegensatz zu uns, portugiesisch sprechen.

 

Von unserem Häuschen zu Inges und Karls Haus sind es etwa 150m. Das Schwimmbad liegt auf unserem Weg zu ihnen. Eine Nachbarin wirft sich jeden Morgen in die Fluten, egal wie das Wetter ist. Ihr Mann sieht ihr höchstens zu. Ich hatte bisher noch nicht den Wunsch ihrem Beispiel zu folgen, obwohl ich schon an drei Tagen Shorts tragen konnte und bis zum Knie im Meer war.

Jetzt möchtest du sicher wissen, wie wir uns bei Nicht - Wanderwetter die Zeit vertreiben. Wir haben Spiele dabei. Claudia und Wolfgang werden sich an mein niedliches "Mensch ärgere dich nicht" Spiel erinnern, das so piepsig ist, dass dauernd die Männchen umfallen. Wir lieben es! Außerdem habe ich Kartenspiele dabei. Inges und Karls Spieleauswahl ist noch viel größer. Aber da sie seit 17 Jahren die Winter  auf diesem Platz verbringen, laden sie am Ende ihres Aufenthaltes ihre Schätze auf  eine Palette, die hier übersommert.

Die Gesamtanlage ist weitläufig. Im Sommer wird sie gefüllt sein mit Zelten und Wohnwagen. Jetzt sind, mehr oder weniger verstreut, einige Wohnwagen unterschiedlicher Größe da. Ein einsames Zelt, Marke Hundehütte, habe ich gesehen. Die Häuschen sind auch kaum belegt. Alles geht gemächlich und ruhig zu.

 

Gestern haben wir Jo und Gabi kennengelernt.

Unschwer zu erkennen: Mittagszeit naht.  In der Friteuse brutzeln Pommes.

Wir bleiben stehen, schwätzen und fragen, aus welchem Land Europas sie kommen.

Aus Belgien natürlich! Das hätte ich doch am Duft der weltbesten Pommes erkennen müssen. Sorry. Und was gibt es dazu?

"Turtle".

"Nee, geht gar nicht. Das ist verboten". Jo marschiert zum Wohnwagen und kommt mit einem Teller rohem Fleisch zurück. "Turtle. Die Amerikaner essen das auch zu Weihnachten!" Ich kann erleichtert lachen und wünsche guten Appetit beim Genuss des Turkeys.

 

Portugal, ich komme!

November. Meine persönliche Reisezeit. Die Monate, in denen ich, oft ohne zu wissen wo ich morgen sein werde, Neues entdecke. Aber wohin kann ich reisen? Die Pandemie  hat uns alle fest im Griff.  Weltweit ist das wichtigste Thema: Corvid 19. 

Meine Freunde Inge und Karl erzählen seit Jahren von ihren traumhaften Überwinterungen in Portugal. Es sei  im Winter nicht zu kalt, man könne sich tagsüber im Freien aufhalten, es gäbe wunderbare Strände zum laufen und Muscheln sammeln, die Märkte böten Köstlichkeiten und auf ihrem Winterstandort, einem Campingplatz in der Algarve, gäbe es noch ein Holzhäuschen zu mieten. Nichts wie hin!

 Am 28.November fliege ich für kleines Geld von Frankfurt nach Faro. Für großes Geld bringt mich ein Taxi bei Regen und Dunkelheit nach Armacao de Pera. Inge und Karl erwarten mich schon am Tor und unsere Wiedersehensfreude ist riesig. Die strikten Corona Bestimmungen verbieten an etlichen Tagen das Reisen über Kreisgrenzen hinweg, sodass sie mich nicht vom Flughafen abholen konnten.

Das Häuschen ist klein - aber oho. Alles ist gepflegt und funktioniert. Hier werden wir uns  wohlfühlen. Jeff darf am 2.Dezember England verlassen  und wir sehen uns endlich wieder.

Die Tage bis dahin verbringe ich damit, die Umgehung zu entdecken, den Kühlschrank aufzufüllen, die Möbel hin und her zu schieben, und mit meinen Freunden zu spielen.

 Meer und Wolken - immer und immer wieder faszinierend

 

Um die Dünen zu schützen, ist ein langer  Steg gebaut worden.

 

 

Es wird schon kühl und ich mache nur einen kurzen Abstecher zum Wasser.

 

Ein ganz besonderer Baum. Er hat einen mit Stacheln übersäten Stamm und trägt Blüten ohne Blätter zu haben. Irgend jemand wird mir hoffentlich seinen Namen verraten können.

Meine Nordenhamer Inge meint, es handele sich um einen Florettseidenbaum. Ein schöner Name für einen schönen Baum. Danke, Inge

 

Wo Karl ist, ist Inge auch nicht weit entfernt. Sie geniessen die Sonne, während ich  am Strand die Temperatur des Wassers  teste und einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehe: Muscheln sammeln.

Ich bin begeistert von dem was ich bisher gesehen habe und kann nur bestätigen: Die Algarve ist wunderschön.

Bombay? Nein, Mumbai!

Die Stadt hat eine sehr lange Geschichte. Ich steige im Jahr 1534 ein. Da überlassen die muslimischen Sultane von Gujarat das Gebiet den Portugiesen.

Ihnen hat die Millionenstadt den ursprünglichen Namen zu verdanken. Sie nennen die Siedlung auf sieben Inseln Bom Bahai. Daraus wird später Bombay.

Schon 1661 kommen die Inseln unter englische Regentschaft. Nicht durch Krieg, sondern als Mitgift der Katharina von Braganza, die Karl II. von England heiratet. Die englische Regierung verpachtet das Land für Kleingeld an die Ostindische Kompanie.

Bombay entwickelt sich in der Zukunft rasant zu einem Gewinn bringenden Handelshafen.

Durch Landgewinnungsprozesse entsteht eine große Insel, die den Lebensraum für jetzt mehr als zwanzig Millionen Menschen bietet.

Zu kolonialer Blüte entwickelt sich die Stadt, nachdem die Festungsmauern 1864  nieder gerissen werden. Jetzt entstehen pompöse Gebäude, die uns heute noch staunen lassen. Dazu gehört unter anderem der Bahnhof Victoria Terminus, der jetzt Chhatrapati Shivaji Terminus, kurz CST heißt.

