Die Reise nach Fort Kochi

Kochi ist unser Ziel - aber wie erreichen wir es! Die nächsten Züge sind ausgebucht. Der Reisebüro - Bruder aus dem Clan unseres Zimmervermieters, schlägt vor, den ersten Teil der Reise mit einem Bus zurück zu legen und in  Mangalore in den Zug zu steigen. Was für eine brillante Idee! Und der Bus sei soo bequem, man könne darin schlafen.

Mit  den Tickets in der Tasche machen wir unseren Abschiedsrundgang durch Hampis Gassen. Als Erinnerung kaufe ich eine Klangschale, die ich auf 50,- € herunter handle und bin stolz wie Bolle über mein Schnäppchen. Da hättet ihr Jeff erleben sollen! Er lacht sich schlapp und meint, an der nächsten Ecke hätte ich sie für 20,-€ bekommen können. Aber nicht so schön wie meine. Sie ist aus sieben unterschiedlichen Metallen gefertigt. Und mit Sicherheit ist sogar Gold dabei - bei dem Preis!

Nach einem letzten Chai in unserem " unterm Baum Kochstudio über dem Fluss", machen wir uns mit dem Geraffel zu Fuß auf den staubigen und löchrigen Weg zum Busbahnhof. Einmal müssen wir anfangen zu sparen. Glücklicherweise endet der gute Vorsatz beim Anblick des Pulks, der außer uns nach Hospet fahren möchte. Mit dem Gepäck in den Bus? Vergiss es! Wir nehmen ein Tuk Tuk.

Jeffs eigentlich brillamte Idee, durch Hospets Bars zu streifen und das eine oder andere Bier zu trinken, lässt sich so nicht realisieren. Mit dem Gepäck?!

Mein nächster Hungeranfall macht sich bemerkbar. Wir finden ein passendes Restaurant, das in Türnähe eine große Nische für das Gepäck hat. Jeff geht alleine los, während ich esse und lese.

 

Und dann kommt unser Bus. Welch eine Überraschung:  Doppel - Stock - Betten und eine Reihe Einzel - Stock - Betten mit rotem Bezug und blauen Vorhängen. Unsere große Freude hält nicht lange an. Sobald der Bus sich in Bewegung setzt, werden wir zwischen Fuss- und Kopfende sowie Gang und Fensterseite hin und her geschleudert und durchgeschüttelt. An schlafen ist nicht zu denken! Ein Blick hinter den Vorhang erklärt alles: Die Straße ist nicht befestigt.

 

Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, wann ich das letzte mal nachts vier mal auf die Toilette gemußt hätte. Warum gerade heute! Hätten wir im Flieger gesessen, wäre das Verlassen der Sitze während der Turbulenzen verboten gewesen. So kralle ich mich an allem fest und erreiche ohne zu stürzen den Fahrer, beziehungsweise seinen Beifahrer, der für das Wohlergehen der Passagiere zuständig ist.

Meine Frage nach der Toilette wird mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Kurz darauf hält der Bus. Ich bin nicht die Einzige die erleichtert scheint.  Suchend blicke ich mich um. "Wo ist das Restaurant mit der Toilette?"  Die lakonische Antwort: " Indien Toilet. Go."

In Mangalore bringt uns ein Tuk Tuk Fahrer zum Bahnhof. Der Zug ist nicht nur pünktlich sondern erfreulich leer. Wir können uns sogar auf unsere gebuchten Sleepersitze legen. Die Fensterscheiben sind nach oben geschoben und eine angenehme Brise weht durch das Abteil. Draußen fliegt die Landschaft an uns vorbei: Flüsse, Reisfelder, Palmengärten, dann und wann eine Ansiedlung. Das haben wir verdient.

In Ernakulum nehmen wir wieder ein Tuk Tuk, das uns den weiten Weg nach Fort Kochi bringt.

Hier bleiben wir angenehme vier Tage und Nächte. Wir laufen viel, fahren mit einer Autofähre auf eine nahe Insel, sehen uns Kirchen,  Tempel und Museen an.

Wenn es draußen heiß ist, liegen wir auf dem Bett und spielen Karten. Zusammegefaßt: führen das beschauliche Leben alter Touristen.

Die berühmten Ruinen von Hampi

Zu Fuß liegen sie viel zu weit auseinander. Darum nehmen wir das Angebot eines der Tuk Tuk Fahrer an und lassen uns fahren.

Er hält überall an, wo es etwas zu bestaunen gibt, und ruht sich nach unserem Abmarsch an einem schattigen Plätzchen aus.

Mit dieser Dame aus Kolkatta unterhalte ich mich eine Weile. Sie erklärt mir die Bedeutung des Gesehenen.

Hampi gehört seit 1986  zum UNSCO - Weltkulturerbe

Keine Panik auf der Titanik. Ich werde nicht jedes meiner wunderbaren Fotos hier einsetzen. Aber bei einigen kann ich nicht widerstehen!

Pavillon der königlichen Damen.

Die fürstlichen Zeiten sind lange vorbei. Die Arbeit der heutigen Damen ist schwer genug, darum bin ich froh, dass diese Frau es sich gemütlich macht und sich beim Jäten setzt.

Das Bad der zwei Königinnen. Und, so meint der Guide, weil es keine Königinnen mehr gibt, wird auch kein Wasser mehr benötigt. Recht hat er.

Diese beiden Wächterinnen haben es sich auf dem ehemaligen Massageplatz gemütlich gemacht. Wir drei haben allerlei Spaß und lassen uns von Jeff als die drei Königinnen fotografieren. Ich steche doch mit meinem Outfit sehr ab und wäre mehr geeignet, für ein Wildwest - Foto zu posieren!

Das meistfotografierte Objekt ist dieser steinerne Wagen innerhalb eines Tempelgeländes. Heerscharen von Touristen sind vor, neben ihm, sitzend, sich anlehnend, kauernd, verewigt worden. Wir auch.

Der Ein- und Ausgang zum Tempelgebiet.

Das Innere der Bauwerke ist mit rotem Backstein gebaut und mit den weissen Blöcken verblendet. Der Zierrat läßt auf großes Können der Handwerker schließen.

Das Ruinen - Teilstück des über 900m langen und 40m breiten Bazaars, erleichtert die Vorstellung, wie hier in diesem Gebiet bis zu 500 000 Menschen gelebt und gehandelt haben können.

Nach diesem anstrengenden Ausflug sind wir froh wieder in der vertrauten Umgebung unseres Lieblings - Restaurants gelandet zu sein! Die Paprikaschoten warten schon auf uns!

Sie sehen aus wie geflochtene Schalen, sind aber Fischerboote. Heute allerdings sind die Fischer - oder deren Angehörige - mehr darauf aus, ein paar Dumme zu finden, die sich für den mehr als stolzen Preis von 500 R, eine halbe Stunde lang über den Fluss schippern lassen.

Da lachen ja die Hühner - sorry - die Affen!

 

Hunderte Affenfamilien leben innerhalb der Steinbrocken. Es findet sich immer jemand, der sie füttert.

Außer den steinernen Zeugen vergangener Jahrhunderte, gibt es auch Lebende, wie diesen Baumriesen.

Der Ausschnitt zeigt: Jetzt ist er ein lebendiges Kunstobjekt. An seinen Luftwurzeln sind die Hinterlassenschaften nachlässiger Mitbürger befestigt worden. Vielleicht gibt er sogar einem Vorbeilaufenden etwas zum Nachdenken?!

Ein paar Schüler aus dieser Gruppe gesellen sich zu uns. Wir unterhalten uns. Die erste Frage ist immer:" Woher kommst du?" Daran schließt sich die Frage nach dem Namen an. Als unsere Unterhaltung ins Stocken gerät, kommt ihr Lehrer zu Hilfe. Wir erfahren, dass sie eine Schulklasse sind, die eine lange Bahnfahrt hinter sich hat, um an dem gerade stattfindenden Festival in Hampi teilnehmen zu können.

Nachdem die Jungen die obligatorische Selfi - Session mit uns beendet haben, bitte ich um ein Foto. Es wird mir gestattet. Gute Heimfahrt, Jungs.

Wenn Indien, dann Hampi!

Sollte das wie eine Liebeserklärung klingen, dann ist es genau richtig!

Ich bin so froh, darüber gelesen und mich von der positiven Beschreibung anstecken  lassen zu haben.

Die Bahnstation liegt in Hospit, einer kleinen Stadt, die durch die Bekanntheit Hampis profitiert.

Mit einer Rikshaw lassen wir uns die 12 km nach Hampi fahren - für fast so viel Geld wie wir für die 8 stündige Bahnfahrt gezahlt haben!

Unser Tuk Tuk hoppelt über staubige Wege, an Ruinen vorbei. Ein hoher Tempel bestimmt das Bild. Kurz vor dem Eingang biegen wir rechts ab und kommen über einen noch engeren Pfad ins Dorf. Vor sich hin dämmernde Hunde, Kühe, die mit gesenktem Haupt durch den warmen Staub spazieren - nicht zu vergessen, ihre Hinterlassenschaften - Frauen, die ihr silberfarbenes Geschirr, am Boden kauernd, reinigen, Männer auf Plastikstühlen, machen uns mit dem Ort bekannt,  in dem wir uns ein paar Tage aufhalten wollen.

 

Das Netz der Gassen ist quadratisch. Wenn nicht vermietet wird, gibt es ein Geschäftchen oder ein Restaurant. Die Menschen sind zurückhaltend freundlich. Kleine Jungs spielen Packen, dass der Staub nur so stiebt.

 

 

Wir benötigen drei Versuche bis wir die richtige Unterkunft finden. Bei der ersten ruft Jeff empört: "I am not going to stay in that dump!" Soo schlimm ist es eigentlich gar nicht.

Der zweite Versuch lässt uns die Bekanntschaft mit dem gierigsten Vermieter machen. Jeff wendet sich nur ab und geht zum Taxi. Die Frau des Hauses versucht durch Minderung des Wucherpreises zu retten, was zu retten ist, aber, no chance.

Der dritte Versuch ist von Erfolg gekrönt. Unser Raum ist nicht pompös, aber zweckmäßig, hell und sauber, WiFi  ist auch dabei.

 Virupaksha Tempel, von einer Dachterrasse aus

Blick über unseren Gartenzaun

Schräg gegenüber hat unser Vermieter ein Reisebüro und einen Buchverleih

 

Selbst wenn der Deckenfan seine Runden dreht, können wir die leise Tempelmusik hören. Die Klänge schwingen zu mir herüber. Sie entspannen und unterstützen das langsame Atmen. Es wird mir nie langweilig zu lauschen.

Hampi Bazaar, wie die Ansiedlung in Tempelnähe heißt, liegt im Landesinnereren des Staates Karnataka.

Reis, Bananen und Zuckerrohr sind die landwirtschaftlichen Produkte.

Ich bezweifle, dass das vor 500 Jahren, zu Hampis Blütezeit, anders ist. Ich lese in einem Büchlein über die Geschichte, dass hier 1336 von einem Fürsten eine neue Hauptstadt gegründet wird, die er Vijayanagara nennt. Sie entwickelt sich in den nächsten Jahrhunderten zum Mittelpunkt  eines der größten Hindu - Reiche  der indischen Geschichte. Hier werden Geschäfte gemacht mit Händlern aus aller Welt. Bis zu  500 000 Menschen sollen in der Stadt gelebt haben!

Und was ist dann passiert? Was für eine Frage! Das, was immer passiert - Krieg, Zerstörung, Plünderung, Elend, Flucht. Im Fall Hampi passiert es im Jahr 1565.

Hippies haben im letzten Jahrhundert Hampis besondere Stimmung für sich entdeckt. Da jeder Traveller auf "Lonly Planet" schwört, führt sein Weg irgendwann nach Hampi!