Wer will es den Indern verdenken, dass sie sich nach dem Abschied von der englischen Kolonialherrschaft auch von Städtenamen trennen, die nicht  ihre eigene Geschichte wiederspiegeln? So erhält Bombay im Jahr 1996 einen neuen Namen. Mumbai.  Der Name ist abgeleitet von der Göttin Mumba, die zu Urzeiten von  Fischern auf den sieben  Inseln  verehrt wurde.

So schließt sich der Kreis und wir können einen gewaltigen Sprung in die Gegenwart tun.

 

Jeff graut es vor Mumbai. Er hat vor vielen Jahren eine seiner Indien Reisen hier beendet und schlimme Erfahrungungen sowohl  mit aufdringlichen Taxifahrern als mit überteuerten Hotels in heruntergekommener Umgebung gemacht. Ich habe ihm vor Antritt unserer gemeinsamen Reise versprochen, weder Delhi noch Mumbai ansehen zu wollen. Und jetzt sind wir doch hier. Aber nur, weil wir für unsere Heimreise  einen Internationalen Flughafen benötigen.

 

Um den zu erreichen, sind wir den ganzen Tag unterwegs.

Mit einem Taxi  geht es von Calangute nach Thivim, einer Bahnstation an der Strecke nach Mumbai. Dann folgt eine 12 stündige Bahnfahrt.

Wir sind nicht die Einzigen auf dem Bahnsteig in Thivim!

Die schwere Diesellok fährt ein - und fährt und fährt, bis sie endlich ihre zahlreichen Wagons an der richtigen Stelle platziert hat.

Die Passagiere haben laut Fahrplan nur zwei Minuten Zeit zum Einsteigen.  Das Wichtigste ist, dass man vorher sein Ticket studiert, den oft wiederholten Lautsprecheransagen lauscht, vielleicht noch den einen oder anderen Fahrgast durch Nachfragen belästigt, auf jeden Fall den Zug an der Stelle besteigt, wo sich der gebuchte Sitz befindet!

Ja, mein lieber Freund, du hast gut lachen, unser Abteil ist leer. Wir machen uns auf den Pritschen lang und können mehr als eine Stunde schlafen. Dann wird es voll, auch in unserem Abteil.

Weil wir die Fensterplätze haben, kommen wir in den Genuss der Ablage und können Skip Bo spielen. Du gewinnst schon wieder!

Die Landschaft fliegt an uns vorbei.

Und wieder geht die Sonne unter.

Der Ausblick von der 5. Etage unseres Hotels mit dem pompösen Namen "Hotel City Palace".

Auf der rechten Seite sind Türmchen und Kuppeln im Hintergrund zu erkennen. Das muss der berühmte Bahnhof sein, der zum Weltkulturerbe gehört.  Und was mag das für eine Kirche sein, die gerade noch auf der linken Seite ins Bild spitzt?

 

Wenn ich mich etwas weiter aus dem Fenster lehne, kann ich die Kirche in ihrer ganzen Pracht bewundern. Das schauen wir uns jetzt alles an.

Du kannst sicher meine Überraschung verstehen, als ich einen Passanten nach dem Namen der Kirche frage, er mich erstaunt ansieht und meint, das ist keine Kirche, das ist der Bahnhof. Und auf meine Frage nach dem Gebäude mit den vielen Kuppeln auf dem Dach, meint er, das sei die Post!

Au weia, da habe ich mich ja gründlich geeirrt.

 

In der Bahnhofshalle: Ein nie versiegender Strom von Reisenden.

Blick in die "Kirche": Es ist die Schalterhalle.

Sogar Jeff hat sich versöhnt mit unserem Aufenthalt in Mumbai. Er macht Fotos von der wohl berühmtesten Fahrkarten Verkaufsstelle der Welt.

Die Fußböden glänzen zu jeder Zeit. Hier ist der Bahnhof das Aushängeschild der Stadt. Das ist noch genauso wie zu der Zeit, als der Prachtbau des Kolonialismus 1887 fertiggestellt wurde.

Und das ist die Post, die ich versehentlich zum Bahnhof ernannt habe.

Wir hätten  uns sehr gerne das Gebäude von innen angeschaut, aber die beiden bewaffneten Polizisten sind noch zäher als ich und wissen das zu verhindern.

Mit einem Taxi lassen wir uns zu einem anderen Wahrzeichen Mumbais bringen, dem Gateway of India.

Das Foto entsteht nachdem wir die strengen Kontrollen hinter uns haben. Seitdem es in den letzten Jahrzehnten aus politischen und  religiösen Gründen immer wieder zu Attentaten und Aufständen gekommen ist, die  Hunderte Leben gekostet haben, befindet sich jetzt an öffentlichen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten verstärkte Polizeipräsenz.

Ist das Tor nicht herrlich? Was für eine Steinmetzkunst! Die Öffnungen erinnern mich an mit kostbaren Spitzen geschmückte Fenster.

Das Gate ist 1924 zu Ehren des Englischen Königs, der Mumbai 1911 besucht, gebaut, bzw. fertiggestellt worden.

Es ist ein beliebter Treffpunkt der Inder - natürlich auch der Touristen.

Der Blick auf den kleinen Hafen ist nett. Sicher ist er noch netter wenn es nicht dunstig ist.

Ich hätte gerne einen Ausflug auf die Insel Elephanta gemacht, aber dafür sind wir zu kurz hier. Wir beschließen, eine Tour durch die Stadt zu machen und einigen uns mit einem der zahlreichen Schlepper auf einen annehmbaren Preis.

Aber vorher lade ich Jeff ins Hotel Taj Mahal Palace ein. Nicht zum Schlafen, nur zu einem Kaffee! Dieses prächtige Wahrzeichen der Stadt ist 1903 von dem Industriellen J.N. Tata gebaut worden. Ich lese, dass ihm als "Eingeborenen" das Betreten europäischer Hotels verboten war. Rassismus lässt grüßen.

Im Zentrum der eleganten Lobby steht dieser Tisch, dekoriert  mit kostbaren Silbergefäßen und farbigem Glas.

 

Die Preise für Kaffee und Saft sind mit denen in unserer Heimat zu vergleichen. Ich muß gestehen, dass ich beim Blick auf die Rechnung erschrecke. Soviel hat unsere Unterkunft in Calangute pro Nacht gekostet!

Das Hotel Taj Mahal Palace in seiner ganzen Pracht

 


Gegensätze können kaum größer sein. Eben noch im Luxushotel und jetzt, gar nicht weit entfernt, im Mahalaxmi Dhobi Ghat. Es ist der größte Wäsche-Wasch-Platz in Mumbai. Die Anlage ist mindestens 150 Jahre alt. 1026 gemauerte Waschzuber warten auf Wäsche. Viele Männer finden hier Arbeit und können von ihrem Verdienst ihre im Umfeld des Dhobi Ghat lebenden Familien versorgen. Stolz werden mir die unter einem Dach stehenden uralten Industrie - Waschmaschinen vorgeführt. Selbst Trockner gibt es!

Hier rückt ein sexy Wäscher Jeans zu Leibe. Waschen ist traditionell Männerarbeit.

Unser nächstes Ziel sind die Fischer. Unser Weg dorthin führt uns an dieser Siedlung vorbei. Offiziell ist es ein Slum. Einer von vielen. Hier gibt es alles, nur nicht so perfekt wie in anderen Stadtteilen. Auch ein Slum gibt tausenden von Menschen Sicherheit und Geborgenheit - auf jeden Fall ein Dach über den Kopf.

Hier, in der Fischer Siedlung, werden auch Boote gebaut.

Gut, dass alle 6 Stunden die Flut kommt. Dann können nicht nur die Fischerboote in See stechen, sondern auch ein Teil des Unrats wird weggespült.

Kilomterlang zieht sich die Straße am Meer entlang. Die Sicht ist nicht klar, aber man kann die Skyline von Mumbai erahnen.

Ich lese, dass die Stadtbewohner diese Strecke lieben und zum abendlichen Flanieren nutze. Und nirgendwo sind Sonnenuntergänge dramatischer als über dem Meer.

Wir kommen leider nicht in den Genuss eines abendlichen Bummels am arabischen Meer. Wir haben andere Pläne. Es geht in ein paar Stunden Richtung Flughafen. Mumbai ist die letzte Station.

Wir sind hungrig. Ein kleiner Snack wäre jetzt genau das Richtige. Wir haben Glück und stoßen zwischen zwei Besichtigungsterminen auf einen "Fliegenden Händler".  Ich habe jetzt beim Schreiben noch Erinnerung an diesen leckeren Snack auf meiner Zunge.

Auf die Pappteller kommen 5 Mini Cracker, auf denen je eine Scheibe Pellkartoffel platziert wird. Als nächstes wird der vorbereitete Salat aufgehäuft. Dann wird gewürzt aus zweierlei Flaschen. Zum Schluss werden ganz feine Nudeln über den Teller gestreut.

Unsere Hilflosigkeit bemerkt der Händler glücklicherweise gleich. Er gibt uns zwar kein Besteck, aber zeigt uns, dass wir nur die Cracker ertasten müssen und wenn wir den Teller unters Kinn halten, kann gar nicht viel passieren!

Ein Wasserwerk hat sein Gebäude mit einer Dachterrasse ausgerüstet. Hier haben wir Gelegenheit, die Stadt von einer sehr ansprechenden Seite zu sehen. Wasser, Strand, in der Ferne die Promenade und viel Grün. Die Hochhäuser bilden oben den Abschluß.

Ganz so wie es aussieht, ist es nicht. Der Strand wird nicht genutzt, weil das Wasser in dieser Bucht viel zu schmutzig ist. Kein Wunder, dass wir an den Stränden in Goa so viele Familien aus Mumbai getroffen haben!

Hier statten wir einem Jain Tempel einen Besuch ab. Wer seine Schuhe vor dem Eingang auszieht und seine Schultern bedeckt, ist herzlich eingeladen zu beten, zu schauen, zu lauschen, sich zu sammeln, ja, auch zu fotografieren.

Eine der wichtigsten Regeln des Jainismus ist die Gewaltlosigkeit. Damit wären wir bei Mahatma Gandhi, dem wohl weltweit am meisten verehrten Vertreter von Gewaltlosigkeit.

Unserer letzte Tour Station ist das Haus, in dem Ghandi während seiner zahlreichen Aufenthalte in Mumbai gelebt hat.

Eine Gedenktafel - leider verdeckt durch den Baum - weist auf die Besonderheit des Hauses hin.

Eindrucksvolle Fotos führen uns durch das bewegte Leben des großen Mannes und damit durch einen Teil indischer Vergangenheit.

Ghandi ist es, der 1942 hier in der Stadt seine Quit - India Bewegung startet. Vor meinem inneren Auge tauchen sofort die Fotos der späteren Teilung Indiens auf, die wir vor Wochen im Museum in Amritsa gesehen haben. All die Toten, die Entwurzelten, die Verlorengegangenen, die Verhungerten!

Das Ehepaar Ghandi in jungen Jahren.

Die Fotos führen uns durch sein Leben. Ich lese jedes Wort. So treffe ich auf den Brief, den er  Hitler geschrieben hat.

Als Antwort können wir den Krieg ansehen, der kurz darauf begann.

 

Die Ausstellung beeindruckt mich sehr. Sollte ich es schaffen noch einmal hierher zu reisen, steht dieses Haus mit seinen emotionalen, politischen und gesellschaftlichen Antworten auf meiner Besichtigungswunschliste.

 

 

Die letzte uns verbleibende Stunde verbringen wir in der Nähe unseres Hotels.

In dieser Straße ist erstaunlich wenig Verkehr. Es ist fast ein Marktbetrieb zwischen den geparkten Autos.

Wir schlendern zwischen parkenden Autos, abgestellten Motorrollern und Fahrrädern an den verschiedenen Angeboten vorbei, betrachten die Häuser, die zum Teil noch Reste vergangener Pracht zeigen und kehren das letzte Mal in ein Restaurant mit Bar ein. Das letzte Kingfisher ist fällig - geteilt wie immer. In der Speisekarte entdecke ich " Bombay Duck".  Das ist so etwas wie "Halber Hahn" in Köln.  Nicht ganz natürlich. Der angeblich halbe Hahn ist eine Brötchenhälfte mit Käse und die Bombay Ente ist Fisch! Jeff hat mich vor langer Zeit gefragt, ob ich dieses Gericht kenne. Natürlich nicht. So kann ich ihm jetzt mit meiner Entdeckung eine große Freude machen. Wer hätte gedacht, dass wir zom Abschied von Indien drei fette Fische vorgesetzt bekämen??