 

Nur einige hohe Treppen trennen den Ort vom Fluss.

Jeden Morgen pilgern die Einwohner, ausgerüstet mit frischer Wäsche, Seife und Zahnbürste hierher, um ihr Bad zu nehmen.

Wo die Badenden stehen, ist etwa die Furt, über die man am wenigsten nass werdend, das andere Ufer erreicht. Schwierig wird es, wenn Touristen, vorne und hinten bepackt mit Rucksäcken, vom Weg abkommen. Wir haben schon einige Pechvögel bedauert, die nass waren.

Es gibt auch eine Fährverbindung, die für eine trockene Querung garantiert. Die haben wir genommen.

Hier, wo jetzt das Wasser steht, wird Reis gepflanzt werden.

So werden die Felder in Kürze aussehen.

Was für eine Arbeit!

Die Büschel, die im Vordergrund zu sehen sind, werden vereinzelzelt und mit etwas Abstand in den schlammigen Boden gedrückt.

Woher ich das weiß?

Neben dem Feld steht ein Kleinlaster mit dieser "Grasladung"!

Die Steinbrocken laden geradezu ein, auf ihnen herum zu klettern!

Wer dieser Einladung folgen will, muss sich sputen!

Tobi, das wäre doch etwas für dich!

Wer lässt sich schon von so einem Schild vom Weitergehen abhalten. Ich jedenfalls nicht!

Ein paar Brocken weiter müssen wir unser Unternehmen doch abbrechen. Jeffs Sandalen sind ihrem natürlichen Ende sehr nahe, und keiner von uns möchte seine Zeit mit einem gebrochenen Fuß verbringen.

Und darum wird es nie so ein Plakat mit uns geben!

Schade!

Wer gute Augen hat, kann in der Mitte des Fotos, zwischen den Bäumen die Tempelspitze erkennen.

 

Nach einer Wanderung über die Trampelpfade, die sich zwischen den Reisfeldern befinden, kommen wir nach Hampi Island, trinken eine große Flasche Wasser leer und setzen unsere Wanderung fort. Plötzlich erreichen wir das Ende. Vielleicht nicht ganz das Ende der Welt, aber immerhin das Ende des erlaubten Weges!  Macht nichts, der Zaun ist schon von unseren Vorgängern heruntergetreten worden. Aber durch einen Privatgarten laufen? Während ich noch "Hallo" rufe, um dem Besitzern unser Kommen anzuzeigen, meint Jeff: "Elke, make use of the gate!"  Lachend erreichen wir die Straße und wenig später, nach der Flussquerung, Hampi Bazaar.

Die Ghatts von Hampi mit dem fast 50m hohen Virupaksha - Tempel. Er ist 1442 erbaut worden und damit eines der ältesten Gebäude hier.

Die Gläubigen können von Sonnenaufgang bis -untergang zu Virupaksha beten, einer Reinkarnation des Gottes Shiva.

Alle nehmen im Fluss ihr Bad, auch die Tempel - Elefantin Lakshmi mit ihrem Wärter, der sie hier einer gründlichen Morgenreinigung unterzieht.

Es wird niemanden verwundern, dass wir allmorgendlich auf das Spektakel warten. Ich habe noch nie einen Elefanten Treppenstufen steigen sehen!

Wir finden schon bald einen Frühstücksplatz. Die Besitzer des Lokals erwarten uns schon.

Jeff isst heute außer Brot (die zugeklappten Pfannkuchen werden als Brot bezeichnet), mehr oder weniger scharfe Soßen. Sein absolutes Lieblingsgericht sind, mit einem Teigmantel versehene und in Öl ausgebackene, scharfe Paprika. Dazu gibt es Chai, gewürzten indischen Tee mit Milch und Zucker. Den liebe ich!

Sobald Lakshmi sich, an unserem strategisch gut gewählten Frühstücksplatz vorbei, zum Fluß begibt, machen wir uns auch auf den Weg. Das Schauspiel ist etwas für Jung und Alt, egal woher.

Nach dem gründlichen Abschrubben mit einer Wurzelbürste, sind Lakshmi und ihr Wärter gerne bereit, jemanden gegen ein kleines Taschengeld, ganz besonders glücklich zu machen.

Sobald sie das Wasser verlassen, steigt der Wärter von seinem Hochsitz und begleitet die Elefantin zu Fuß die vielen Stufen hinauf.

Und wir können uns nach dem morgendlichen Erlebnis den Aufgaben eines wackeren Touristen hingeben und etwas besichtigen. In diesem Fall sind es die weitläufigen Ruinen der Tempel von Hampi.

Benaulim, ein Sommerparadies in Goa

Das haben wir uns verdient! 10 Tage Urlaub am Meer. Sonne, Wind, Sand, exotische Mahlzeiten, kaltes Duschwasser, kein WiFi.

Eigentlich habe ich alles zusammegefasst. Keine Panik, ich zeige auch ein paar Fotos!

Einer der zahlreichen Strände Goas.

Bekannt in Europa wird Goa in den 60gern, als es von Hippies entdeckt wird. - Ich habe durchaus den Eindruck, dass einige der Typen hier noch herumschlendern!

Erst am 19. Dezember 1961 wird Goa durch die Armee Indien zugefügt. Bis dahin regieren hier die Portugiesen, die 1510 das Bijapur Sultanat besiegen. Seit 1987 ist Goa ein selbstständiger indischer Staat.

Ohne ins Detail gehen zu wollen, berichte ich über einige geschichtliche Fakten. Z.B. kommt die portugiesische Inquisition schon 1546 durch Francis Xavier nach Goa.  Was das für die Menschen hier bedeutet, kann ich mir vorstellen. Die  Andersgläubigen leiden nicht nur körperlich, sondern ihre kulturellen Güter und Tempel werden zerstört. 

1684  wird angeordnet, dass drei Jahre später jeder Portugiesisch zu sprechen hat. Ich lese, dass die Sprache Konkani, deren Gebrauch so lange verboten ist, sodass sie endlich nur von den Armen gesprochen wird, seit 1987 die offizielle Sprache Goas ist.

 


Hier, am Straßenrand, werden die Frauen gleich Fisch salzen und trocknen.

Ein Teil wird vorher ausgenommen. Der Rest wird säuberlich, Reihe für Reihe, auf Folie ausgebreitet. Vier Tage dauert der Vorgang. Dann sind sie trocken und damit haltbar.

Der Verkehr ist in diesem Abschnitt eingeschrenkt, der Geruch, lange vorher und nachher, streng.

Auch in Benaulim geht die Sonne unter.

Das Besondere daran ist, dass es der letzte Sonnenuntergang für dieses Jahr sein wird.

und als das letzte Bier durch die Kehle gelaufen ist, machen wir uns auf den Heimweg.

Sand abwaschen, landfein machen,  in einem Restaurant mit WiFi etwas Besonderes essen  und dann wieder zurück an den Strand, zur Silvester Party.

Eine der zahlreichen Beach Shacks, in denen gefeiert wird. Wir laufen mit unseren Schuhen in der Hand über den harten Sand und genießen das Treiben.  Musik, die vor jedem Shack lauter wird. Kaum  kommen wir dem nächsten Laden näher, wummert uns ein anderer Song entgegen. Das Rauschen des Meeres gibt seinen Takt dazu.

Ich genieße jede Minute. Eine Gruppe tanzt im Sand. Ich mache zu ihrer Freude mit.

Die ersten Raketen platzen am Himmel und lassen uns begeistert "ohh" rufen.

Himmelsleuchten schweben uns entgegen. Wir folgen ihrem Flug bis sie verlöschen. Macht gar nichts, da kommt schon die Nächste.

Andere Strandläufer kommen uns entgegen, ein kurzer Plausch, manchmel ein "Pic", ein freundliches Lachen und schon sind sie in der Dunkelheit verschwunden.

Jeff und ich setzen uns auf den Sand und beobachten das Installieren der leuchtenden Flugkörper. 

Nicht jeder Start gelingt, manchmal fällt die Papierhülle mit dem entzündeten Feuer zu Boden und verbrennt. In Deutschland sind sie wegen Branntgefahr verboten. Bis in Indien alles, was gefährlich ist, verboten wird, wird viel Zeit vergehen.

Jetzt entdecken wir auch den Händler! Unermüdlich zieht er gefaltete Bögen aus seinem Sack, die sich - meistens jedenfalls - nach ein paar Minuten in leuchtende, immer kleiner werdende Punkte am Himmel verwandeln.

Herzlich Willkommen, Neues Jahr!

2020 schreibt sich viel angenehmer als 2019. Das hat bestimmt etwas zu bedeuten.

Alles Gute für uns alle

Eine Woche in Jaipur und Umgebung

Wir sind ständig unterwegs. Mal fahren wir mit einem Tuk Tuk, mal mit einem Bus. Meistens sind wir zu Fuß unterwegs und das über weite Strecken. Abends fallen wir wie tote Fliegen auf´  s Bett.

Unser Hotel liegt in Bahnhofsnähe. Das hat den großen Vorteil, dass jeder Tuk Tuk Fahrer unseren Heimweg findet. Vom Bahnhof aus laufen wir die letzten Meter.

Die bemerkenswerteste Fahrt findet  in einem Tuk Tuk  statt, das für 5 Fahrgäste zugelassen ist, in das aber - den Fahrer eingeschlossen, 16 Personen passen! Der jüngste Passagier ist allerdings erst ein paar Monate alt. Vier Personen quetschen sich alleine in die Gepäckabteilung! Die Fahrt kann ich ein paar Tage nicht vergessen, weil, Dank der Berührung mit nur etwa 5 Quadratzentimetern Sitzfläche, ich so eingequetscht zwischen Nachbarin mit Kind und der Seitenlehne bin, dass es einen blauen Fleck gibt. Aber alles ist besser, als in der einsetzenden Dämmerung laufen zu müssen.

Unser heutiges  Ziel ist dieses hübsche Wasserschloss. Es ist ist eines der Touristenhighlights von Jaipur.

Unzählige Verkaufsstände warten auf Kundschaft. Du hast gerade einem fliegenden Händler erklärt, dass du nichts kaufen möchtest, als auch schon der Nächste vor dir steht. Je nach Stimmung ist auch der Geduldigste irgendwann angefressen.

Dieses Wimmelbild zeigt dem aufmerksamen Betrachter in der Mitte eine weiße Kuh. Sie hat Glück. Marktfrauen versorgen sie mit Grünzeug. Der Verkehr interessiert sie und ihre Artgenossinnen nicht.

Wir sitzen in einem Bus und haben einen besseren Blick auf das Geschehen um uns herum, als von einem Tuk Tuk aus.

Als die Stadt 1727 von Maharadscha Jai Singh gegründet wurde, hat er sicher nicht mit diesem rasanten Anstieg an Bevölkerungs-  und Verkehrsdichte gedacht. In der Beschreibung Jaipurs wird darauf hingewiesen, dass sie zu den neueren Städten gehört. Die rosa Farbe hat sie seit 1876, als der englische Kronprinz Albert Eduard die Stadt besucht. Rosarot ist hier die traditionelle Farbe der Gastlichkeit.

Jaipur ist seit 1956 die Hauptstadt Rajasthans und, wie ich lesen kann, als Stadt des fortschrittlichsten Handels und als Wirtschaftszentrum wohlhabender denn je.

Die Stadt ist an drei Seiten von Gebirge eingeschlossen. Offensichtlich haben sich die Maharadschas in früheren Zeiten bedroht gefühlt, da drei Forts mit kilometerlangen Mauern die Stadt bewachen.

Fort Amber ist das Bekannteste und bei Touristen Beliebteste. Wir fahren mit einem Tuk Tuk hin. Die Preise variieren und um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben, werden die Verhandlungen darüber vor Fahrtantritt geführt.

Wo auch immer Touristen erwartet werden, sind die fliegenden Händler schon da!

Amberfort schmiegt sich an den Berg. Bei Regenfällen wird das dringend benötigte Wasser in dem See aufgefangen. Auf der Terrasse, des von Wasser umgebenen Gebäudes, befindet sich ein sehr schöner Garten.

Auf dem über etliche Kehren geführten Weg zum Hauptgebäude, begegnen wir Elefanten. Nach den Nummern zu urteilen, müssen es mehr als hundert sein. Ganze Familien schaukeln in ihrer gepolsterten Sitzkiste nach oben. Das möchte ich auch! Ich habe noch nie auf einem Elefanten gesessen!

Dieser, mit der weihnachtlichen Decke und der farbenfrohen Bemalung, wäre genau der Richtige für mich! Leider befindet er sich auf der Heimreise in sein Elefantenparadies. Dass um 12h Schluss mit Touristentransport ist, erfahren wir erst am nächsten Tag um 12:10h, als wir uns, diesmal mit dem Bus, bis zum Startpunkt des Elefantenritts bringen lassen.

Trotzdem steigen wir unverdrossen über den Elefantenweg bis auf den großen Platz vor den Gebäuden.

Ich habe schon erwähnt, dass  wir unzählige Male gebeten worden sind, ein Foto mit uns machen zu lassen. Diesmal habe ich unter der Bedingung zugestimmt, dass wir auch eines mit den an uns Interessierten machen dürfen. Aber gerne doch! Jetzt könnten wir ganz stolz unsere neuen indischen Freunde vorstellen. Aber wir wollen nicht übertreiben, ausser, dass wir Frohe Weihnachten gewünscht haben, hat es kein Gespräch gegeben. Das schnelle Foto ist den Fragenden genug.

Die nächste Anfrage kommt von einem aus dieser Gruppe. Um uns zu dekorieren, leihe ich für Jeff und mich die Kopfbedeckungen aus. Die Deko macht etwas her! Helau!

Eigentlich soll es ein Foto unserer Mini - Reisegruppe werden, aber ....

Durch dieses Tor verlassen wir Amberfort und schlängeln uns mit vielen anderen Besuchern hinunter zur Straße.

Mein nächstes Ziel ist der "Palast der Winde",  der hier wunderbar, in seiner ganzen Schönheit von einem Terrassencafe´   auf der anderen Strassenseite aus, zu sehen ist.

Das Gebäude ist  - natürlich - von einem Maharadscha in Auftrag gegeben worden. Er gibt den königlichen Damen aus seinem Palast die Möglichkeit, durch ein Fenster dem Treiben auf der Straße zusehen zu können. Was heißt hier ein Fenster! Wenn du dir das Foto genau anschaust, kannst du sie sehen!

Das Palastgelände ist sehr weiläufig. In dem Becken hat es Fontainen gegeben. Es geht höher und höher, über fünf Etagen. Aber jetzt ist schon zu erkennen, dass es sich eigentlich nur um eine imposante Fassade handelt.

Die ist allerdings 87 feet (fast 30m) hoch und hat die Form einer Krone Krishnas - von aussen gesehen, selbstverständlich!

1799 ist der Palast Hawamahal von Maharadscha Sawai Pratap Singh in Auftrag gegeben worden. Ausser der schon erwähnten Fensterfront mit 365 Fenstern, gibt es einen Speisesaal sowie  einen Raum für den Maharadscha.  Sein Palast und dieses Gebäude sind durch eine Passage miteinander verbunden.

Jeff verzichtet auf die Besichtigung. Er ärgert sich über unterschiedliche Preise für Touristen und Einheimische.

Mich interessiert besonders die Bedeutung des Gebäudes. Frauen durften nicht öffentlich in Erscheinung treten, um sich z.B. einen Umzug anzuschauen. In manchen Ländern ist es heute noch nicht viel besser. Das Selbstverständnis eines gleichberechtigten Lebens scheint es in Indien für Frauen immer noch nicht zu geben. Wie sonst erkläre ich mir, dass bei jeder Begegnung nur Jeff angesprochen wird, oder, ein Ober, den ich um die Rechnung bitte, mich übersieht und sie Jeff gibt?

Natürlich interessiert mich auch das Gebäude als solches und ganz besonders der Ausblick von oben!

 

Ganz schwach ist im Hintergrund auf dem Bergrücken ein Gebäude zu entdecken. Dorthin geht unser nächster Ausflug.

Zu Fuß besteigen wir den Berg von der Altstadt  aus.

Es ist wieder ein Fort. Den Namen habe ich leider vergessen.

Um diesen Berg windet sich die Straße, bis wir nach einer dreiviertel Stunde das Tor erreichen.

Der Haufen in der Mitte des Fotos besteht aus Kuhfladen. Sie werden getrocket und zum heizen der Kochstelle verwandt.

Je höher wir kommen, desto mehr Neues entdecken wir. Den See zum Beispiel, haben wir noch nie gesehen.

Und was erwartet uns im Fort?

Du glaubst es nicht! Schon wieder eine Maharadscha Geschichte. Dieses Mal hat er ein Schloss gebaut für sich und neun Kurtisanen, mit denen er sich hier vergnügt hat. Jede hat gleich große Räume, die nett ausgestaltet sind.

Wann das stattgefunden hat? Bis 1922, meine ich mich zu erinnern.

Zur Zeit findet in dem Gemäuer eine Ausstellung nationaler und internationaler Künstler statt. Die merkwürdig anmutenden Gegenstände in dem eingebauten Regal hat keine der Damen hier vergessen!

Das Beste ist auch hier der weite Ausblick über das Häusermeer der Altstadt.

Ehe wir uns an den Abstieg machen, bewundern wir die Verteidigungsanlage des Forts.

Ich freue mich auf den Rückweg.` Runter ging schon immer besser als rauf. Kannst du dich erinnern, Ruth?

Vergangenheit und Zukunft sind in Indien zwei Seiten einer Medaille. Auch in diesem Haushalt wird es ein Mobilfon geben.

Jaipur, die Perle Rajasthans

Keine Frage, auch eine Perle kann kleine Fehler aufweisen, besonders, wenn in ihr über 3 Mio Menschen leben! Es ist staubig, es ist überall drängelig und der Verkehrslärm ist ohrenbetäubend. Trotzdem mag ich diese Stadt. Sie ist überaus lebendig.

In der Altstadt, genannt Pink City, befindet sich unter Schutz bietenden Laubengängen, Geschäft neben Geschäft.

 

Vor einem der vielen Stadttore zur Pink City. Wo immer ein freies Plätzchen zu finden ist, wird Ware angeliefert, ausgebreitet, verkauft.

Wir kommen als erstes durch die Getreideabteilung. Hier werden die unterschiedlichen Sorten in Säcken angeboten.

Das Zeichen, das sehr an ein bekanntes Nazi Symbol erinnert, ist in diesem Fall ein harmloses und sehr verehrtes heiliges Symbol des Hindi Glaubens.

Was er hier anrührt, habe ich nicht verstanden. Aber an der Menge ist leicht abzulesen, dass er auf einen Kundenansturm hofft!

Diese Frauen arbeiten im Straßenbau. Sie setzen die Steine.

Und dazwischen "weidet" eine Kuh mit ihrem Kalb.

Baustellen gibt es mehr als genug. Außer den Kleinen wie hier, wird eine Metro Station an einem der Verkehrsknoten gebaut.

Nicht nur die Bauarbeiter bewegen sich über Stock und Stein, sondern auch wir Fußgänger! Da die Bauarbeiter  Head - Pans verwerten, wird es dauern bis das Rohr verlegt ist.

Eben sind wir noch im Verkehrsgewimmel über die Straße gehetzt und jetzt sind wir an der höchsten verfügbaren Terrasse gelandet, um den Ausblick auf die Altstadt zu genießen. Ein junger Mann hat uns unten angesprochen und im Laufe des Gesprächs angeboten, hier herauf zu steigen. So krabbeln wir enge Stiegen hinauf, um oben angekommen, diesen lustigen Mann zu treffen.

 

Er erzählt, dass er eine Silberschmuck Fabrik mit 180 Mitarbeitern betreibt. Hier? Natürlich hier. Die Jungs machen nur gerade Mittagspause. Aber wenn wir wollen, kann er uns gerne in seinen Verkaufsraum führen. Eigentlich ist er Großhändler, aber für uns macht er später eine Ausnahme und verkauft mir ein kleines Erinnerungsstück zu einem astronomischen Preis. Aber bei einem soo netten Zeitgenossen will ich mal ein paar Augen zudrücken!

Fast hätte ich es vergessen, unser neuer Freund empfiehlt uns die Besichtigung einer Stoff- und Teppich Cooperative, die indische Familien unterstützt.

Immer wieder wird der Stoff mit einem anderen Holz - Block - Stempel bedruckt. Der Handwerker, dem wir eine Weile zuschauen, taucht seinen Block in eine große Schüssel, deren Boden nur mit sehr wenig Natur Farbe bedeckt ist. Konzentriert setzt er Abdruck neben Abdruck. Wenn ich mich richtig erinnere, kann er bis zu sieben unterschiedliche Stempel verwenden, was gleichbedeutend ist mit sieben unterschiedlichen Farben.

Ich frage unseren Führer, wie denn die Naturfarben haltbar gemacht werden. Die Stoffe werden in der Sonne getrocknet und anschließend in Salzwasser gewaschen und wieder in der Sonne getrocknet. Ich kenne den Vorgang unter Verwendung von Essig.

Nachdem wir jetzt Fachleute für Stoffdruck sind, wollen wir uns der Herstellung von Teppichen widmen.

Das prächtige Gebäude, in dem die Cooperative untergebracht ist, war früher von einem Maharadscha bewohnt - angeblich.

Der Mann, der auf der dunklen Stelle des Teppichs steht, wird uns später mit einem kleinen Flammenwerfer zeigen, wie die Teppiche nach dem Knüpfen weiter verarbeitet werden. Die Flammen sorgen dafür, dass kleine Fädchen auf dem Rücken verschwinden und er nicht so leicht verrutscht . Was noch wichtiger ist, sei die Qualitätskontrolle, die mit dem Abkokeln verbunden sei. Hätten die Teppichknüpfer Kunstfasern verwendet, würden diese beim Absengen stinken und schmelzen.

Dieses Muster wird ausgestellt, damit wir uns vorstellen können, wie es bei den armen Schluckern der Cooperative aussieht, deren Familien für Monate mit dem Knüpfen beschäftigt sind.

Laßt euch nicht täuschen durch die Größe des Ausschnitts! Der Teppich ist sicher 3m X 5m groß. Der Mann mit der Schere schnippelt alle hellgrauen Flächen zwischen den weißen Flecken heraus. Als ich auf das Anstrengende dieser Tätigkeit hinweise, meint der Guide, die Schere werde jeden Morgen geschliffen und habe eine sehr arbeitsfreundliche Form. Der Arbeiter habe auf gar keinen Fall Beschwerden bei seiner Tätigkeit!! Den Verband und den Staub der Fusseln,  sowie das ermüdende Hocken auf dem Teppich, wollen wir lieber übersehen. Ach ja, und weil es eine Cooperative ist, verdienen alle gleich.

- Vielleicht der eine oder andere etwas gleicher?!

Dieser fantastische Teppich ist mein Favorit. Ich habe Glück, dass es ihn nur in viel zu groß gibt und ich ihn an der Wand mit der Kellertür hochklappen müßte.