Bombay Duck mit Kingfisher Bier. Dann mal PROST

Was noch bleibt ist der Abschied. Abschied auf der ganzen Linie: von Mumbai, das ich sehr gern näher kennengelernt hätte.

Von Indien, diesem vielschichtigen Land mit reizvollen Landschaften, viel zu lautem Verkehr, unglaublichen Kunstwerken, heiligen Kühen, die wie jede nicht heilige Kuh die Straßen zuscheißen,  den heiß gewürzten Gerichten, Straßenhunden - in großen Städten friedlich schlafend, den bunten Märkten, den wahnsinns Zügen, den fantastischen Stränden

und vor allen Dingen von den freundlichen und immer wieder hilfsbereiten  Indern.

 

Der letzte Abschied am Flughafen fällt mir besonders schwer. Wir sind ein Vierteljahr zusammen gereist, haben das meiste gemeinsam erlebt, zusammen gelacht, gespielt, gewonnen und verloren. Und jetzt ist das vorbei. Oder?

Diese Reise ist beendet, aber der nächste Winter kommt und dann reisen wir wieder. Zusammen.

Am Meer bei Calangute

Calangute ist nur einen Katzensprung von Panjim entfernt. Hier steppt der Bär! Das nördliche Goa unterscheidet sich sehr vom Süden. Hier ist Action angesagt - bei Tag und bei Nacht.

 

Wir beobachten leuchtend bunte Fallschirme mehr oder weniger weit draußen über dem Meer. Wir zählen zehn, an denen je ein Passagier hängt. Sie werden von Booten durch das kabbelige Wasser gezogen.

Wenn es in der Woche voll ist an Strand, auf Straßen und in Bars, ist das nichts im Vergleich zu dem Auftrieb, den wir am Wochenende erleben. Indische Familien mit kleinen Kindern und unzählige Gruppen junger Männer oder solcher, die sich noch für jung halten, bevölkern die Stadt oder tummeln sich in den Fluten. Die Wenigsten von ihnen können schwimmen. So toben sie wie glückliche Kinder im Wasser.

Die Brandungswellen sind hoch und stark.  Diejenigen, die ausgiebig gefeiert haben, halten sich glücklicherweise mehr am Saum des Wassers auf. Wenn eine Welle kommt, wirbeln sie ein paar Runden um ihren Körper und können ihren Kopf schnell wieder heben, ehe sie zurück zu ihrer Liege tappen.

Pamela und ihre Kollegen wären völlig überfordert. Darum sind die indischen Lebensretter mit Vierradantrieb unterwegs.  Sie brausen mit ihrem Gefährt in Wassernähe über den Strand und geben ihre Anordnungen per Lautsprecher bekannt. Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken!

 

Ein Tag am Meer

Mit vereinten Kräften wird ein Boot ins Wasser gezogen und geschoben.

Wir können nie genug bekommen und verlassen alle paar Minuten Liege und Sonnenschutz, um uns abzukühlen und von den langen, sanften Wellen wiegen zu lassen. Erst gegen Mittag wird das Wasser kabbelig.

Keine Panik auf der Titanic! Ich gehöre nicht zu denen, die mutig genug sind, um sich durch Wasserdruck in diese Höhe katapultieren zu lassen. Ich genieße das Schauspiel!

Ein Sonntag am Meer!  Eine große Freude für viele Inder, die mit ihren Familien von weit her anreisen. Wer könnte das besser verstehen als wir, die wir sogar vom fernen Europa einfliegen, um Sonne, Meer, exotisches Essen, die Gespräche mit vielen spontanen Bekanntschaften zu genießen - um nur einige Aspekte der Urlaubsfreude zu nennen!

Gestern sind wir mit dem Bus nach Candolim gefahren - ein Katzensprung. Jeff will noch einmal versuchen, die Unterkunft wieder zu finden, in der er mit seinem Sohn Lee und einem Freund vor 25 Jahren gewohnt hat. Wer hätte das gedacht, wir finden sie und  machen Fotos für Lee. Während wir ein kaltes Bier genießen, werden wir über den Zaun von einem Paar angesprochen, das wir vor Wochen in Palolem kennengelernt haben. Welche Freude!

Später, auf dem Rückweg über den Strand, treffen wir zwei Bekanntschaften vom Abend vorher. "Wie habt ihr uns von Ferne erkannt?"  Die Antwort ist ein Lachen. "Your hair is not to be missed!"

Panjim, die kleinste Hauptstadt Indiens

Kein Wunder, ist doch Goa auch der kleinste Bundesstaat Indiens. Bei der Bekanntheit sieht es schon anders aus. Goa und seine Strände! Und weil das so ist, folgen Ströme von Touristen aus aller Welt dem Ruf.

 

Wir sind bislang im südlichen Teil Goas unterwegs gewesen. Benaulim, Agonda, Palolem und Patnem gehören zu den Orten, die wir angeschaut haben.

Jetzt sind wir neugierig auf Panjim, das wir nach einer kurzen Busfahrt, mit einmal umsteigen in Margao, erreichen.

Der letzte Teil der Strecke führt an einer Großbaustelle entlang. Eine neue Hochstraße wird gebaut. Ein beeindruckendes Projekt! Alles besteht aus vorgefertigten Betonteilen. Am mittleren Teil pinseln die Maler schon an den viele Meter hohen Stelzen der noch nicht vorhandenen Straße!

Wenn sie in ein paar Jahren fertig gestellt sein wird, paßt sie wunderbar zu der fantastischen Brücke, die in Panjim über den Fluß Mandovi führt.

 In Wirklichkeit sind es drei Brücken. Die erste Brücke wird 1971 eröffnet und die zweite 1998.

Im Juli 1986 bricht die erste Brücke zusammen und muss zu einem großen Teil zurückgebaut und verstärkt werden.

Der Verkehr hat so zugenommen, nicht zuletzt durch steigenden Tourismus, dass eine dritte Brücke für den Schwerlastverkehr erforderlich wird.