 

Ich will nicht unerwähnt lassen, dass ich vor 20 Jahren auf einer Reise mit Heini, Jan und Meike schon einmal einem kleinen Schwächeanfall erlegen bin. Der führte in Tunis dazu, dass ich den damaligen Favoriten in Blau - Weiss gekauft habe. Kurze Zeit später hat Katze Muschi ihn mit einem großen uringelben Fleck versehen, den keine Teppichwäsche entfernen konnte und sein Teppichleben in unserer blau - weißen  Küche um Jahre verkürzt hat!

 

So nehmen wir denn Abschied von der Coperative, aber nicht ohne einen kurzen Rundgang durch das Lager in der ersten Etage gemacht zu haben.

Ich gestehe, doch weich geworden zu sein und einen prächtigen Schal gekauft zu haben.

Ab jetzt warte ich auf einen Kälteeinbruch!

 

Der Goldene Tempel in Amritsar

Solltet ihr gerade den Atlas vor euch haben, schaut auf der Seite von  Indien  in Richtung pakistanischer Grenze. Wenn ihr Lahore gefunden habt, liegt Amritsar etwa 50km davon entfernt auf der indischen Seite. Und weil wir so weit gen Norden gereist sind, ist es entsprechend kalt.

In der Nähe des Bahnhofs finden wir ein Hotel. Man bestätigt, dass es Wi-Fi gäbe und nachdem uns noch fehlende Dinge wie ein Bettlaken, Handtücher und Toilettenpapier gebracht werden, bin ich sehr zufrieden. Leider nicht für lange. Der PC ist nicht bereit seine Aufgabe pflichtgemäß zu übernehmen: kein Zugang zum Internet. Aber wenigstens funktionieren die Telefone!

Wir ruhen uns nicht lange aus und schauen uns in der Altstadt um. Bis zum Goldenen Tempel laufen wir 20 Minuten. Wir sind begeistert von der Sauberkeit des Stadtzentrums.  Die Fassaden der Häuser haben einen ockerfarbenen Anstrich. Fensterlose Fassaden bekommen welche gemalt und damit es plastischer wirkt, werden Attrappen von Balkonen befestigt. Die Geschäfte haben alle das gleiche Layout für die Ware, die sie anbieten. Das Straßenpflaster ist großzügig und glatt verlegt, und viel Kunst lädt Einwohner und Besucher zum Fotografieren ein.

Wir laufen durch zahlreiche Stadttore. die Männer. Das Aussehen der Männer fällt mir auf. Viele tragen einen Turban. Sie zeigen damit, dass sie Sikhs sind. Der Goldene Tempel ist ihr Heiligtum.

Heute ist es zu spät für einen Besuch, aber vor dem Eingang lassen wir uns informieren über das,  was uns morgen erwartet. Im Stadtbild sind uns  zahllose Fussgänger aufgefallen, die alle ein kleines Kopftuch tragen. Jetzt erfahren wir, dass niemand ohne Kopfbedeckung  das Heiligtum  betreten darf. Auch wo die Schuhe deponiert werden, wird gezeigt. Wir sind schon sehr gespannt.

Das große Gebäude im Hintergrund ist ein Parkhaus mit einigen Geschäften an der Vorderfront.

Das imposante Denkmal zeigt einen tapferen Sikh, der auf keinen Fall während eines Kampfes gefallen ist. Dann, so erklärt  mein Fachmann Jeff, würde das Pferd nur auf den Hinterläufen stehen.

Am nächsten Morgen machen wir uns frühzeitig auf den Weg zum Goldenen Tempel. Alles liegt noch im Dunst. Das vor uns liegende Gebäude ist, trotz seines prächtigen Aussehens, nicht der Goldene Tempel. Es ist sozusagen das Eingangastor.

An Fenster 4 geben wir unsere Schuhe ab - höchst ungern, es ist sehr kalt. Aber, wie man sieht, sind Teppiche für die Frostköttel ausgerollt worden.

Auch das Problem mit der Kopfbedeckung können wir regeln: Vor dem Eingang stehen Tonnen, in die Gläubige ihre nicht mehr benötigten Tücher werfen. Vielleicht hätte Jeff noch einmal wühlen sollen, um etwas Größeres zu finden!

Jetzt liegt der Goldene Tempel im Morgendunst vor uns. Er scheint über dem Wasser zu schweben.

Die umliegenden Gebäude bilden ein Geviert und gehören alle zur  Tempelanlage.

Im Jahr 1588 wurde mit dem Bau begonnen und im Jahr 1601 war der zweietagige Marmorbau, der in der Mitte des Nektar - Teichs liegt, beendet. Später werden die höheren Etagen mit Goldblättern auf Kupferplatten verziert

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Der Tempel hat vier Eingänge, benannt nach den Himmelsrichtungen. Jeder ist willkommen zu beten, egal von welchem Stand, Religion oder Geschlecht. In der Beschreibung steht, dass dies der einzige Platz weltweit ist, wo 24 Stunden lang Gottes Name besungen oder gesprochen wird.

Wir reihen uns ein in die Menge der Gläubigen und laufen über den Steg, der die Verbindung zwischen Land und dem Tempel darstellt. Über Lautsprecher hören wir den Gesang schon den ganzen Morgen. Es ist sehr feierlich und still. Wir steigen die Treppen hinauf und schauen. Überall sitzen Betende auf dem Boden. Wir sind von der Andacht angesteckt und fühlen uns für einige Zeit nicht als Touristen.

In den Gebäuden, die den Tempel umschließen, werden täglich unzählige Mahlzeiten an Bedürftige verteilt. Wir sind mehr als beeindruckt von dem Gesehenen.

Es bleibt mir noch zu erzählen, was einen guten Sikh ausmacht. In meinem Blättchen steht:

Ein Sikh muss 5 Ks tragen

  1.  Keshas (Haare)   ungeschnittenes Haar. Es zeigt die Zuneigung zum Guru. "Keshas" ist das     erste Zeichen für einen Sikh. Haare und Bart sind ein Zeichen seiner Persönlichkeit.
  2. Kangha (hölzerner Kamm) Ein Kamm, um das Haar sauber zu halten.
  3.  Para (eiserner Ring ) Das Armband wird am Handgelenk getragen. Es zeigt die Verbundenheit zum heiligen Bräutigam.
  4. Kachhera ( zu vergleichen mit dem Gürtel, den die Ritter ihren Frauen angelegt haben, ehe sie auf Kreuzzug gegangen sind)

     5.  Kirpan (Schwert, um sich selbst zu verteidigen. Ein Symbol für  

          Ehrenhaftigkeit)

 

 

 

Am nächsten Mittag machen wir einen Busauflug zur pakistanischen Grenze. Dort findet täglich eine Show statt, die zahlreiche Zuschauer auf beiden Grenzseiten anzieht.

 

Bei dieser riesigen Arena handelt es sich um die indisch - pakistanische Grenze. Wir sitzen in dem Teil, der für ausländische Touristen vorgesehen ist. Bis es richtig losgeht, sind auch dort alle Plätze besetzt.

Ein Soldat, ich nenne ihn Einheizer, bringt Stimmung in den Laden. Er fordert z.B. die Zuschauer mit verständlichen Armbewegungen zum Klatschen auf.

Es dauert nicht lange, bis aus der bisher nur lauten Musik, Tanzmusik wird. Jugendliche  bekommen große Flaggen in die Hand gedrückt, mit denen sie in einen vorher abgegrenzten Bereich rennen. Bald beginnen sie zu tanzen und von überall her kommen andere junge  Mädchen, die auch tanzen wollen.

 

Und was passiert auf der pakistanischen Seite? Da wir genau an der Grenzmarkierung sitzen, haben wir den besten Überblick. Die Zuschauer kommen später, sind aber nicht minder begeistert von ihrer Show. Das ist wörtlich zu nehemen. Beide Länder heizen auf ihrer Seite die Zuschauer mit Musik auf, ausgestrahlt über große Lautsprecher. In Pakistan sehen wir auch einem einbeinigen Tänzer zu, der sich in einer Tracht mit Rock, wie ein Derwisch dreht. Toll.

In der letzten halben Stunde etwa kommt es zum Wachwechsel und dem Einholen der Fahnen. Dazu wird die Grenze geöffnet.

Beide Länder haben ihren Soldaten eine modische Uniform verpasst. Die Inder tragen einen roten und die Pakistanis einen blauen Fächer auf dem Kopf. Sehr kleidsam! Ihre Bewegungen sind übermütig und sollen sicher bedrohlich wirken. Aber jedem der Anwesenden wird klar sein, dass hier zur Unterhaltung aller - die agierenden Soldaten eingeschlossen -  eine Show abgezogen wird. Die Beine werden hochgeworfen, die Fäuste erhoben, alles ein gut einstudiertes Theater, zu dem auf beiden Seiten viel Applaus aufbrandet.

 

Wir haben nicht bereut den Ausflug gemacht zu haben, wenngleich es abends im ersten Stock des Buses saukalt ist.

Agra

Die Wenigsten werden Agra kennen, aber das Kulturdenkmal dieser Stadt ist weltweit bekannt: Taj Mahal.

Die ersten zwei Nächte verbringen wir in einem Hotel in der Stadtmitte. Leider ist es für die dritte Nacht ausgebucht und wir finden nach langem Suchen  mit Hilfe eines Tuk Tuk Fahrers eine Unterkunft im Hilltop Hotel. Was für ein Name und was für eine lausige Unterkunft! Aber darüber erzähle ich später.

 

Als erstes sehen wir uns das Fort der Stadt an. Es ist im 15. Jahrhundert gebaut worden.

Offensichtlich ist heute eine Art Wandertag aller Schulen. Wir treffen hunderte von Schülern in ihren unterschiedlichen Schuluniformen. Sie scheinen, wie überhaupt die meisten Inder, erfreut über die Begegnung mit uns zu sein. Viele grüßen uns freundlich auf Englisch und etliche wollen ein "Snap" von uns machen. Wir müssen mittlerweile auf zig Fotos von uns völlig unbekannten Menschen sein!

 

Innerhalb der geklinkerten Trutzburg hat ein Maharadschah seine fürstliche Behausung aus weißem Marmor bauen lassen. Was ich als Einziges über diesen Herrscher in Erinnerung behalten habe,  ist sein Wunsch, dass sein Volk jederzeit Kontakt zu ihm aufnehmen kann, ohne die Hürden, die seine hochgestellten Berater zwischen ihm und einfachen Untergebenen errichten, bezwingen zu müssen. Er lässt eine Kette, behängt mit zahlreichen Glocken, zwischen  Fluss und  Palast installieren. Wenn an ihr gezogen wird und die Glocken läuten, weiß der Maharadschah, dass jemand ein Anliegen hat.

Unten ist der Fluss mehr zu erahnen als zu sehen.

Der Tag ist trüb und kalt, aber man kann sich trotzdem die Pracht vergangener Zeiten vorstellen.

Das heutige Ein- und Ausgangstor.

Nur wenig Gelände innerhalb der Mauern ist zugänglich für Touristen. Früher hatten hier die Engländer ihre Militärunterkünfte und heute die Inder.

Agra ist sogar für einige Zeit - statt Delhi - Hauptstadt gewesen. Der bekannteste Regent ist King Jahan gewesen. Er ist derjenige, der in übermäßiger Trauer über den Tod seiner dritten Frau, gestorben im Kindbett nach der Geburt des 14. Kindes, Taj Mahal hat bauen lassen.

Taj Mahal, aufgenommen von der Gartenseite aus. Der Garten befindet sich gegenüber, auf der anderen Flusseite.

Eigentlich ist der Eintritt mir zu hoch, aber ich will das Gebäude unbedingt richtig sehen und habe eine weite Reise dafür unternommen. Da ist mir der Eintrittspreis egal!

Mittlerweile sind wir im Hilltop Hotel untergekommen und haben eine unvergessliche Nacht hinter uns. Weil wir auf keinen Fall mit der Hotelwäsche in Berührung kommen wollen, schlafen wir in unseren Sachen. Mit meinem Schlafsack bin ich gut bedient! Jeff ohne hat es nicht so einfach. Er schläft wie im Zug mit seiner Jacke. Ich habe ein paar köstliche Fotos auf dem Smartfon, auf dem wir uns vor lauter Lachen über unsere Situation, kaum einkriegen können.

Morgens um 7h kommt wie verabredet der Tuk Tuk Fahrer, um mich abzuholen. Jeff kommt doch mit. Er will sich die Umgebung ansehen, solange ich im Taj Mahal unterwegs bin.

Ich mag dieses Foto sehr.

Ich bin immer noch im Eingangsbereich von Taj Mahal.

Und da ist es, das schönste Zeugnis einer großen Liebe.

König Jahan hat die besten Künstler seiner Zeit engagiert. Er selbst soll die Entwürfe erdacht haben. Das Gebäude ist so hoch wie es breit und lang ist.

Unter der Marmorschicht befindet sich ein Klinkerbau. Weil der Marmor nur in einer dünnen Schicht eingebaut wurde, verändert er je nach Sonneneinstrahlung seine Farbe. Er scheint durchsichtig zu sein.

Im Hintergrund ist auf der rechten Seite ein Gebäude zu erkennen. Es ist die Moschee. Das gleiche Gebäude befindet sich hinter mir. Es ist ein Gästehaus. Beide sind rot geklinkert und nur die Kuppeln mit Marmor verkleidet. Der Wandschmuck ist der gleiche. Nur sind die reliefartigen Blumen beim Taj Mahal aus Marmor gefertigt und die der anderen Gebäude aus rotem Sandstein.

 

Die Touristen dürfen um das Mausoleum herumlaufen und auch durch ein prächtig gestaltetes Eingangstor die beiden Särge sehen. Die geliebte Frau liegt genau mittig unter der Kuppel, beleuchtet durch eine Glaslaterne und das Grab ihres Mannes ist links von ihr, aber erhöht angelegt.

Ich bin sehr froh, dass ich hierher gekommen bin. Taj Mahal ist wunderschön und jede Reise wert.

Erotische Tempel von Khajoraho

Natürlich sind die Tempel nicht erotisch, aber einige in Stein gehauene Bilder sind es schon.

84 Tempel sind vor etwa 1000 Jahren rund um den späteren Ort Khajuraho entstanden. Sie zeugen noch heute von unglaublicher Meisterschaft der damaligen Steinmetzkunst.

Die das Gebäude umlaufenden Friese erzählen Geschichten.

Elefanten, Pferde, Menschen und Götter, alle spielen ihre Rolle.

Affen und Dromedare sollte ich nicht vergessen zu erwähnen!

Diese Geschichten erzählenden Schmuckfriese sind von großer Schönheit.

 

Leider waren die muslimischen Eroberer nicht zimperlich und haben etliche Tempel zerstört.

Auch viele Engländer waren nicht begeistert über die  erotischen Kunstwerke. Es ist sicher nicht - prüden Kunstsachverständigen zu verdanken, dass da nichts abgeklopft und vernichtet wurde!

Heute gehören die Tempel zum Weltkulturerbe und ziehen von überall her interessierte Touristen an. Die Stadt Khajuraho lebt vom Fremdenverkehr.

 

Mit unserem Hotel haben wir in jeder Hinsicht sehr viel Glück. Ein Fast - Manager nimmt uns freundlich am Bahnhof in Empfang. Er empfielt sein Hotel als preisgünstig und sauber.  8 Kilomteter ist der Ort vom Bahnhof entfernt. Die werden flott von seinem Freund, dem Tuk Tuk Fahrer zurückgelegt. Ich bin sehr froh über das kleine Kissen, das zu meinem gelben Rucksack gehört. Es mildert manchen Schlag des löchrigen Straßenbelags.

Das Hotel ist fast so wie angepriesen. Auf jeden Fall gut genug. Es hat sogar ein Restaurant auf einer der Dachterrassen! Auf der zweiten finden gerade Renovierungsarbeiten statt. Anni, ein Langzeitgast des Hauses, hat begonnen hier oben Pflanzen zu ziehen, um das Ambiente zu verschönern. Das hat die Besitzer auf die Idee gebracht, in frische  Farbe zu investieren. Nun erstrahlt die Terrasse in einem Weiss, das durch blaues Waschpulver einen Hauch blau aufweist. Zu schön!

Anni kommt ursprünglich aus Südengland. Mittlerweile lebt sie - wenn sie  in Großbritanien ist - in Wales. Ihre Kinder sind in Australien zu Hause. So pendelt sie von einem Land zum anderen. Ich habe das Glück am letzten Tag vor unserer Abreise ihre Bilder anschauen zu können. Was sie inspiriert ist nicht zu übersehen: Indien und seine schönen Frauen - oder sind es Göttinnen?

Es ist wunderbar eine Europäerin zu treffen und mit ihr zu schwätzen.

 

Wir genießen die Tage in Khajuraho mit Tuk Tuk Fahrten über Land, Besichtigungen von Tempeln oder deren Ruinen.

 

Diese Frau treffe ich am Ausgang eines Tempels. Wir schenken uns ein Lächeln und sie bittet mich ihr zu folgen. Meine neue Bekanntschaft ist für die Sauberkeit des Nachbartempels zuständig.  Ich  soll ihn unbedingt noch einmal mit ihr zusammen ansehen. Sie erklärt mir die Bedeutung  der Bilder. Den Inhalt des Erzählten rate ich mehr als ihn zu verstehen. Aber das macht gar nichts. Aber ich habe verstanden, dass der Kopfschmuck der Heiligen eine neunköpfige Schlange ist!

Namaste, Schwester

Hier wird uns von einem archäologischen Mitarbeiter eine der erst vor Jahrzehnten entdeckten Ruinen erklärt. Nach der Zerstörung durch Muslime, lagen die Trümmer Jahrhunderte unter einer Erd- und Grasschicht versteckt.

Den Abschluss unserer kleinen Tuk Tuk Rundreise bildet die Besichtigung eines typischen indischen Dorfes, wie es seit Jahrzehnten aussieht. In dem Durchgang lagern zwei Damen, die sich ausruhen.

Das Foto erinnert mich daran, dass ich erzählen will, wie indische Frauen ihr Haus vor dem Einfall von Fliegen schützen: Sie verstreichen eine dünne Schicht Kuhmist vor der Tür. Wenn sie getrocknet ist, bleiben die Fliegen draußen! Ich hoffe, ich vergesse diesen Supertipp nicht!

Mindestens zwei Dinge zeigt das Foto: Frauen haben immer und überall etwas zu tun und Plastiküberreste sind auch in kleinsten Dörfern zu finden.

Wir sitzen schon im Zug um unsere Reise nach Agra fortzusetzen, als wir unseren neuen Freund, den jungen Koch vom Hotel über den Bahnsteig laufen sehen. Er will sich noch einmal verabschieden. Das wäre eigentlich nichts Erwähnenswertes, wenn der Weg zum Bahnhof nicht 8km betrüge und es nicht so  kalt wäre!

Wir freuen uns sehr. Der junge Mann hat uns die leckersten indischen Gerichte zubereitet und uns zu sich nach Hause eingeladen. Jeff ist mitgegangen, hat Tee getrunken und sich mit seinen zwei älteren Töchtern unterhalten. Die Familie hat im Zimmer ein großes Bett. Die vier Kinder schlafen auf dem Boden. Hier werden auch die Schularbeiten angefertigt. Aber die Familie hat ein neues Haus in Aussicht. Das Government macht hoffentlich seine Versprechen wahr.

Ein letzter Abschiedsgruß und unser langer, langer Zug fährt langsam an, um Stunden später gegen 4h nachts in Agra anzukommen.

Letzter Tag in Varanasi

Wir brechen zu unserer zweiten Bootstour auf. Unser Guide kommt um 5h um uns ans Ufer des Ganges zu führen. Er leuchtet mit seinem Telefon, damit wir den Weg in der Finsternis finden können. Alles schläft noch. Aber die unterschiedlichen Gerüche geben Auskunft über den aktuellen Ort.

Die Sonne geht auf! Na ja, man könnte meinen, das sei schon vor Stunden geschehen. Stimmt, aber jetzt können wir sie erst sehen! Vorher war alles diesig.

 Wir fahren mit dem Boot zu einem Festplatz, an dem Tänzer, jeder einen goßen vielarmigen Leuchter schwenkend, den neuen Tag begrüßen sowie den Ganges ehren.

Auch diese Zeremonie findet täglich statt. Leider ist meine Kamera mit der Aufgabe überfordert, und die Bilder vom  Mobilfon kann ich nicht ohne Hilfe in den PC bekommen. Darum mußt du dir vorstellen, wie schön es in der Morgendämmerung ist, wenn leise Musik - teils Gesang, teils Instrumente - erklingt, zu der sich, begleitet von der Lichtershow,  tanzende Gestalten bewegen.

In diesem Palast am Ufer des Ganges ist das teuerste Hotel der Stadt untergebracht. Der Fahrstuhl befindet sich im mittleren Vorbau. Ich habe gelesen, dass es der erste Fahrstuhl in Varanasi war und er zu Anfang mit Hilfe eines Pferdes bewegt wurde. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, wo ich diese Information entdeckt habe.

Während der Monsunzeit steigt der Ganges viele Meter. Er spült nicht nur das Flussbett, sondern bringt auch alles Mögliche, das sich auf den Wegen unterhalb der Ghats ablagert. Die Männer sind jetzt noch dabei, mit scharfem Wasserstrahl die festen Ablagerungen zu entfernen.

Hunde fallen eigentlich nicht auf. Es sind Unzählige. Sie liegen überall herum und schlafen oder trotten ruhig ein Stück weiter, um Kontakt zu einem Freund aufzunehmen. Aber wenn ein Haushund an der Leine in ihr Revier kommt, ist es mit der Ruhe aus! Alle bellen, fletschen die Zähne. Der Hundehalter hat einen Kumpel mit Knüppel dabei, der auch von seiner Waffe Gebrauch macht. Kaum sind die beiden Männer mit ihrem Hund verschwunden, kehrt wieder die altbekannte Gelassenheit in der Hundewelt ein.

Außer Hunden treffen wir auf den Straßen Kühe. Klar, es ist bekannt, dass hier Kühe heilig sind. Aber doch macht es einen Unterschied ob ich darüber lese, oder mit ihnen in Berührung komme! Keine Panik auf der Titanik, es passiert nichts, jeder Verkehrsteilnehmer bremst ein wenig um die Kuh nicht zu berühren. Und die betrifft das alles nicht. Sie frisst in Ruhe weiter.

Abends fahren wir mit einem Tuk Tuk zum Bahnhof.

Bis zur Abfahrt haben wir noch viel Zeit. Jeff macht sich auf die Suche nach etwas Essbarem. Bananen wären gut. Plötzlich erkenne ich, dass der einfahrende Zug unserer ist. Und wo ist Jeff?

Er kommt, als ich mich schon damit abgefunden habe, dass wir diesen Zug nicht nutzen werden können.

Züge sind in Indien lang. Du glaubst, sie nehmen nie ein Ende. Wir laufen ziemlich planlos an dem Zug entlang, bis ein heilfsbereiter Inder unser Ticket anschaut und meint, wir sollen ihm folgen. Tatsächlich, kurz hinter der Lokomotive erreichen wir unseren Wagen. Wir bedanken uns herzlich.

 

Im Abteil unterhalten wir uns mit einem Paar aus Frankreich, einem indischen Geschwisterpaar und einem einzelnen Herrn, der mehr als interessiert ist. Seine Neugier führt zu etlichen heiteren Gespächsrunden. Irgendwann sind wir müde und schwingen uns in unsere Betten. Nachenem Bettentausch liegt Jeff mir gegenüber. Unsere neuen Freunde finden über uns in den verbleibenden zwei Etagen ihr Lager.