Die Pylonen der Brücke haben eine Höhe von 70m. Die vier neuen Straßen liegen 15m höher als die früher gebauten.

Die Eröffnung ist im Februar 2019.

Brücken aus einer anderen Perspektive

Beeindruckende Bauwerke erwecken immer schon mein besonderes Interesse.

 

Nachdem wir das Bauwerk unterfahren haben, kommen wir schon bald am Busbahnhof an.

Unser klappriger Bus reiht sich ein in eine Reihe anderer klappriger Busse. Wir sind froh, dass wir aussteigen können. Denn der breite Zweier - Sitz, den ich fast triumphierend erobert habe, stellt sich schon bald als Dreier - Sitz heraus. Meine Idee, Indiens Buseinkäufer hätten festgestellt, dass die Touristen sehr viel ausladender sind als ihre eigene Bevölkerung, ist leider falsch. Jeff weist mich  lachend auf drei Haltegriffe hin. Und es dauert auch nicht lange bis sich noch jemand neben uns setzt. Glücklicherweise ist es  ein Inder.

Wir finden nach längerem Suchen eine Unterkunft im Haus einer echten Goanischen Familie.

Goa war bis Anfang der 50ger Portugiesisch. Eine fast kampffreie Übernahme durch das indische Militär hat diese Jahrhunderte andauernde Herrschaft beendet.

Unsere Gastgeber berichten, dass nur noch die alten Leute wie sie Portugiesisch sprechen können.

Der Katholische Glaube ist nach wie vor stark verankert. Außerdem ist Goa der einzige Staat in Indien, in dem Rindfleisch verzehrt wird.

Erstaunt nehme ich die vielen Geschäfte, in denen Alkohol angeboten wird, zur Kenntnis. Auffallend sind auch die unzähligen Ateliers, in denen man die Haut mit Bildern aller Art versehen lassen kann. Bestechend!

Was mich noch mehr überrascht ist das Casino Geschäft! Das scheint die größte Einnahmequelle der Stadt zu sein. Nicht nur zu Land, sondern ganz besonders auf dem Manrovi dümpeln die Casino Schiffe und warten auf den Andrang der Kunden. Riesige Werbetafeln unterstützen sie dabei.

 

Mit all diesen  Lastern haben wir nichts zu tun. Wir bewohnen für ein paar Tage zwei Gästezimmer und können auch die Dachterrasse benutzen. Sogar WiFi funktioniert einwandfrei! Wenn wir nicht gerade einen Ausflug machen oder durch unseren historischen Stadtteil stromern, haben  wir auf dem Bett unsere eigene Spielhölle:  Skip Bo läßt keine Langeweile aufkommen. Seit Monaten trainiere ich zu verlieren ohne verdrießlich zu werden. Gar nicht immer einfach.

Panjims wunderschöne Kathedrale, zu der viele Treppen hinauf führen.

 

Am Sonntagmorgen nimmt der portugiesische Präsident hier an einem Gottesdienst teil. Unser Vermieter informiert uns über das bevorstehende Ereignis und wir sind ebenfalls vor Ort.

Vor der Kirche springen kleine Mädchen in weißen Brautkleidern mit kurzem Schleier herum. Jeff meint, eine Hochzeit fände statt. Ich, als Fast - Expertin - immerhin habe ich eine katholische Mutter, kann ihn informieren. Die Mädchen gehen zur ersten heiligen Kommunion und der vermeintliche Zauberstab ist eine reich verzierte Kerze. Damit ich ihn richtig beeindrucke, erzähle ich ihm noch schnell Oma Gertas Lieblingswitz über die weißen Engelchen. Dabei ist es nicht ganz einfach einen kölschen Witz ins Englische zu übertragen!!

Ich wollte immer schon mal wissen, wo der Pfeffer wächst. Also machen wir einen Ausflug nach Ponda. Hier gibt es sogar drei Gewürz Farmen. Wir sind begeistert von der Farm, die unser Tuk Tuk Fahrer ansteuert. Alles ist wunderbar organisiert. Wir werden von einer Englisch sprechenden jungen Frau geführt, die uns alle Fragen beantwortet. Und tatsächlich haben wir Pfeffer gesehen und nicht nur den, sondern auch Muskatnüsse, Vanilleschoten und die bei Indern beliebten Nüsse, die ihren Speichel und Mund rot färben und milde gesagt, eine anregende Wirkung beim Kauen erzeugen.

Sie hat uns gezeigt wie der in Goa erzeugte Feni hergestellt wird. Später im Restaurant gibt es eine Kostprobe.

Kakaofrüchte wachsen direkt am harten Holz.

Zimtstangen werden vom Stamm geschält und getrocknet. Der Duft ist umwerfend.

Die grünen Böhnchen werden sich zu Vanilleschoten entwickeln und nach dem Trocknen sehr kostbar sein.

Die Frucht, die uns die junge Frau zeigt, werden die wenigsten kennen, aber die Nuss, die eigentlich ein Kern ist, jede und jeder: Die Cashew Nuss befindet sich  ausserhalb der Frucht. Die Portugiesen haben den wertvollen Baum schon vor Jahrhunderten in ihren tropischen Besitzungen angesiedelt. Ursprünglich ist seine Heimat Brasilien. 

Der Cashew Apfel ist die Frucht, aus dem der hier bekannte Feni destilliert und gebrannt wird. Wir bekommen vor dem Lunch ein Gläschen angeboten. Da die Geschmäcker unterschiedlich sind, kann Jeff sich freuen.

Bei der Begrüßungszeremonie in der Spice Farm werden wir alle mit einem Punkt auf der Stirn geschmückt und  unser Kopf mit Blütenblättern bestreut. Ich behalte meine Dekoration bis wir wieder in Panjim sind. Wer weiß, ob ich noch einmal die Gelegenheit habe, eine (Fast)Inderin zu sein - höchstens ein Red Indian!

Kurze Reiseunterbrechung in Benaulim

Wir sind schon seit gestern Mittag wieder hier und werden noch zwei oder drei Nächte bleiben. Dann geht es weiter Richtung Norden. Es gibt in Goa noch so viel mehr als Strände zu sehen!

Und weil das so ist, haben wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg gemacht.

Die erste Station ist der Busbahnhof von Magao. Nache dem Umsteigen geht die Reise weiter nach Chandor. In diesem Ort soll es ein altes Herrenhaus  geben, dass aus den Glanzzeiten der Portugiesen stammt.

Unser Busfahrer liebt sein Horn! Er betätigt es nicht nur bei unübersichtlichen Kurven, sondern scheint auch Nachrichten mit seiner Hupe zu übermitteln wie die Seefahrer mit SOS. Ob er wohl Verwandte grüßt, oder Freundinnen: Huhu, hier bin ich wieder!?

Der Busschaffner lässt uns an einer Kreuzung aussteigen und weist aufmunternd in eine Richtung.

Schade, dass es mittlerweile wieder mehr als mollig geworden ist. Ich fische den schattenspendenden Sonnenhut aus dem Rucksack und ziehe ihn mir über den Kopf, sodass er selbst einer stärkeren Böe standhalten würde.

Nach einem Marsch, der sicher kürzer ist, als ich vermute, kommen wir an einer Kreuzung an. Auf unserer Seite lädt  eine weiße Kirche dazu ein, sich in ihrer Kühle zu erholen. Das passt. Zu danken habe ich immer, und mir ist egal in welchem Gotteshaus ich ich das tue.

An der gegenüber liegenden  Seite der Kreuzung finden wir das gesuchte Herrenhaus.

Wir sind kaum eingeschwenkt auf den Weg, der zum Eingang führt, als auch schon ein junger Mann in der Tür steht und uns freudig begrüßt. Wir folgen ihm in die erste Etage, wo sich die Prunkgemächer befinden, die man Fremden zeigen kann.

Kaum hat die Führung begonnen, kommt schon der nächste Trupp. Ich folge Jeff, der zu einem Schnelldurchgang unterwegs ist, bis unser Guide die Führung fortsetzt. Glücklicherweise beginnt er nicht bei jedem neuen Gast von vorne, sondern scheint nur mir zu erzählen, wer sich auf welchem Foto an der Wand befindet. Ich freue mich, dass er meine Aufmerksamkeit spürt.

In einer offenen Tür sitzt eine alte Dame. Ich begrüße sie und bedanke mich dafür, dass wir ihr Haus anschauen dürfen.

Raum schließt sich an Raum. Galerie, Speiseraum, Ballsaal, alles befindet sich hier oben.

Kein Wunder, dass die Familie vor etwa 30 Jahren ihr Heim zum Besichtigen geöffnet hat. Wer kann die Kosten für einen mehr als dreihundert Jahre alten Kasten aufbringen, dessen Unterhaltung sicher mit einem Fass ohne Boden zu vergleichen ist.

Dieser früher mit Kerosin betriebene Kühlschrank stammt aus den 40gern.

Eine eigene Kapelle gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Ich muss doch schmunzeln, als ich die Geschichte des abgeschnippelten  Fingernagels vom heiligen Francis Xavier höre, der sich als Geschenk - wahrscheinlich von einer hochgestellten persönlichkeit aus den reihen der Katholischen Kirche,  hinter Glas befindet.  Und ich versenke meine abgeschnittenen Nagelreste in der Mülltonne!

Am Ende der Führung bedanken wir uns herzlich und ich frage gut vernehmbar nach der Spendenbox. Die anderen Besucher sollen sich nicht ohne zu zahlen vom Acker machen! Unser Gastgeber ist hocherfreut und wir verabschieden uns wie alte Freunde.

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich sehr froh und dankbar bin, dass meine Vorfahren mich nicht mit so einem Erbe belastet haben. Ich hätte viele andere Dinge versucht, ehe ich mein Haus für jeden Piesepampel geöffnet hätte.


Das Beste zum Schluss

Und was kann das Beste für eine Nordenhamer Wasserratte sein? Eine Bootsfahrt. Und wenn es kein Ruderboot ist, dann wenigstens ein Kajak.

Den ersten Ausflug, den ich allein gemacht habe, vergessen wir jetzt einmal. Es geht um die nächsten drei.

Mein Freund Jeff sträubst sich mit Haut und Haar in ein Kajak zu steigen. Er hat ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Noch einmal will er nicht U-Boot spielen!

Nach seiner Schilderung der Geschehnisse - vor fast 100 Jahren - kann ich ihn gleich beruhigen. "Du hattest das falsche Boot gekauft! Das war mit Sicherheit eins, um im Wildwasser zu fahren. Es soll wendig und schnell sein und muss sich auch rollen können.  Das ist fast Kunst und muss trainiert werden. Das ist kein Boot für Laien, nach dem Motto " Kaufen - Reinsetzen - Losfahren".

Der Worte fallen viele bis er verspricht, "Morgen komme ich mit".

Und was für einen Spaß wir haben! Es ist viel schöner zu zweit unterwegs zu sein!

Kaum hat mein Besatzungsmitglied Blut geleckt, kann das angesteuerte Ziel gar nicht weit genug entfernt sein. Wir "kreuzen",  durch die Bucht, fahren in den mit Mangroven bestandenen Fluß, sehen Affen zu, die flink von Ast zu Ast fliegen, um dann im Sand zu landen. Auch der Adlerfütterung kommen wir nah.

Mein Galeerensklave hat eigentlich die Aufgabe übernommen, sich an einem Pfosten festzuhalten, damit ich einen bewegendes Video von der Adler Fütterung machen kann. Das klappt nicht ganz so gut.

Später, auf dem Rückweg vom Fluss ins Meer, setze ich das Boot aufs Trockene. Nee, nee, das ist nur indirekt meine Schuld. Ich hätte bedenken müssen, dass das Wasser schneller ist als wir. In unserem Fall schneller weg ist, als wir paddeln können. In der Flussmündung liegt eine große Sandbank. Und wir liegen fest auf ihr.

Macht doch gar nichts. Ich steige aus und ziehe das Boot. Leider klappt das mit dem Ziehen erst, nachdem Jeff auch das Kajak verlässt.

Kaum sind wir im tieferen Wasser, geht unsere Reise weiter. Schade, dass eine Stunde viel zu schnell vergeht!