Als wir morgens aufwachen, sind wir in Khajaora angekommen und unsere neuen indischen Freunde nicht mehr da.

Abschied am Ganges

Während ich schreibe, macht Jeff eine Wanderung am Ganges entlang. Er ist beeindruckt  vom Gesehenen. Später, auf einem gemeinsamen Spaziergang, kommen wir wieder zu einer der Verbrennungstellen.

 

Zwischen 50 und hundert Personen werden täglich von ihren Familienangehörigen zum Kremieren an den Ganges getragen. Nach festgelegten Riten werden die Verstorbenen vorbereitet. Die Zeremonie findet in aller Öffentlichkeit statt. Darum kann ich darüber berichten.

 

Auf einer Bambusbahre, geschmückt mit goldglänzenden Tüchern, wird die verstorbene Person ans Ufer des Ganges getragen. Hier wird sie fünf mal gewaschen.

Das Holz für das Feuer wird gestapelt. Der Angehörige, der das Feuer entzünden wird, ist  weiß gekleidet und seine Haare sind abrasiert.  Er wäscht sich im Ganges. Dann geht er zum Tempel, um  mit einem Strohbündel das Feuer  zu holen. Damit läuft er fünf mal um den mittlerweile auf dem Holz liegenden Angehörigen. Jetzt entzündet er das Feuer.

 

Wir haben den Angehörigen bei ihrem Abschiednehmen zugesehen. Es war sehr intim und berührend. Jeder der Männer hat den Mund des Verstorbenen mit Gangeswasser benetzt. Jeder ist vor dem Entzünden des Holzhaufens zu einem letzten Berühren des Angehörigen gekommen.

 

Kinder unter neun, Leprakranke, Schwangere werden nicht verbrannt. Sie sind ohne Sünde und werden dem Ganges, beschwert mit Steinen, übergeben.

Weil Frauen weinen,  ist ihnen nicht erlaubt an der Zeremonie teilzunehmen. Das würde den direkten Einzug des Verstorbenen ins Paradies behindern.

 

Alles was ich hier geschrieben habe, hat Jeff von einem Inder, dessen Familie seit Generationen hier arbeitet, erzählt bekommen.

Wie alles, entscheidet auch hier das Geld über den Ort der Verbrennung. Wer reich ist, wird auf einer erhöhten runden Betonplatte kremiert, der nicht ganz so Reiche liegt dicht am Ufer, siehe Foto. Für die Armen sind Metallkörbe vorgesehen, die allerdingst weiter vom heiligen Ganges entfernt stehen.

Zwei Dinge kannst du sehen auf diesem Foto: einerseits die Menschen, die entspannt auf den Ghats (Treppen) sitzen, plaudern  und schauen und andererseits einen Verstorbenen, der von seinen Angehörigen aus der Altstadt kommend, zur Verbrennungsstelle getragen wird.

Wenn du fragst, warum ich dabei zuschauen kann?  Weil es zum Leben gehört und nichts Schlimmes ist. Die Angehörigen sind traurig wie überall auf der Welt, aber der Tod gehört zum Leben wie die Geburt und die Liebe.

Varanasi

Diese alte Stadt wollen wir unbedingt sehen. Hier ist Indien mit allen Sinnen zu spüren. Das Leben spielt sich in engen Gassen ab, in denen Menschen und Tiere leben,  der Hauptverkehr braust, bremst, hupt, überholt, erschreckt, umfährt Löcher und heilige Kühe in den asphaltierten Straßen. Hunde suchen sich inmitten des Tumults ein ruhiges Plätzchen.

 

Wenn sich Hektik und Geschäftstüchtigkeit in Straßen und Märkten widerspiegeln, treffen wir am Ganges auf den Hang zur Zeremonie, tiefer Frömmigkeit, Lust zu feiern. Der Ganges steht immer im Mittelpunkt des Lebens. Er wird allabendlich mit einer eindrucksvollen Zeremonie, mit viel Kerzenlicht und unterschiedlichen Instrumenten, gefeiert.

Hier am Ganges werden die Toten verbrannt und ihre Asche dem Fluss übergeben.

Wir  buchen in unserem Hotel eine zweistündige Tour mit einem Ruderboot. Wir werden abgeholt und zurückgebracht.

Wir laufen über mit Steinplatten belegte enge Gassen, an spielenden Kindern, alten, am Boden hockenden Frauen vorbei, zu den Ghats. Viele tiefe Stufen führen uns hinab zum Ganges.

 

Mit einem der kleinen Boote werden wir fahren. Im Hintergrund ist eine Sandbank zu sehen. In der Monsunzeit steigt das Wasser so hoch, dass weder von den Ghats noch von der Hälfte des Waldes im Hintergrund etwas zu sehen sein wird. Der Ganges spült sein Bett.

Die Bootsfahrt hat etwas Magisches. die Tempel und Paläste sind erleuchtet. Wenn nicht so viele Motorboote unterwegs wären, könnten wir noch mehr von den Stimmen und ungewöhnlichen Gesängen hören.

Die allabendliche Zeremonie findet in unmittelbarer Nähe zum Ganges statt. Viele Gäste folgen dem Spektakel vom Land aus. Wir, d.h. unzählige Boote und Bötchen sehen vom Wasser aus zu. Gut, dass wir soviel angezogen haben! Trotz Kälte genießen wir das ungewöhnliche Schauspiel. Verkaufstüchtige Kinder bieten zum Ende der Schow Schälchen mit Kerze und Blüten an, die wir zu Ehren unserer Verstorbenen aufs Wasser setzen sollen. Natürlich kosten sie etwas, aber die Zeremonie hat etwas Tröstliches.

Für unseren sicheren Heimweg ist gesorgt. Der Kapitän unseres Bootes begleitet uns durch alle verwirrenden Gässchen zurück zum Hotel.

Darjeeling

Mit Shorts und T-Shirt bekleidet steige ich aus dem Jeep. Ich bin enttäuscht. So habe ich mir Darjeeling, den Traumort vergangener Zeiten, als englische  Offiziere sich von dem Ort klimatische Erleichterung erhofften, nicht vorgestellt! Es ist alles viel zu voll, viel zu grau und viel zu kalt!

 

Ein freundlicher Einheimischer hilft uns weiter. Er kennt ein gutes Hotel ganz in der Nähe, es sei auch nicht teuer.

Nach längeren Verhandlungen einigen wir uns mit dem Hotelier, und ich falle auf das Bett. Ich will mich ausruhen und vor allen Dingen heiß duschen. Leider kommt kein warmer Tropfen aus der Leitung. Der herbeigerufene Chef  ist ebenfalls erfolglos, und so wird nach dem Haustechniker gerufen. Er probiert und probiert, bis er stolz an meinem Bett verkündet, dass er den Fehler gefunden habe. Er geht nur schnell in die Stadt und kauft die passende Schraube und schon kann ich duschen.

Ja, ich habe irgendwann tatsächlich geduscht und mich wesentlich besser gefühlt. Auch meine Empörung über den Ort hat sich verzogen. In jeder Jahreszeit, außer im Winter, muss es hier wunderschön sein. Wir haben das Pech, dass es Anfang Dezember immer kalt und  die Sicht extrem schlecht ist.

Alles hat hier mit der Eisenbahn begonnen. Ehe sie 1881 fertiggestellt wird, brauchen Reisende 5 - 6 Tage von Kalkutta bis Darjeeling. An kommenden Fremdenverkehr hat damals niemand gedacht, wohl aber an den schnellen Transport des Tees, mit dessen Anbau die Engländer schon vor Jahrzehnten auf der Hill Station begonnen haben.

 

Wir wollen uns auf jeden Fall eine Teeplantage anschauen. Ein Taxi bringt uns hin und wartet, bis wir alles angeschaut haben.

Na ja. Alles ist schnell gesehen. Die Ernte und Weiterverarbeitung zu echtem Darjeeling ist seit Ende Oktober eingestellt. Aber wir sind eingeladen, einen Spaziergang durch den Teegarten zu machen.

Die nachwachsenden neuen Triebe werden gepflückt, sodass der ganze Garten wie frisch geschnitten aussieht. Welche Arbeit!

 

So sehen Teeblüten aus. Im April wird mit der neuen Ernte begonnen. Dann kann der wertvollste Tee, First Flash, gepflückt werden.

An dem Hang wird in einem Baumwollfeld gearbeitet.

 

Blick über einen Teil des Teegartens der Happy Valley Tea Plantation. Es muss sehr mühevoll sein, auf dem hügeligen Gelände zu arbeiten!

Nach dem Kauf eines Kästchens Tee für Meike, bringt uns der Taxifahrer, der während der Wartezeit sein Auto pflegt, wieder in die Stadt.

 

Schon am ersten Tag nach der Ankunft sind wir mühsam einen gewundenen Pfad nach oben gestiegen. Uns begleitet der schon vertraute Anblick von Bettlern. Oben angekommen, werden die Schuhe in ein Regal gestellt, ehe die betenden Menschen noch weiter aufwärts pilgern. Für uns ist der Pilgerpfad hier beendet. Mir ist zu kalt, um ohne Schuhe weiter zu steigen!

Wir sehen die vielen bunten Fähnchen auch von unten.

Von einer Bank aus können wir die Pilger beobachten. Einige steigen eine steile Treppe hinab. Wenn sie wieder nach oben kommen, läuten sie eine Glocke, die an einem Torbogen hängt.

Eine der Glocken läutet Jeff, ehe wir unseren Rückweg antreten. Wir waren dem Heiligtum der Pilger nicht ganz nah, aber nah genug, um uns sehr zufrieden zu fühlen.

Darjeeling liegt über 2000 m hoch. Die Häuser scheinen mehr oder weniger an die Berge geklebt zu sein. Angeblich leben etwa 28.000 Menschen hier. Es müssen mehr sein. 28.000 treffe ich täglich auf den Straßen und dem Markt. Entweder fahren sie in großen Jeeps, oder sie palavern vor großen Jeeps, oder sie laufen auf den Gassen auf und ab, eingehüllt in warme Tücher oder westliche Winterkleidung, inklusive Mützen.

Die Abende verbringen wir im Shangri - La, einem netten Hotel. Die Zimmer sind uns zu teuer, aber das Restaurant ist das Richtige für uns. Ab 17h ist hier Happy Hour und jedes Getränk ist um 35% reduziert.

Wenn wir ganz großes Glück haben, erwischen wir den Tisch vor dem Feuer, das jeden Abend um 18h entzündet wird. Dann genießen wir unseren Abend mit heißem Grog und Skip Bo umso mehr.

Alle Ober sind zuvorkommend und freundlich. Am 4. Tag gehören wir schon fast zur Ausstattung des Restaurants. Sie freuen sich mit mir wenn ich gewinne - wahrscheinlich, weil das nicht ganz dezent geschieht! Darum sind wir sehr überrascht, als einer der Ober an unseren Tisch tritt, um mitzuteilen, dass das Management nicht möchte, dass hier gespielt wird. Wie wir reagieren? Wir bedanken uns und spielen weiter. Morgen ist unsere Zeit hier um und wir werden weiter reisen.

Die Gedenktafel ist entstanden für den indischen Partner Hillarys, Tenzing Norgay. Alle sind zu recht stolz auf seine Leistung. Im Mai 1953 haben Hillary und Norgay als erste den Mount Everest bezwungen.