Heute, an unserem letzten Tag in Palolem, schwingen wir uns noch einmal in unser Kajak. Die Fotoausrüstung kommt in einen  wasserdichten Beutel. Die See ist etwas bewegter, wunderbar.

In der Bucht liegen zwei Trawler, die wir aus der Nähe sehen wollen.

Schade, dass ich gegen die Sonne fotografiere.

So sind die Mannschaften schlecht zu erkennen.

Unser heutiger Abstecher in den Fluss ist von Erfolg gekrönt. Das Wasser ist erst kurz vor dem Ablaufen. Und wieder sehen wir der Fütterung der Adler zu.

Zum letzten mal auf dem Fluss unterwegs.

Dann schippern wir gemütlich aufs Meer hinaus.

Jetzt beginnt die Suche nach den am Strand liegenden Kajaks.  Wo, um alles in der Welt, ist die Stelle, die wir anpeilen müssen, um  senkrecht auf den Strand zu zufahren?

Geht doch! Eine Welle trägt uns die letzten Meter. Leider passe ich nicht auf und das Kajak liegt ruck zuck in Wellenrichtung. Aber gar nicht lange. Da kommt auch schon die nächste Brandungswelle, wirft unser Kajak um und wir paddeln im Wasser.

Der Bootsvermieter hilft uns bei der "Bergung". Mein Lachen vergeht erst, als mir auffällt, dass meine Brille futsch ist. Aber auch die findet unser Helfer. Gott sei Dank.

Und was meint Jeff? Ja, er wird weiter Kajak fahren. Da bin ich aber froh!

Palolem, ein zauberhaftes Nest in Goa

Das ist Urlaub! Der Strand ist zwei Minuten entfernt, das Wasser angenehm - nicht zu warm und nicht zu kalt. Die Wellen haben für alte Frauen die richtige Stärke: Sie werfen mich nicht um.

Der Strand ist mit ausreichend Muscheln bedeckt. So kommt keine Langeweile auf. Ich sammel gerade Aschenbecher. Sabine, du kannst dich freuen. Das größte Modell, das ich gefunden habe, weiht Jeff gerade mit seinen Zigarren ein.

Zum Frühstück laufen wir am Strand entlang, bis zu einem höher gelegenen Restaurant, das auch Strandhäuschen vermietet.

Etliche Deutsche scheinen hier ihren Lebensabend zu verbringen. Sie spielen  genau wie wir Skip Bo, schwimmen, liegen auf den Strandbetten, unterhalten sich oder wandern am Strand auf und ab. Die gleiche Geschichte könnte ich jetzt von den vielen Engländern oder Russen erzählen. Aber hier tummeln sich nicht nur Alte. Viele Familien mit kleinen Kindern, junge Pärchen oder Alleinreisende sind unterwegs.

Der Ort ist überschaubar. Es gibt eine Hauptstraße von der eine Stichstraße zum Strand abgeht. Ansonsten verbinden zahlreiche Pfade die Strandhäuser mit dem Zentrum.

Kleine Geschäfte säumen die Straße. Angeboten werden, außer Kleidung, Gewürze, Musikinstrumente wie Trommeln aller Art, Kunst aus Messing und natürlich Schmuck.

In den dazwischen oder darüberliegenden Restaurants ist das Angebot groß. Bier, besonders vier Sorten Kingfisher, sind überall zu haben. Wir sind in Goa, wo die meisten Christen mit einer Portugiesischen Abstammung leben. Darum wird auch Fleisch und Fisch angeboten. Wir haben uns so an vegetarische Ernährung gewöhnt, dass es etwas ganz Besonderes ist, wenn wir Fleisch essen. Die Indische Küche schmeckt wunderbar und bekommt mir sehr.

 

Es ist 8h morgens. Wir sind zu einer Bootstour verabredet. Um diese Zeit liegen die meisten Boote auf dem Sand. Hinzufügen kann ich: ... und die meisten Touristen im Bett. Wie auf dem Foto zu sehen, ducken sich die Strandhäuser unter den Palmen.

Das Highlight sollen Delfine sein. Wenn wir keine sehen, bekommen wir sogar unser Fahrgeld zurück! Selbst Jeff, der eigentlich keine Lust hat, schon wieder Delfine zu sehen: ...Kennst du einen, kennst du alle....., gerät in Begeisterung, als der erste auftaucht. Auf meinen Fotos werdet ihr vergebens danach Ausschau halten. Den, den die Kamera erwischt hat, habe ich in den unergründlichen Tiefen des Computers verloren. Und dabei ist mir die Vergrößerung der Schwanzflosse so hervorragend gelungen!!

Der nächste Programmpunkt ist die einsame Bucht mit dem hübschen Namen Honey - Moon - Beach. Nur schade, dass die Honey - Mooner soviel Papier und anderen Unrat liegen gelassen haben!

 

Und weil es mir auf dem glatten Wasser so gut gefällt, miete ich ein Kajak. Glücklicherweise habe ich auf die Mitnahme einer Camera verzichtet: Die erste Brandungswelle sorgt sowohl für die richtige Stimmung an Bord als auch für angenehme Abkühlung.

Ein anderer Ausflug führt uns nach Patnem Beach.

Blick auf Palolem Beach

Hier haben wir schon die Anhöhe erreicht, von der aus wir nur noch aus den zahlreich vorhandenen Pfaden, den Richtigen auswählen  müssen.

Auch in Patnem sind Gewürze in leuchtenden Farben beliebt.

Herzlich Willkommen am Strand von Patnem!

Wir verbringen einen ruhigen Strandnachmittag in Patnem, ehe wir uns - über völlig andere Pfade - auf den Heimweg machen.

 

Ein ganz besonderes Erlebnis ist die Bootstour auf dem Fluss, der am anderen Ende unserer Bucht, ins Meer fließt.

Es geht an Mangrovenwäldern vorbei.

Hier sitzen schon einige, die unser Kommen erwarten!

Als dann unser Bootsführer seinen Eimer mit toten Küken öffnet und die muntere Vogelschar zu einer Mahlzeit einlädt, ist für Stimmung gesorgt - auch bei uns Zuschauern!

Für die kleineren Adler gibt es zerteiltes Futter. Was auch immer er hineinwirft, es ist in Sekundenschnelle im Flug, mit den Krallen, aus dem Wasser gefischt. Sehr beeindruckend.