Wir wollen wenigstens einen kleinen Teil der Himalaien Eisenbahnstrecke befahren. Unsere nächste Bahnfahrt nach Varanasi muss gebucht werden, so organisieren wir alles an einem Tag. Die Bahnfahrt nach Varanasi ist ausgebucht, so dass wir die Reise verschieben müssen. Dummerweise gibt es für die nächsten 14 Tage nur 1. Klasse Tickets oder Sitze. Wir entscheiden uns für die komfortablere Variante.

Mit dem Toy Train fahren wir bis Ghum, der höchsten Station einer Bergbahn weltweit. Die Gleise sind sehr schmal, die Lok dementsprechend klein und wendig. So konnten die damalien Erbauer der Eisenbahn den Bau von Tunneln und Brücken umgehen.

Die neue Strecke wird in kurzer Zeit realisiert. Die Bahn ist der ganze Stolz der Gegend. Seit Jahren  gehört sie zum Weltkulturerbe.

Der Toy Train, wie er liebevoll genannt wird, fährt sie so dicht an Wohn- und Geschäftshäusern vorbei, dass man aus dem Fenster langend einkaufen  könnte.

Auf dem Rückweg, auf dem es nur noch bergab geht, sitzt ein Mann an der Bremse. Er dreht unermüdlich an einem Bremsrad direkt vor mir, damit es den Zug nicht bei zu hoher Geschwindigkeit aus den Gleisen haut.

Wir dürfen zweimal aussteigen. In Ghum haben wir 25 Minuten Aufenthalt und können uns in einem kleinen Eisenbahnmuseum umsehen. Es gibt etliche Fotos der Zeit, in der die Bahn gebaut wurde. Das interessiert mich sehr und die Zeit vergeht wie im Flug.

 


Auf dem Weg zum Hotel laufen wir duch den Markt. Welche Angebote! Ich liebe Märkte mit ungewöhnlichen Angeboten wie Obst, das ich noch nie gesehen habe oder Gewürzen, die ich nur in kleinen Gebinden kenne!

Dieses Foto zeigt endlich - nach vier Tagen ohne Sicht - den Himalaja. Der höchste Berg ist Khangchendzonga. Er ist über 8000m hoch und weltweit der Dritthöchste.

Ich bin sehr beeindruckt von der Schönheit dieser Gebirgskette und fotografiere so lange die Batterie mitspielt.

Jeff und ich haben hier 6 mal in zwei unterschiedlichen Hotels geschlafen. Wir sind am Tag ständig unterwegs, um die Abende im Shangri - La zu genießen. Wi Fi ist möglich, aber sehr schwach. Darum dauert es Tage, bis ich diesen Artikel senden kann.


Erste Zugfahrt in Indien

Es gibt fünf Bahnhöfe in Kolkata. Jeder bedient eine andere Strecke. Unser Ticket - ein DIN A 4 Zettel, versehen mit Abfahrtszeit, Nummer des Abteils und des Betts zeigen wir etlichen, die aussehen, als könnten sie uns helfen.

Wir finden Bahnsteig  Nr. 9. Hier wird um 22:5h unser Zug in Richtung  Darjeeling abfahren. Ja, du hast richtig gelesen. Wir fahren bis New  Jalpaiguri und von da aus geht es mit einem Jeep, in den 10 Personen passen, weiter nach Darjeeling. Die Fahrt wird 3,5 Stunden dauern.

Statt uns zu den anderen Wartenden zu legen oder zu setzen, suchen wir nach einem Restaurant, wo wir noch einen Happen essen können. Wir spielen nach dem Essen Karten und weichen erst, als andere Reisende auch gerne essen würden.

Ganz schön lang, unser Zug. Kannst du das Schild "Sleeper" lesen? Das geöffnete Fenster vor dem Abschiednehmenden ist unseres.

Unser Abteil ist gemütlich. 8 Personen können hier schlafen. Aus der Rückenlehne wird später noch ein Bett. Unser Gepäck passt unter die Sitze.

Mein Oberschläfer in der dritten Etage. Vorher haben wir zusammen auf den Bänken gesessen und uns unterhalten. Ehe er in schwindelnde Höhen steigt, hilft er das Bett des mittleren Schläfers zu installieren.

Ich nenne sie Schneewitchen. Wenn sie nicht gerade das Handy bearbeitet, liegen ihre Arme eng am Körper.

Sie gehört zur Hochzeitsgesellschaft, die unsere Reisebekanntschaft (siehe nächstes Foto) sicher an den Ort der Feierlichkeiten begleitet. Wir treffen ihn am nächsten Morgen ein letztes Mal auf dem Bahnsteig, eine große bunte Fahne schwenkend, um seine 50 Hochzeitsgäste zu sammeln.

Er ist mehr als sein halbes Leben auf großen Schiffen gefahren und war zu meiner, sicher auch Claudias und Wolfgangs Freude, oft in Bremerhaven um Autos zu entladen. Jetzt meint er, sei alles anders als früher. Die Liegezeiten in den Häfen sind so kurz, dass man von den Städten eigentlich nichts mehr sehen kann.

Ich schlafe dank Lillis Schlafsack ausgezeichnet. Selbst der Ausflug zur Toilette ist weit weniger dramatisch, als ich vermute. Alles ist sauber. Na ja, bei zwei Tritten und einem Loch und einer starken Spülwasseranlage kann auch nicht ganz viel passieren.

Magisch,

wenn sich die verwaschene Sonne klar im Wasser spiegelt.

Pünktlich um 8:15h erreichen wir den Bahnhof von New Jalpaiguri.

 

Übrigens, ich freue mich schon auf unsere nächste Bahnfahrt.

Unterwegs in Kolkata

Du denkst, wen - um alles in der Welt - hat sie denn da fotografiert!?

Es ist der arme Mann, der unbedingt will, dass wir uns in seine Rikscha setzen und er uns ziehen kann.

Wenn ich geahnt hätte, welche Mühe es macht, sich als alte Frau auf den hohen Sitz zu schwingen, hätte ich vielleicht dankend verzichtet. Ich hätte nie erfahren, welches Abenteuer man in einer Rikscha  erlebt, im Verkehrschaos von Kolkata.

Das Gefährt hinter der Kuh - ein bisschen weniger elegant - entspricht unserer Rikscha.

Wir werden sicher über jede Kreuzung gezogen und fürchten uns keinen Moment.

Nur gut, dass wir so eingequetscht auf dem viel zu engen Sitz hocken, sodass wir nicht vor lauter Lachen abstürzen können.

Neidisch? Zu Recht.

Ziel unserer Reise ist der ``  New Market`.  Er heißt zwar neuer Markt, hat seine besten Zeiten sicher seit Jahrzehnten hinter sich. Ein Experte stürzt sich sofort auf uns. Er kennt sich hier aus und lässt sich auch nicht abschütteln. Erst nachdem ein sehr freundlicher Händler und sein Gehilfe nicht müde werden zahlreiche Plastiktüten zu öffnen, um das richtige Hemd für mich zu finden, trollt er sich. In Ermangelung eines Spiegels muss Jeff ein Foto von mir und dem Gewand machen,  das ich über meine Kleidung streife. Nichts wie weg!

Puttchen Brammel im Festtagsgewand!

Wir stromern durch die Straßen, kehren im Hard Rock Cafe ein und verirren uns später. Da wo wir landen wollen wir nie und nimmer sein! Freundliche Passanten helfen uns den richtigen Weg zu finden.

Die letzten Stunden verbringen wir in der uns schon vertrauten Umgebung des kleinen Hotels.

Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine....

Wer von uns Alten kennt nicht den uralten Song mit der Behauptung, dass Kalkutta am Ganges läge! Das stimmt überhaupt nicht! Der Fluss heißt Hooghly und wir sind heute an der bekanntesten Brücke gewesen, die über ihn führt.

Die achtspurige Brücke heißt Howrah Bridge und wurde 1943 für Kraftfahrzeuge und Fußgänger gebaut, um Kolkata und Howrah zu verbinden.

und wenn wir schon am Fluss sind, fahren wir mit einem Schiff. Wir haben keine Ahnung wohin die Reise geht, aber über den Fluss müssen wir schippern!

Und schon kommt mir der Amazonas und seine Schiffe in den Sinn.

spätestens jetzt bin ich wieder in der Realität, in Indien.

Im Hintergrund ist der Bahnhof zu erkennen. Vorne tummeln sich alle, die vor nichts zurückschrecken.

Wir fahren an historischen Warenhäuern vorbei, verpassen um Sekunden den Ausstieg und fahren weiter bis zur nächsten Station.

Die Bahngleise sind sehr viel breiter als ich sie von Deutschland her in Erinnerung habe. Auch sonst sieht es hier anders aus.

Kurz nachdem wir die Überschrift über der Tür studiert haben, passiert uns ein Wagen mit  einer geschmückten Toten auf ihren letzten Metern.

Ich habe keine Ahnung, was die meisten der hier angepriesenen Dinge zu bedeuten haben, aber drei kenne ich und das sind falsche Gebisse. Sind das die Auslagen eines Zahnartztes???

Fast haben wir wieder Howrah Bridge erreicht.

Minuten später legen wir an, staunen über den verwegenen Schwimmer und machen uns auf dem Weg zu dem riesigen Bahnhof.

und weil Jeff weiss, dass es auf jedem Bahnhof wunderbares Essen gibt, kauft er er  etwas Leckeres.

Wir laufen über die Brücke zurück.

Am anderen Ufer angekommen, treffen wir auf einen Markt mit Blumenketten.

Könnt ihr die Blumen erkennen? Es sind gelbe und orangene Studentenblumen, die durchstochen diese wunderschönen Ketten ergeben.

Wir laufen und laufen  von einem Marktstand zum anderen. Zu guter letzt finden wir einen Bus, der uns zur Esplanade bringt. Von hier aus laufen wir weiter - bis ich das Gebäude des schönsten und besten Hotels von Kolkata entdecke: das Oberoi Grand, wo wir auf einen Drink Station machen.

Wir haben den Abstecher sehr genossen ehe wir wieder in unsere normale Welt eintauchen.

Wir sind auf jeden Fall die Einzigen, die hier zu Fuß ankommen und wieder gehen!!!

Kolkata, oder wie es früher hieß, Kalkutta

Was für eine Stadt! Früher wurde sie " Perle Indiens" genannt und "schönste Stadt nach London". Sicher gibt es jede Menge weiterer wunderbarer Namen für Kolkata. Es kann sein, dass ich noch einige hinzufüge.

Die Entstehungsgeschichte ist schnell erzählt. Die Stadt entstand 1690, als  Job Charnock, Agent der British East India Company, drei Dörfer kaufte. Hier entwickelte sich die Stadt, die später als London des Ostens bezeichnet wurde. Kalkutta blieb bis 1911 die Hauptstadt von British India.

 

Offensichtlich sind Inder brennend interessiert an übergroßen Werbetafeln!

 Ihre Wirkung ist besonders extrem, wenn sie sich haushoch über den geduckten Hütten der Shanty Towns befinden.

Smog gibt allen entfernteren Gebäuden etwas Märchenhaftes.

Wir befinden uns mit einem Uber Fahrzeug auf dem Weg in die City. Die wenigen verbliebenen Stunden der ersten Nacht haben wir in einem Hotel in Airportnähe verbracht. Jeff war drauf und dran das Hotel empört zu verlassen, weil der vorher abgesprochene Preis plötzlich in die Höhe schoss. Alles gut, wir sind beide hervorragende Verhandler. Wir operieren nach dem Motto "bad  and good guy".

Ehe wir in das Auto einsteigen fahren wir mit einer Rikscha, die allerdings weniger elegant ist als die uns hier gerade Überholende. Ein alter Mann hat das Pech uns Zwei, samt Geraffel. zu erwischen! Keine Panik, er hat den Transport überlebt.

An der Bushaltestelle werden wir von jungen Indern über unsere Weiterfahrt beraten. Sie sind die jenigen, die blitzschnell mit ihren Handies Uber herbei

locken und Kontakt zu unserem zukünftigen Hotel aufnehmen. Die wissen von nichts - wie auch - wir haben nur die Adresse aufgeschrieben, um uns vor Ort zu entscheiden.

 


Zum Abschied gibt es ein Gruppen Foto. Was heißt hier ein Foto! Jeder zückt sein Mobilefon, um von den komischen Europäern ein Bild zu machen. Übrigens, das hört auch später nicht auf. Wir werden von wildfremden Menschen angesprochen, die unbedingt mit uns zusammen auf ein Foto wollen. Ich habe Jeff vorgeschlagen, wir könnten zur Aufbesserung unserer Urlaubskasse ein paar Rupien nehmen. Macht euch also keine Sorgen um unsere Zukunft.

 

Im Hotel Galaxi werden wir wie ViPs empfangen. Alles klappt zu unserer Zufriedenheit. Wir werden drei Tage bleiben und uns in Kolkata umschauen Dann reisen  ehe wir weiter nach Darjeeling.

Ganz oben auf dem Plan für Besichtigungen steht das Memorial für Königin Victoria.

Es ist ein prachtvolles Gebäude, das 20 Jahre nach ihrem Tod fertiggestellt wird. Es liegt inmitten eines ebenfalls prachtvollen Parks.

Das Innere des Memorials schauen wir uns beim zweiten Besuch am Nachmittag an. Die gesamte untere Etage beherbergt ein Museum. Ölschinken, alte Waffen, Schriften sind neben der ausführlich dargestellten Geschichte der Stadt zu sehen.

Wir sind überrascht und erfreut über den Andrang, der das Interesse an der eigenen Geschichte zeigt.

 

 

 

 

 

Kuala Lumpur im Schnelldurchgang

Drei Tage in Kuala Lumpur sind  nicht viel, besonders, wenn der Körper sich erst an das Klima gewöhnen muss.  Es ist warm und feucht, die Gewitter sind kurz und heftig. Alles ist besser als feuchte Kälte - meine alten Knochen und Gelenke sind mir dankbar.

Wir haben über Höhlen in der Stadt gelesen, die  wir uns unbedingt anschauen wollen. Ehe wir sie erreichen, kommt das Abenteuer der Fahrt dorthin. Wir müßten 3 mal umsteigen, um unser Ziel zu erreichen. Wir benötigen mehr Versuche, weil wir prompt am richtigen Bahnsteig in den falschen Zug eingesteigen! Das Aussteigen an der nächsten Station macht den Fehler nicht viel besser, da der nächste Zug in umgekehrter Richtung erst zwei Stunden später erscheinen wird. Macht fast gar nichts. Dann fahren wir eben mit einem Bus und der kommt schon eine Stunde später!

Die Höhle ist die Reise wert. Im Innern wird ein frommes Märchen erzählt. Die handelnden Figuren - es sind viele -  sind in Lebensgröße dargestellt. Wir sind sehr beeindruckt und folgen allen Stufen im Inneren, bis uns ein massives Tor am Weitergehen hindert.

 

Ich habe die Namen all der dargestellten Personen und Götter  sofort vergessen, also fragt mich bitte nicht.

Am Ausgang des heiligen Bezirks treffen wir diese Affenbande, die gerade zu unserer Unterhaltung von  fliegenden Händlern gefüttert wird.

Übrigens, den Rückweg finden wir ohne Zwischenfälle.

Dieses Bild ist in der weihnachtlich dekorierten Mall, die zu den Twin Towers gehört, entstanden. Eigentlich wollten wir noch einmal den Ausblick von dem "Steg" aus geniessen, aber als wir endlich den Durchgang zu den Fahrstühlen erreichen, teilen uns die Sicherheitsleute mit, dass wir am Dienstag wiederkommen dürfen. Ha ha. Heute ist Sonntag und morgen reisen wir weiter.

Die Twin Towers sind  imposante Gebäude und immer noch die höchsten Zwillingstürme der Welt.

Mein Abschiedsfoto von Kuala Lumpur, aufgenommen von der Dachterrasse unseres Hotels aus.

Wir werden jetzt zum Flughafen fahren und hoffen, ohne ein Rückflugticket nach Indien einreisen zu können. Meike und Sabine werden sich überrascht die Augen reiben: "Was, ist das möglich, sie tun es schon wieder???!!!"

Ganges - Ahoi

Die Überschrift sagt alles: Der Amazonas liegt in weiter Ferne - der Ganges ist noch nicht erreicht. 

Seit gestern Morgen sind wir in Kuala Lumpur. Das gebuchte Hotel haben wir beim Anblick des Zimmers sofort empört verlassen. Der Vorhang des lausigen Kabuffs hing zur Hälfte am Boden und schon ein leichter Druck auf die Matratze ließ mich die Bekanntschaft mit den Sprungfedern machen! Das ist nichts für alte Leute!

 

Jetzt sind wir im Hilton. Der Ausblick aus der 14. Etage ist fast so toll wie der von Pool und Bar in der 25.

Außer uns beiden Alten ist leider nicht viel zu sehen. Da ist Fantasie gefragt, wir befinden uns auf der Dachterrasse.

Jeff und ich haben uns auf meiner zweiten Amazonasreise in Manaus kennengelernt und zufällig auf einem schrottreifen Seelenverkäufer, unterwegs nach Peru, wieder getroffen. Solche Erlebnisse binden!

Tulum

Mir ist zumute wie Silvester: Die letzte Nacht, das letzte Frühstück...

Der Unterschied ist nur, es beginnt kein neues Jahr, sondern ich fliege heute nach Hause. Und ich freue mich darauf ohne Ende!

Ehe ich mich mit Sack und Pack zum Busbahnhof bewege, will ich von den letzten Tagen in Tulum erzählen. Ordnung muss sein.

 

Der Bus braucht 3,5 Stunden, um - gößtenteils durch struppigen Busch, dann und wann durch eine Ansiedlung,  Tulum zu erreichen.

 

Meine Unterkunft liegt vier Blocks von der Hauptsraße entfernt. Es ist sehr ruhig, die Leute, die hier Verantwortung haben, sind hilfsbereit und freundlich.

Das allerschönste ist der Pool! Das sehen die vielen Vögel, die ohne Unterlass ein Bad nehmen, auch so. Es wird mir nie langweilig ihre Strategien zu beobachten, wenn sie ein kühles Bad nehmen wollen. Die Großen, mit den langen Beinen, können auf der obersten Stufe der Treppe stehen, die Kleinen müssen im Flug sehen, dass ihr Bauch nass wird!

Keine Sorge, dass war nicht mein ganzes Programm für diesen - besonders bei Amerikanern - beliebten Ferienort.

Ich bin mit dem Collectivo zum Strand gefahren. Den Angaben meines Hoteliers entsprechend, suche ich die Haltestelle. Nach mehrmaligem Nachfragen finde ich sie. Es fehlen nur noch zwei Personen in dem Büsschen. Dann kann es losgehen.

Das Städtchen Tulum ist einige Kilometer vom Strand entfernt. Wer annimmt, dass es sich nur um Sand und Wasser handelt, irrt gewaltig! Der ganze Strand ist mit Hotels, Restaurants, Beech Clubs, Geschäften bebaut, sozusagen ein Ferienort für sich. Das bedeutet, dass normale Gäste aus der Stadt keinen Zugang zum Wasser haben. So ein Schiet!

Glück habe ich eigentlich immer. So auch heute. Eine Frau steigt ein, die Englisch spricht. Sie hilft mir mit guten Tipps. Bei ihrem letzten Urlaub ist sie in einem sehr netten Hotel gewesen. Das empfielt sie mir jetzt. Sie übernimmt sogar meine Transportkosten, weil ich nicht so schnell mein Geld in all dem Gedöns finden kann!

Frischen Mutes stapfe ich durch den weißen Sand Richtung Rezeption. Wie wunderschön! Eine Terasse, ein Restaurant, alle Möbel in den vielen Farben des Wassers gestrichen, zuvorkommendes Personal und Wasser! Was will ich mehr.

Unter Palmen sitzend, bestelle ich mir einen Cocktail und später ein Gericht, schaue, lese, genieße diesen wunderschönen Tag.

Auf dem Rückweg wird es schwierig Transport zu finden. Alle Collectivos sind besetzt und halten nicht an. Ich laufe an der Straße entlang und treffe eine junge Frau, die wartend am Rand steht. Sie hat ein Taxi bestellt und nimmt mich freundlicherweise mit. Im Hotel angekommen, hüpfe ich in den Pool.

Tulum ist für seine Maya Ruinen bekannt. Die will ich unbedingt anschauen. Ich leihe mir im Hotel ein Fahrrad, ziehe mir den schlabberigen Hut über den Kopf und strampel mit dem zu kleinen Rad los. Ihr kennt ja meine Devise: "Ist mir doch egal wie ich aussehe!"

Der Weg dorthin ist zum Teil der gleiche wie zum Strand. Ich biege am Ende nur nach links, statt nach rechts ab. Hier sind auch die öffentlich zugänglichen Strände.

Nach zwei Kilometern kommen die ersten Sperren für die Ruinen. Mit dem Fahrrad bin ich flott da. Nur stehen hier schon zig Räder. Alle sehen sich sehr ähnlich. Die Farben sind zwar unterschiedlich, aber von den Blauen, wie meins ist, sind sicher schon 30 vorhanden! Ich pflücke einen Zweig, den ich ins Körbchen lege und außerdem fotografiere ich den Namen meines Sattels!! Was kann jetzt noch schiefgehen.

Während die Warteschlange sich langsam Richtung Kasse bewegt, bekommen wir Besuch. Die Dame, die hier im Hotel den Boden wischt, meint, das sei ein Zorro.

Die Ruinen sind beeindruckend, die Beschreibungen äusserst informativ. Überall wird fotografiert. Bei einer Session mache ich auch mit und drücke einer jungen Frau meinen Fotoapperat in die Hand.

Außer den vielen Ruinen gibt es einen Abstieg zum Meer. Da ich meine Vorkehrungen getroffen habe - den Bikini angezogen und Karins blaues Handtuch dabei habe - steige ich die Treppen hinunter, wechsel die festen Schuhe mit den Schlappen und versuche ein schattiges Plätzchen zu finden. Lachhaft! Es ist Mittag, wo soll da wohl Schatten sein? Egal, ich habe den Schlapphut. Der muß reichen als Vorbeugung gegen einen Sonnenstich.

Ganz lange halte ich es in der Hitze nicht aus!

Auf dem Rückweg treffe ich einige Iguanas. Sie tun so, als wären sie nicht zu sehen, solange sie sich nicht bewegen.

Die Anlage der Maya Ruinen ist weitläufig. Es ist ein Glück, dass sich die Menschenmassen, gegliedert in  unterschiedliche Führungen, nicht die kleinen Schattenoasen streitig machen. Ich sitze in jeder und genieße einen Schluck lauwarmes Wasser.

Und mit meinem allerschönsten Palmenfoto verabschiede ich mich.

Diese Reise war - wie jede Reise - etwas Außergewöhnliches. Ich habe viele Menschen getroffen, einige sogar etwas besser kennengelernt wie Julio, Olaf und Linda.

Diesen Blog zu schreiben, hat meine Zeit gegliedert und Dank Connies lieben Kommentaren, habe ich auch nie die Lust verloren, weiter zu schreiben. Noch jemandem möchte ich danken. Jeff. Ihn habe ich auf der letzten Reise kennengelernt und er hat täglich mit mir Video - ge - Whatts - apped.

Ab morgen kann ich wieder in meiner eigenen Sprache sprechen. Juchhu.

 

Jetzt habt ihr alle eine Aufgabe: Wünscht mir einen guten Flug.