Ebbe

Und schon wieder geht ein wunderschöner Tag am Meer zur Neige

Kurzer Zwischenstopp in Karvar

Schattenspendende Bäume an breiten Straßen. Wenig Verkehr. Viele Hotels, ein Strand in der Nähe. Ein Marine - Museum und ein Rummelplatz machen das Angebot komplett. Und doch reisen wir, nach zwei Nächten in einem fast fürstlichen Hotel, ab.

Sowohl dem Museum als auch dem Rummelplatz statten wir einen Besuch ab. Der Rummelplatz ist abends eine Freude für Alt und Jung, auch wenn du durch Sand stapfst und es nirgendwo eben ist. Das Riesenrad, das mich schon bei der Anreise angelacht hat, ist out of order. Ein Trupp Männer hockt in seiner Nähe und schweißt - trotz Dunkelheit. Schade.

Das Museum erreichen wir nach einem Umweg. Irgendwie vertausche ich in der Beschreibung des Wegs rechts und links. Macht nichts. Wir finden es trotzdem.

Das liegt ja an Land! Richtig. Es hat viel gekostet, um es durch einen extra dafür gegrabenen Kanal hierher zu bekommen. Die spendenden  Firmen sind alle dankbar aufgeführt.

Am besten hat mir der parkähnliche, sehr gepflegte Garten gefallen. Durch die engen Passagen eines Kriegsschiffs zu wandern, ist nie nach meinem Geschmack gewesen.

Erwähnenswert ist noch ein Marineangestellter, der plötzlich auftaucht und uns eine Fotoserie am Zaun erklärt. Er stellt die Frage aller Fragen. Als er erfährt, dass ich aus Deutschland komme, erzählt er glücklich, sie hätten eine Beach - Reinigungsmaschine, die wunderbar funktioniert. Ob ich mir die anschauen möchte. Aber gerne doch! Als Pazifistin bin ich begeistert von seiner deutschen Maschine! Kässbohrer hat sie hergestellt.

Eine Frage bleibt: Wohin kommt der ganze Müll, den die Maschine zweimal täglich, hinter einem Traktor hängend, zusammensucht???

Gokarna: Meer - Strand - Sonne - Tempel

Und wie kommt man drauf?

Mit der Leiter erklimmt man den hohen Tisch, der sich zwischen den beiden Kamelen befindet und schwingt sich dann ganz gemütlich drauf. By the way, ich habe in den fünf Tagen, in denen wir uns am Strand vergnügen, noch keinen oben sitzen sehen - oder sollte ich es besser schaukeln nennen.

Wer nicht aufs Kamel will, stellt sich einfach auf die Kuh!

Ich liebe dieses Foto: Vier Frauen sitzen nach dem Bad am Strand und bauen selbstvergessen einen Sandtempel.

Gokarna ist eine kleine Stadt mit einigen bekannten Tempeln, in denen man zu Krishna beten kann. Viele, viele Pilger kommen täglich mit großen und kleinen Bussen oder Privatwagen hier an. Ihr erster Weg führt an den Strand. Hier können auch Frauen ihre täglichen Pflichten vergessen und spielen - sowohl im Wasser als im Sand.

Wenn ich eine halbe Stunde dem Saum der Wellen folge, erreiche ich nach einigen Metern durch den viel zu heißen Sand, das Cafe´   Chez Christoff.

Hier, im Schatten einer gepolsterten Schaukel, mit einem Glas Saft zu sitzen, dem stetigen Rauschen des Meeres zu lauschen und dabei zu lesen, ergibt  für mich  die höchste Stufe des Wohlbefindens.

Und ich bleibe solange, bis die liebe Sonne ihren Untergang vorbereitet.

Die meisten Unternehmungen machen wir gemeinsam. Der Pfad endet leider bald und wir müssen uns mühevoll einen Weg suchen. Da wir - wieder einmal - mit Sandalen unterwegs sind, geben wir das Klettern auf. Es ist zu gefährlich für zwei Alte mit nicht angemessenem Schuhwerk!

Das Dach im Vordergrund gehört zu einem Tempel, in dem ich eben noch gebetet habe. Jeder, der angemessen gekleidet ist und seine Schuhe ausgezogen hat ist eingeladen. Die Betenden setzen sich auf den steinernen Boden, am liebsten mit dem Rücken gegen eine Wand und können hier, in der Nähe des von ihnen ausgewählten Heiligtum, in sich gehen.

Vor dem Tempel befindet sich eine Stufenquelle. Stepwells wie sie genannt werden, sind hier üblich. Sie geben den Menschen die Möglichkeit je nach Wasserhöhe nach unten zu steigen, um sich oder ihre Kleidung zu waschen. Dieses Becken ist völlig leer. Es gibt auch gar keine Chance, dass sich Wasser sammeln kann, weil der Strom der Personen, die sich unter dem Quellwasser waschen wollen, nicht abreißt. Und wer sich nicht reinigt, fängt das heilige Wasser  in Flaschen oder Kanistern auf und bringt es auf dem Kopf oder mit einem Gefährt nach Hause.

Das Foto ist technisch frisiert, d.h. ich habe den Inhalt näher heran geholt. So kann ich die Berge besser erkennen - und ihr auch.

 

Unsere letzte Wanderung vor der Weiterreise führt uns zu einem anderen Strand. Es ist immer noch sehr heiß und es fällt mir nicht leicht bergauf zu gehen. Die letzten 300 m geht es erst über Stufen und dann über Stock und Stein hinunter zum Strand.

Während wir erleichtert unten ankommen, sind die drei beim mühevollen Aufstieg. In den Säcken schleppen sie Plastikabfall, meistens Flaschen!

Die Kuh befindet sich hier in Begleitung. Ihr folgen fünf weitere.

Für mich ist erst einmal daddeldu. Ich suche mir ein gemütliches Plätzchen im warmen Sand und laß Jeff das Ende der Welt alleine entdecken!

Der Heimweg - nach den ersten 300 m -  geht schnell. Abwärts ist meine Stärke.

Morgen früh geht es weiter. Wir freuen uns schon, auch wenn es uns sehr gefallen hat am Meer, am Strand, in der Sonne und in der Nähe all der Tempel.